Hospital Anxiety and Depression Scale
Definition
Die Hospital Anxiety and Depression Scale, kurz HADS, ist ein standardisiertes psychometrisches Screeningverfahren zur Erfassung von Angstsymptomen und depressiver Symptomatik bei erwachsenen Patienten. Sie zielt darauf ab, psychische Belastungen möglichst unabhängig von körperlichen Krankheitssymptomen zu erfassen.
Hintergrund
Die HADS wurde 1983 von A. S. Zigmond und R. P. Snaith entwickelt, um Angst- und Depressionssymptome bei Patienten in medizinischen Behandlungssituationen zu erfassen. Ein zentrales Merkmal ist der bewusste Verzicht auf somatische Symptome wie Schlafstörungen, Fatigue oder Appetitveränderungen, um Verzerrungen bei körperlich erkrankten Patienten zu vermeiden. Aufgrund dieses Ansatzes ist die Skala international weit verbreitet und in zahlreiche Sprachen, darunter auch Deutsch, validiert worden.
Aufbau und Durchführung
Die Skala besteht aus insgesamt 14 Items, die sich gleichmäßig auf zwei Subskalen verteilen. Sieben Items erfassen Angstsymptome (HADS-A), sieben weitere depressive Symptomatik (HADS-D). Die Items werden jeweils auf einer vierstufigen Likert-Skala von 0 bis 3 bewertet, wobei höhere Werte eine stärkere Symptomausprägung anzeigen. Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel 5 bis 10 Minuten. Die HADS ist als Selbstbeurteilungsverfahren konzipiert und kann ohne besonderen Schulungsaufwand eingesetzt werden.
Auswertung und Interpretation
Für jede Subskala (HADS-A und HADS-D) wird ein Summenwert zwischen 0 und 21 Punkten berechnet. Die Interpretation erfolgt üblicherweise anhand folgender Grenzwerte:
| Punkte | Befund |
|---|---|
| 0–7 | unauffälliger Befund |
| 8–10 | grenzwertiger Befund (Verdacht auf Angst- bzw. Depressionssymptomatik) |
| ≥11 | auffälliger Befund mit Hinweis auf klinisch relevante Symptomatik |
Die Hospital Anxiety and Depression Scale ist als Screeningverfahren konzipiert und erlaubt keine formale Diagnosestellung. Auffällige oder grenzwertige Ergebnisse sollten daher stets durch eine weiterführende klinisch-psychologische oder psychiatrische Diagnostik gemäß ICD-10, ICD-11 oder DSM-5 ergänzt werden.
Anwendungsgebiete
Die HADS findet breite Anwendung in Fachdisziplinen wie Onkologie, Kardiologie oder Neurologie sowie in psychosomatischen und rehabilitativen Versorgungssettings. Weiterhin wird sie häufig in der klinischen Forschung zur Querschnitts- und Verlaufsbeurteilung psychischer Belastungen eingesetzt. Aufgrund ihres symptomreduzierten Ansatzes eignet sie sich besonders für Patienten mit akuten oder chronischen körperlichen Erkrankungen.
Gütekriterien
Die psychometrischen Eigenschaften der HADS sind gut untersucht. Für beide Subskalen werden in der Regel gute interne Konsistenzen mit Cronbach-α-Werten im Bereich von etwa 0,80 bis 0,90 berichtet. Auch die Konstrukt- und Kriteriumsvalidität gilt als ausreichend bis gut belegt. Sensitivität und Spezifität sind abhängig vom gewählten Cut-off-Wert und variieren je nach Population.
Limitationen
Die Skala erlaubt keine differenzierte psychiatrische Diagnostik und ist bei schweren oder komplexen psychischen Störungsbildern nur eingeschränkt aussagekräftig.
Literatur
- Zigmond AS, Snaith RP. The hospital anxiety and depression scale. Acta Psychiatr Scand. 1983;67(6):361-370. doi:10.1111/j.1600-0447.1983.tb09716.x