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Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom

Englisch: intraoperative floppy iris syndrome

1 Definition

Das intraoperative Floppy-Iris-Syndrom, kurz IFIS, ist eine mögliche Komplikation der Kataraktoperation.

2 Hintergrund

Katarakt ist eine Linsentrübung mit Auswirkungen auf das Sehvermögen. Kataraktoperationen zählen weltweit zu den häufigsten Operationen, in Deutschland ca. 900.000 Operationen pro Jahr. Häufig wird nach minimaler Inzision eine Phakoemulsifikation durchgeführt, bei der die Linse mit Ultraschall zerkleinert und dann abgesaugt wird. Anschließend wird eine Kunstlinse eingesetzt.

3 Epidemiologie

Die Prävalenz des IFIS steigt mit dem Alter und liegt bei über 80-Jährigen bei > 90 %. Betroffen sind überwiegend Männer, die Tamsulosin einnehmen.

4 Ätiologie

Das Auftreten eines IFIS ist mit der gleichzeitigen oder vorangegangenen Einnahme der Alpha-1-Rezeptorantagonisten (ARA) Tamsulosin, Alfuzosin und Doxazosin assoziiert. Diese Arzneistoffe werden häufig zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms verwendet. Seltener und off label erfolgt auch eine Verabreichung von Tamsulosin bei Frauen mit rezidivierenden Nierenkoliken. Über den Alpha-1-Adrenozeptor wird nicht nur der Tonus der glatten Muskulatur der Harnwege reguliert, sondern auch des Musculus dilatator pupillae. Die Blockade des Rezeptors führt zur unzureichenden Kontraktion des Musculus dilatator pupillae und somit zu einer inadäquaten Erweiterung der Pupille. Eine höhere Rezeptoraffinität erklärt das bis zu 40-fach erhöhte Risiko von Tamsulosin im Vergleich zu Alfuzosin.

Weitere Risikofaktoren sind:

5 Klinik

Das IFIS ist charakterisiert durch die Trias:

  • undulierende Iris: Iris bewegt sich trotz Gabe von [[Mydriatikun]Mydriatika]] bereits bei geringen intraoperativen Flüssigkeitsströmen.
  • Irisvorfall: Iris prolabiert durch die operativen Zugänge zur Vorderkammer (trotz sachgerechter Inzision).
  • intraoperative progrediente Miosis: trotz Applikation von Mydriatika

6 Komplikationen

Das IFIS kann vielfältige Komplikationen begünstigen:

  • Irisverletzungen
  • entrundete Pupille mit Blendempfindlichkeit und schlechterem Nahsehen
  • hintere Kapselruptur
  • Netzhautablösung
  • Verlust von Linsenteilen in den Glaskörperraum

Insgesamt kann das IFIS somit zu einem schlechteren Operationsergebnis mit Beeinträchtigung des Sehvermögens führen.

7 Prävention

Bei Patienten mit klinischen Hinweisen auf eine Katarakt sollte vor Gabe eines ARA die Wahrscheinlichkeit einer zukünftig notwendigen Kataraktoperation abgeschätzt werden. Tamsulosin muss so früh wie möglich vor der Operation abgesetzt werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 20. Oktober 2020 um 09:55 Uhr bearbeitet.

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