Extensionskontraktur
Synonym: Streckkontraktur
Definition
Eine Extensionskontraktur ist eine durch verkürzte Muskeln, Sehnen oder geschrumpfte Gelenkkapseln bedingte Gelenkfehlstellung (Kontraktur), bei der das betroffene Gelenk in gestreckter Position (Extension) fixiert ist.
Ätiologie
Die Ätiologie ist häufig multifaktoriell und kann neben Weichteilverkürzungen auch Kapselfibrosen oder mechanische Blockierungen umfassen. Mögliche Ursachen sind z.B.:
- Traumata
- Degenerative Veränderungen
- Neurologische Erkrankungen
- spastische Lähmung (z.B. nach Schlaganfall)
- Nervenschäden (z.B. periphere Neuropathie)
- Sonstige
Symptome
Zu den Symptomen einer Extensionskontraktur gehören eine fixierte Extension des betroffenen Gelenks mit eingeschränkter Beugefähigkeit sowie Schmerzen bei passiver Mobilisation, häufig begleitet von Muskelspasmen. Je nach Lokalisation resultieren daraus funktionelle Einschränkungen, beispielsweise eine Gehstörung oder eine beeinträchtigte Armnutzung. Im weiteren Verlauf können sekundäre Symptome wie Muskelschwund, Hautatrophie und Durchblutungsstörungen auftreten.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach Ursache, Ausmaß und Dauer der Bewegungseinschränkung. Primär erfolgt eine konservative Behandlung mit strukturierter Physiotherapie mit passiver und aktiver Mobilisation sowie gezielten Dehnübungen der verkürzten Strukturen. Eine suffiziente Schmerztherapie (z.B. mit NSAR) ist essenziell, um Schonhaltungen zu vermeiden und die Mobilisation zu ermöglichen. Ergänzend können statische oder dynamische Schienen im Sinne einer seriellen Redression eingesetzt werden. Bei neurologischer Genese ist zusätzlich eine gezielte Spastiktherapie zu berücksichtigen.
Bei ausgeprägter struktureller Verkürzung oder frustraner konservativer Therapie kann eine operative Behandlung indiziert sein. Hierzu zählen insbesondere die Arthrolyse mit Kapsellösung sowie gegebenenfalls Sehnenverlängerungen oder Tenotomien. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist eine frühfunktionelle postoperative Mobilisation zur Rezidivprophylaxe.
Prophylaxe
Frühe Mobilisation und Positionswechsel bei Immobilität verhindern fibrotische Verkürzungen durch konsequente aktive und passive Übungen. Ergänzend sind eine funktionsgerechte Lagerung, ggf. Schienenversorgung sowie eine adäquate Schmerz- und bei neurologischer Genese Spastiktherapie Bestandteil der Kontrakturprophylaxe.
Quellen
- Meier et al.: Aetiolgy, Classification, Indications for and Execution of Surgical and Consevative Treatment of Stiffness of the Elbow, OP-JOURNAL 2012
- Holschen, Lobenhoffer: Die Quadrizepsplastik nach Judet zur Therapie der myogenen Extensionskontraktur des Kniegelenks. Operative Orthopädie und Traumatologie, 2014