Bunyavirales
nach dem Ort Bunyamwera (Uganda)
Synonyme: Bunyaviren, Bunyaviridae (obsolet)
Englisch: Bunyavirales
Definition
Bunyavirales ist eine Bezeichnung, die ursprünglich 2017 vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) als Ordnung für negativ-strängige, behüllte RNA-Viren mit segmentierten Genomen eingeführt wurde. Im April 2024 wurde die Ordnung zur Klasse Bunyaviricetes hochgestuft und in zwei neue Ordnungen aufgeteilt.
Terminologie
Der Name Bunyavirales ist damit streng genommen obsolet. Er wird im klinischen und wissenschaftlichen Sprachgebrauch jedoch weiterhin als Oberbegriff für alle Mitglieder der Klasse Bunyaviricetes verwendet.
Einteilung
Die 2024 eingeführte Klasse Bunyaviricetes umfasst zwei Ordnungen mit insgesamt 16 Familien, 70 Gattungen und über 600 Spezies:[1]
| Ordnung | Familie | Klinisch relevante Vertreter | Überträger |
|---|---|---|---|
| Elliovirales | Peribunyaviridae | Bunyamwera-Virus, Oropouche-Virus, California-Enzephalitis-Virus, Batai-Virus, Inkoo-Virus | Mücken, Gnitzen |
| Hantaviridae | Sin-Nombre-Virus, Hantaan-Virus, Puumala-Virus | Nagetiere | |
| Hareavirales | Nairoviridae | Krim-Kongo-hämorrhagisches-Fieber-Virus, Dabie-Bandavirus | Zecken (v.a. Hyalomma spp.) |
| Phenuiviridae | Rift-Valley-Fieber-Virus, Sandmückenfiebervirus | Mücken, Sandmücken, Zecken | |
| Arenaviridae | Lassa-Virus, Lujo-Virus, Junín-Virus | Nagetiere |
Aufbau
Genom
Das Genom besteht bei den meisten Familien aus drei negativsträngigen RNA-Segmenten:
- L-Segment (large): kodiert die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp/L-Protein)
- M-Segment (medium): kodiert die Glykoproteine Gn und Gc sowie Nichtstrukturproteine (NSm)
- S-Segment (small): kodiert das Nukleoprotein (N) sowie bei manchen Familien weitere Nichtstrukturproteine (NSs)
Die 5'- und 3'-Enden jedes Segments bilden komplementäre Stränge, die als Replikationspromotoren fungieren.[2]
Replikation
Die Viren gelangen über Rezeptor-vermittelte Endozytose in die Wirtszelle. Das saure Milieu des Endosoms löst einen Konformationswechsel des Gc-Proteins aus, das als Klasse-II-Fusionsprotein die Fusion der Virushülle mit der Endosomenmembran vermittelt. Transkription und Replikation finden im Zytoplasma statt.[3]
Klinik
Die Viren der Klasse Bunyaviricetes verursachen ein breites klinisches Spektrum:
- Enzephalitis – z.B. durch das California-Enzephalitis-Virus und La-Crosse-Virus (Peribunyaviridae), v.a. bei Kindern in Nordamerika; sowie durch das Oropouche-Virus in Lateinamerika
- Virales hämorrhagisches Fieber[4]
- Hantavirus-Syndrome (Hantaviridae):
- Febrile Erkrankungen – selbstlimitierend mit Myalgie, Arthralgie und Kopfschmerzen, z.B. Sandmückenfieber, Oropouche-Fieber
Labormedizin
Material
Für die Untersuchung auf Bunyaviren wird Serum benötigt.
Referenzbereiche
Die Referenzbereiche variieren laborspezifisch und sollten daher dem jeweiligen Befundausdruck entnommen werden.
Hinweise
- Vor Blutentnahme sollte mit dem Labor eine telefonische Rücksprache erfolgen, welche Viren untersucht werden sollen.
- Eine möglichst genaue Reiseanamnese und Beschreibung der Klinik ist zur effizienten und schnellen Analytik unabdingbar.
- Bei Verdacht auf das Vorliegen eines hämorrhagischen Fiebers, schweren oder unkontrollierbaren Verläufen, Ansteckungsgefahr, etc. sollte ein tropenmedizinisches Institut eingeschaltet werden.
Quellen
- Lippincott’s Illustrated Reviews: Microbiology, 3. Edition
- Laborlexikon; abgerufen am 11.02.2021
Literatur
- ↑ Kuhn JH et al. Promotion of order Bunyavirales to class Bunyaviricetes. J Virol. 2024;98(11):e0106924.
- ↑ Neriya Y et al. A comprehensive list of the Bunyavirales replication promoters reveals a unique promoter structure in Nairoviridae differing from other virus families. Sci Rep. 2022;12(1):13560.
- ↑ Guardado-Calvo P, Rey FA. The Envelope Proteins of the Bunyavirales. Adv Virus Res. 2017;98:83-118.
- ↑ Odendaal L et al. Insights into the Pathogenesis of Viral Haemorrhagic Fever Based on Virus Tropism and Tissue Lesions of Natural Rift Valley Fever. Viruses. 2021;13(4):709.