FSME-Virus
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LoslegenSynonyme: Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus, Orthoflavivirus encephalitidis
Englisch: tick-borne encephalitis virus, TBEV
Definition
Das FSME-Virus ist der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Taxonomie
- Bereich: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Kitrinoviricota
- Klasse: Flasuviricetes
- Ordnung: Amarillovirales
- Familie: Flaviviridae
- Gattung: Orthoflavivirus
- Art: Orthoflavivirus encephalitidis
- Gattung: Orthoflavivirus
- Familie: Flaviviridae
- Ordnung: Amarillovirales
- Klasse: Flasuviricetes
- Phylum: Kitrinoviricota
- Reich: Orthornavirae
Die Gattung Flavivirus wurde 2023 durch das ICTV in Orthoflavivirus umbenannt. Die Art des FSME-Virus trägt seither den binominalen Namen Orthoflavivirus encephalitidis.[1]
siehe auch: Virustaxonomie
Subtypen
Klassisch werden drei Subtypen des FSME-Virus unterschieden, die sich in Verbreitungsgebiet und übertragender Zeckenart unterscheiden. Der westliche bzw. europäische Subtyp (Western tick-borne encephalitis virus, WTBEV) ist in Zentral-, Ost- und Nordeuropa verbreitet und wird durch Ixodes ricinus übertragen. Der fernöstliche Subtyp (Far-Eastern TBEV) kommt vor allem in Russland östlich des Urals sowie in Teilen Chinas, Japans und Koreas vor, der sibirische Subtyp (Siberian TBEV, STBEV) in Sibirien. Beide werden durch Ixodes persulcatus übertragen. Daneben werden in der Literatur zwei weitere Subtypen geführt (baikalischer und himalayischer Subtyp), klinisch maßgeblich bleiben jedoch die drei Hauptsubtypen.
2026 hat das ICTV eine weitere taxonomische Untergliederung ratifiziert: Der europäische Subtyp wurde als eigene Art (Orthoflavivirus neudoerflense) von den übrigen Subtypen (Orthoflavivirus zilberi) abgegrenzt und das FSME-Virus damit zugleich vom Louping-ill-Virus (Orthoflavivirus loupingi) entflochten. In der klinischen Praxis ist weiterhin die Sammelbezeichnung „FSME-Virus" gebräuchlich.
Eigenschaften
Das FSME-Virus ist ein behülltes Einzelstrang-RNA-Virus mit positiver Polarität (ss(+)RNA). Sein Genom umfasst etwa 11.000 Nukleotide und wird als einzelnes Polyprotein translatiert, das anschließend in drei Struktur- und sieben Nichtstrukturproteine prozessiert wird.
Die drei Strukturproteine sind:
Das Glykoprotein E ist die Hauptkomponente der Virusoberfläche und für die Virulenz des Virus verantwortlich. Es trägt die Bindungsstelle für den Zellrezeptor und provoziert die Immunreaktion, welche die Bildung neutralisierender Antikörper gegen das E-Protein veranlasst.
Das FSME-Virus besitzt eine relativ hohe Tenazität. In Milch bleibt es bis zu zwei Monaten infektiös. Durch Pasteurisierung oder gängige Desinfektionsmittel wird der Erreger hingegen schnell inaktiviert.
Übertragung
Als Vektor nutzt das FSME-Virus in Westeuropa die Zecke Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock), die daneben auch Überträger des Bakteriums Borrelia burgdorferi ist, des Erregers der wesentlich häufigeren Lyme-Borreliose.
Eine seltene Übertragung erfolgt alimentär durch den Verzehr von Rohmilch infizierter Ziegen, Schafe und Kühe. Erkrankte selbst übertragen das Virus nicht von Mensch zu Mensch.[2]
Epidemiologie
In den FSME-Verbreitungsgebieten Deutschlands sind ca. 0,1–5 % der Zecken mit dem Virus infiziert. Eine höhere Durchseuchung wurde gelegentlich bei Zecken bestimmt, die bereits am Menschen Blut gesogen hatten.[2]
Wesentliche Endemiegebiete in Deutschland liegen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (2026) vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und im östlichen Sachsen-Anhalt. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt sind aktuell 185 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Zuletzt kamen der Landkreis Nordsachsen und der Stadtkreis Halle (Saale) hinzu.[3]
Im Jahr 2025 wurden 693 FSME-Erkrankungen an das RKI übermittelt – die dritthöchste Erkrankungszahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001.[4]
Nachweis
Die Diagnose der akuten Infektion erfolgt in der Regel serologisch über den Nachweis virusspezifischer IgM- und IgG-Antikörper im Serum, bei neurologischer Manifestation auch im Liquor. Eine RT-PCR aus Blut ist nur im kurzen virämischen Frühstadium sinnvoll und im neurologischen Krankheitsstadium meist bereits negativ.[2]
Meldepflicht
Gemäß § 7 Infektionsschutzgesetz besteht bei direktem oder indirektem Nachweis von FSME-Virus, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentliche Meldepflicht.
Prophylaxe
Infektionsprophylaxe
Die Infektionsprophylaxe besteht im Tragen geeigneter Kleidung, vor allem langer Hosen und hochgeschlossener Schuhe bei Aufenthalten im Wald. Zuhause sollte der entkleidete Körper unmittelbar auf Zecken abgesucht werden.
Impfung
Die FSME-Impfung ist die einzige effektive Schutzmöglichkeit. Sie erfolgt als aktive Immunisierung mit einer in der Regel dreimaligen Applikation des Impfstoffes und wird von der STIKO als Indikationsimpfung empfohlen:
- bei Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert sind
- als Berufsimpfung bei beruflich Gefährdeten (exponiertes Laborpersonal sowie in Risikogebieten z.B. Forstbeschäftigte und Exponierte in der Landwirtschaft)
- als Reiseimpfung bei Personen, die in Risikogebieten außerhalb Deutschlands zeckenexponiert sind
Ein Impfschutz sollte möglichst zu Beginn der Zeckensaison aufgebaut sein. Zugelassen sind verschiedene Impfstoffe für Kinder und Erwachsene.
Quellen
- ↑ Postler TS et al. Renaming of the genus Flavivirus to Orthoflavivirus and extension of binomial species names within the family Flaviviridae. Arch Virol. 2023;168(9):224.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und verwandte Virusenzephalitiden. Stand: 07.02.2025.
- ↑ Robert Koch-Institut. FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2026). Epidemiologisches Bulletin. 2026;9:3-22.
- ↑ Robert Koch-Institut. FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2026). Epidemiologisches Bulletin. 2026;9:3-22.