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Dissoziativum

Englisch: dissociative

1 Definition

Dissoziativa sind eine spezielle Gruppe von psychotropen Wirkstoffen genannt, die ihre Hauptwirkung an NMDA- und Opioidrezeptoren entfalten und dabei halluzinogene und dissoziative Effekte beim Konsumenten erzielen.

2 Bekannte dissoziative Drogen

3 Pharmakologische Eigenschaften

Bei den meisten dissoziativen Wirkstoffen findet die Hauptwirkung am NMDA-Rezeptor statt. Der NMDA-Rezeptor gehört zu den ionotropen Glutamatrezeptoren. Dabei handelt es sich um Ionenkanäle in der Zellmembran, die durch die Bindung ihres spezifischen LigandenstoffesGlutamat – aktiviert werden und sich öffnen. Die Dissoziativa wirken an diesen NMDA-Rezeptoren nicht-kompetitiv als Kanalblocker. Sie blockieren die Bindungsstelle, an denen eigentlich der für den Rezeptorentyp spezifische Ligand Glutamat bindet. Durch die Bindung der Dissoziativa ist die Bindungsstelle blockiert, und der Kanal somit geschlossen. Einzig das Salvinorin A wirkt nicht als Kanalblocker am NMDA-Rezeptor. Stattdessen wirkt dieser dissoziative Stoff als Antagonist an spezifischen Opioidrezeptoren.

4 Toxikologische Eigenschaften

Bestimmte dissoziative Wirkstoffe aus dem Bereich der NMDA-Rezeptorenblocker haben in langjährigen Tierversuchen zu teilweise irreparablen Schädigungen im Hirngewebe der betroffenen Tiere geführt. Der US-amerikanische Psychopathologe und Neurologe John W. Olney beschrieb die vorhandenen und beobachteten Schädigungen der Tiergehirne als Löcher im Hirngewebe. Diese Läsionen wurden dadurch als Olney’s Lesions (deutsch: Olneys Läsionen) oder NMDA antagonist neurotoxicity (NAN) genannt. Häufigste Symptome dieser Gehirnschädigungen sind Gedächtnisprobleme und auffallende Schwierigkeiten bei komplexen Lernprozessen. Ob diese Versuchsergebnisse aus den Tierforschungsreihen auch auf den menschlichen Organismus übertragbar sind, ist noch nicht umfassend geklärt. Stichhaltige wissenschaftliche Studien an Dissoziativakonsumenten gibt es wegen grundsätzlicher instrumenteller Schwierigkeiten bisher nicht in ausreichendem Maße.

5 Der dissoziative Drogenrausch

Der Drogenrausch (Trip), der durch dissoziative Wirkstoffe hervorgerufen wird, unterscheidet sich häufig deutlich von dem der psychedelischen Drogen. Psychedelische Wirkungen sind bei der Aufnahme von dissoziativen Drogen nicht unwahrscheinlich. Dies ist insbesondere bei drogeninduzierter Dopamin-Wiederaufnahmehemmung und gleichzeitiger Aktivierung von Sigma-1-Rezeptoren bei sehr hoher Dosierung des Wirkstoffes der Fall. Auch transzendente Sinneseindrücke sind dabei nicht selten.

Die eigentliche dissoziative Wirkung der genannten Substanzen führt dagegen zu einer Entkopplung mentaler Prozesse vom menschlichen Bewusstsein. Es kommt zu außerkörperlichen Erfahrungen und dem Eindruck, es würden mehrere parallele Welten nebeneinander existieren. Charakteristisch ist auch ein permanentes Gefühl der Unwirklichkeit. Diese Gefühle können auch viele Tage nach der Einnahme eines entsprechenden Wirkstoffes immer wieder auftreten.

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