Diuretikaabusus
Synonym: Diuretikamissbrauch
Englisch: abuse of diuretics
Definition
Diuretikaabusus ist definiert als nicht-indizierte oder übermäßige Einnahme von Diuretika, verursacht durch fehlerhafte Verordnung oder absichtlichen Missbrauch. Er tritt besonders häufig bei älteren Patienten, Essstörungen und im Sport auf.
Symptomatik
Labordiagnostik
Die Kombination aus Polyurie, Hypokaliämie, Hyperreninismus und fehlendem Hyperaldosteronismus gilt als typische Konstellation des Diuretikaabusus.
Im Serum zeigt sich eine Hypokaliämie, häufig auch eine Hyponatriämie und eine Hypochlorämie. Klassischerweise findet sich in der Blutgasanalyse eine metabolische Alkalose.
Im Urin findet sich typischerweise eine erhöhte Ausscheidung von Natrium und Chlorid, die im Verhältnis etwa gleich sind (Urin Na/Cl-Ratio ≈ 1). Die gekoppelte Ausscheidung von Natrium und Chlorid unterscheidet sich von anderen Ursachen der Hypokaliämie, wie z.B. gastrointestinalen Verlusten oder Laxantienabusus, wo das Verhältnis von Natrium zu Chlorid im Urin deutlich verschoben ist.
Zusätzlich kann die erhöhte Kaliumausscheidung (z.B. Urin-Kalium/Kreatinin-Quotient > 2) auf einen renalen Verlust durch Diuretika hindeuten.
Nachweis
Der Konsum von Diuretika wird am zuverlässigsten durch Massenspektrometrie (MS) aus Urin nachgewiesen, da die meisten Diuretika und ihre Metaboliten dort über mehrere Tage detektierbar sind und etablierte Methoden wie LC-MS/MS und GC-MS eine hohe Sensitivität und Spezifität bieten.
Die Massenspektrometrie aus dem Blut ist ebenfalls möglich, insbesondere für klinische oder forensische Fragestellungen, bietet aber meist kürzere Nachweiszeiten und geringere Sensitivität für Diuretika im Vergleich zu Urin.
Komplikationen
Lebensbedrohliche Komplikationen sind Herzrhythmusstörungen durch Hypokaliämie oder prärenales Nierenversagen.
Quellen
- Beyer J, Bierl A, Peters FT, Maurer HH. Screening procedure for detection of diuretics and uricosurics and/or their metabolites in human urine using gas chromatography-mass spectrometry after extractive methylation. Ther Drug Monit. 2005 Aug;27(4):509-20. doi: 10.1097/01.ftd.0000160719.96445.91. PMID: 16044110.