Forensische Toxikologie
Definition
Die forensische Toxikologie ist eine Querschnittsdisziplin, die zwischen klinischer Chemie, Toxikologie und Rechtsmedizin angesiedelt ist. Sie unterstützt mithilfe verschiedener Analyseverfahren die Untersuchung von unnatürlichen Todesfällen, Vergiftungen sowie Drogen- und Medikamentenmissbrauch.
Aufgaben
Zentrale Aufgaben der forensischen Toxikologie sind:
- Gerichtsfester Nachweis von Giften, Arzneimitteln und Drogen
- Quantitative Bestimmung von Wirkstoffkonzentrationen in Geweben
- Beurteilung der toxikologischen Relevanz gemessener Konzentrationen
- Klärung der Todesursache bei Verdacht auf Intoxikation
- Beurteilung von Schuldfähigkeit, Fahrtüchtigkeit oder Arbeitsfähigkeit
- Unterstützung straf- und zivilrechtlicher Fragestellungen
Im Sinne einer gerichtlichen Vergiftungslehre trägt sie wesentlich zur Aufklärung von Straftaten und haftungsrechtlichen Sachverhalten bei.
Untersuchungsmaterial
Je nach Fragestellung wird unterschiedliches Untersuchungsmaterial entnommen und analysiert, z. B. Blut, Urin, Speichel, Mageninhalt, Gallenflüssigkeit, Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel) oder auch Organproben (Lebergewebe). Bei Leichenuntersuchungen werden die Proben im Rahmen der gerichtlichen Obduktion gewonnen. Die sachgerechte Asservierung und Dokumentation ist entscheidend für die gerichtliche Verwertbarkeit. Bei der Bewertung der Ergebnisse sind Effekte der postmortalen Redistribution zu berücksichtigen.
Analytische Methoden
In der forensischen Toxikologie eingesetzte Verfahren umfassen u.a.:
- Immunologische Nachweisverfahren (z.B. ELISA, CEDIA, CLIA)
- Gaschromatographie (z.B. Headspace-GC, GC-FID, GC-NPD)
- Flüssigchromatographie
- Massenspektrometrie (z.B. ICP-MS, HRMS)
- Fluoreszenzspektrometrie
- Spektralphotometrie
- Dünnschichtchromatographie
Haufig werden mehrere Verfahren kombiniert, z.B. bei der LC-MS/MS, HPLC-MS oder GC-MS.