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Boldo

Englisch: boldo

1 Definition

Der Boldo, botanisch als Peumus boldus bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Monimiengewächse (Monimiaceae) und Stammpflanze der Arzneidroge Boldoblätter.

2 Herkunft

Peumus boldus ist im südamerikanischen Chile beheimatet und besiedelt trockene Standorte. Eine Kultur findet unter anderem in Algerien statt.

3 Merkmale

Der Boldo wächst als immergrüner, bis 6 m hoher Baum. Die weißen oder gelben Blüten duften stark und sind traubenartig angeordnet. Es werden kleine, beerenartige Früchte gebildet.

4 Boldoblätter

Peumus boldus liefert als pharmazeutische Droge Boldoblätter (Boldi folium, Folia Boldo, Ph. Eur.), die aus den getrockneten Laubblättern besteht. Merkmale der Droge sind ganze oder zerkleinerte Blätter mit eiförmiger bis elliptischer Blattspreite und einer Länge bis 5 cm, ganzrandiger und leicht eingerollter Blattrand, kurzer Blattstiel, raue und höckrige Blattoberseite und Fiedernervatur auf der Blattunterseite. Die Blätter sind dick, ledrig und haben eine graugrüne Färbung. Es dürfen höchstens 4% Zweiganteile vorhanden sein. Mikroskopisch zeigen sich unter anderem zu zweit auftretende, gabelartig sitzende Deckhaare, blattunterseits sternartige Büschelhaare und anomocytische Spaltöffnungen mit 4 bis 7 Nebenzellen. Geruch (beim Zerreiben) und Geschmack sind charakteristisch und aromatisch.

5 Inhaltsstoffe

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Boldoblätter sind:

Das gleichzeitige Auftreten von signifikanten Mengen an Alkaloiden und ätherischen Ölen ist relativ selten. Es wird gemäß Ph. Eur. ein Mindestgehalt von 0,1 % Gesamtalkaloide (berechnet als Boldin) und maximal 40 ml/kg ätherisches Öl gefordert.

6 Pharmakologie

Es wird vermutet, dass für pharmakologische Wirkungen in erster Linie die enthaltenen Alkaloide verantwortlich sind. Es werden eine leichte Spasmolyse im Gastrointestinaltrakt, choleretische Effekte und eine Förderung der Sekretion im Magen beobachtet. Ascaridol wirkt anthelminthisch, Oxyacanthin hat hypotensive Eigenschaften.

7 Anwendung

Schulmedizinisch wird eine mögliche Anwendung bei Dyspepsie, leichten Krämpfen des Gastrointestinaltrakts und Gallenbeschwerden erwähnt. Die Anwendung erfolgt als Aufguss. Hierbei kann mit 2 Teelöffeln auf eine Tasse kochendes Wasser und maximal 3 mal täglich dosiert werden. Als Tagesdosis werden 3 g[1] Boldoblätter angegeben.

Ein Anwendung über längere Zeiträume oder während der Schwangerschaft soll nicht erfolgen.

8 Toxikologie

Die Droge ist nur von geringer akuter Toxizität. In Einzelfällen wurde über Intoxikationen bei Anwendung über einen längeren Zeitraum berichtet. Dabei traten Dysphorie, Halluzinationen und Aphasie auf. Im Tierversuch führen hohe Dosen des Boldins zu neurotoxischen Symptomen (u.a. sind sowohl Krämpfe als auch Lähmungen möglich). Eine Begrenzung des Gehalts an ätherischem Öl in der Droge ist aufgrund des darin enthaltenen Ascaridols notwendig (toxisch bzw. allergen).

9 Einzelnachweise

  1. Biermann: Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 16/2008: Verdauung; Gift und Galle (aufgerufen am 18. Februar 2018)

10 Literatur

  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, 5. Aufl., Nikol Verlag.
  • Schneider: Arzneidrogen, 5. Aufl., Spektrum akadem. Verlag, 2004.
  • Rahfeld: Mikroskopischer Farbatlas pharmazeutischer Drogen, Spektrum akadem. Verlag, Heidelberg 2009.
  • Schulz & Hänsel: Rationale Phytotherapie - Ratgeber für die ärztliche Praxis, Springer Verlag, 3. Aufl., 1996.

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