Kalkmilchgalle
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LoslegenEnglisch: milk of calcium bile, limy bile syndrome
Definition
Die Kalkmilchgalle ist eine seltene Erkrankung, bei der sich in der Gallenblase eine dicke, pastöse, hochgradig röntgendichte Substanz ansammelt. Diese Substanz besteht vorwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO₃).
Epidemiologie
In der Literatur finden sich überwiegend Einzelfallberichte. Die Erkrankung betrifft bevorzugt Frauen im mittleren Lebensalter, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten.[1][2]
Ätiologie
Die Kalkmilchgalle tritt meist bei einer leichten Entzündung der Gallenblase auf, oft in Verbindung mit einer Verlegung des Ductus cysticus. Sie ist häufig mit einem Gallenblasenhydrops (Wasseransammlung in der Gallenblase) assoziiert. In seltenen Fällen wurde eine Ausdehnung in den Ductus choledochus beschrieben.
Pathophysiologie
Die genauen biochemischen Mechanismen, die zur Umwandlung der normalen Galle in eine calciumreiche, radioopake Substanz führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Als begünstigende Faktoren gelten neben der Cholezystitis auch eine Schwangerschaft (cholestatischer Phänotyp) sowie Kalziumstoffwechselstörungen wie ein Hyperparathyreoidismus.[3]
Symptome
Der klinische Befund ist unspezifisch. Typisch ist ein Druckschmerz im rechten Oberbauch. Bei Ausdehnung auf den Ductus choledochus kann ein obstruktiver Ikterus mit Gelbfärbung von Haut und Skleren auftreten.
Diagnostik
Labor
Laborchemisch finden sich häufig erhöhte Werte für Bilirubin sowie Leberwerte (ALT, AST, γ-GT, AP). Bei Verdacht auf eine Calciumstoffwechselstörung sollte zusätzlich Calcium im Serum sowie Parathormon (PTH) bestimmt werden.[2]
Bildgebung
Die Diagnose erfolgt vor allem radiologisch.
- Im konventionellen Röntgenbild und im CT erscheint die Substanz sehr dicht (hyperdicht); ein beschriebenes radiologisches Zeichen ist das Exclamation Mark Sign, das entsteht, wenn eine Kalkmilchgalle gleichzeitig mit einem Gallenstein im Ductus choledochus vorliegt.
- Im Ultraschall zeigt sich eine echoreiche, heterogene Masse im unteren Gallenblasenabschnitt, die sich bei Lagewechsel absetzt
Differenzialdiagnose
Wichtig ist die Abgrenzung zur Porzellangallenblase, bei der die Verkalkung in der Gallenblasenwand liegt und mit einem erhöhten Risiko für ein Gallenblasenkarzinom einhergeht.
Therapie
Obwohl die Kalkmilchgalle oft einen benignen Verlauf zeigt, wird aufgrund der assoziierten Erkrankungen (Hydrops, Cholezystitis) in der Regel eine operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) empfohlen. Die laparoskopische Cholezystektomie gilt dabei als Methode der Wahl.[4]
Komplikationen und Sonderfall Ductus choledochus
Bei Ausdehnung auf den Ductus choledochus kommen zusätzlich eine endoskopische Sphinkterotomie oder eine laparoskopische Choledochusrevision in Betracht. In einzelnen Fällen ist eine alleinige endoskopische Therapie (z.B. ERCP) nicht ausreichend, sodass ein kombiniertes endoskopisch-chirurgisches Vorgehen erforderlich sein kann.[5]
Prognose
Die verfügbaren Fallberichte deuten auf einen günstigen Verlauf nach laparoskopischer Cholezystektomie hin. Im Gegensatz zur Porzellangallenblase scheint kein erhöhtes Risiko für ein Gallenblasenkarzinom zu bestehen.
Quellen
- ↑ Mohammed und Arif, Limy bile syndrome presenting as acute acalculous cholecystitis, BMJ Case Rep, 2019
- ↑ 2,0 2,1 Rahate und Rahate, Limy Bile Syndrome: A Report of a Rare Case, Cureus, 2022
- ↑ Migliore et al., Post-pregnancy recurrent biliary colic with intraoperative diagnosis of limy bile syndrome, Int J Surg Case Rep, 2021
- ↑ AlMuhsin et al., Endoscopic management of limy bile syndrome presenting with obstructive jaundice, BMJ Case Rep, 2019
- ↑ Fahrenhorst-Jones et al., Lime and lithiasis: a case of choledocholithiasis complicated by limy bile, J Surg Case Rep, 2024