Aslanger-Zeichen
nach dem türkischen Kardiologen Emre K. Aslanger
Englisch: Aslanger pattern
Definition
Das Aslanger-Zeichen ist ein elektrokardiographisches Muster bei akutem Koronarsyndrom, das bei inferioren Myokardinfarkten (häufig RCA-Okklusion) auftreten kann, ohne die klassischen STEMI-Kriterien zu erfüllen. Es kann Hinweis auf eine akute Koronarokklusion sein.
Hintergrund
Das EKG-Muster wurde erstmals vom türkischen Kardiologen Dr. Emre K. Aslanger im Jahre 2020 beschrieben. Es ist vor allem in der notfallmedizinischen EKG-Diagnostik von Bedeutung und wird im Kontext des OMI/NOMI-Konzepts diskutiert, das jedoch bislang (2026) nicht leitlinienetabliert ist.
Klinik
Das Aslanger-Zeichen ist ein rein elektrokardiographischer Befund. Klinisch präsentieren sich Patienten mit typischen Symptomen eines akuten Myokardinfarkts:
Auffällig ist häufig eine Diskrepanz zwischen klinischer Präsentation und EKG-Befund: Trotz Myokardischämie-typischer Beschwerden zeigen sich keine eindeutigen ST-Hebungen.
Diagnose
Diagnosekriterien
Das typische Muster umfasst:
- ST-Hebung in Ableitung III (aber nicht in II oder aVF)
- Fehlende reziproke ST-Senkung in aVL
- ST-Senkung in den lateralen Ableitungen (V4–V6 und/oder I, aVL), die nicht als reziproke Veränderung zu III erklärbar ist
- Meist konkordante T-Negativierungen in den gleichen Ableitungen
- Häufige Begleitzeichen: Zeichen einer rechtsventrikulären Belastung oder linksventrikulären Hypertrophie
Bildgebung und Labordiagnostik
- Troponin-Anstieg (oft initial noch normal)
- Echokardiographie: Wandbewegungsstörung inferoposterior
- Koronarangiographie: meist komplette RCA-Okklusion, ggf. begleitende Mehrgefäßerkrankung
Pathophysiologie
Das Aslanger-Zeichen entsteht durch eine Überlagerung unterschiedlicher Ischämievektoren. Die ST-Hebung in Ableitung III reflektiert die inferiore Ischämie, während gleichzeitig bestehende subendokardiale Ischämien in anderen Myokardarealen (z.B. lateral) zu ST-Senkungen führen. Diese sind nicht als klassische reziproke Veränderungen zu interpretieren, sondern Ausdruck einer zusätzlichen Ischämie.
Durch die resultierende Vektorsummation kann die typische ST-Hebung in den inferioren Ableitungen (II, III, aVF) unvollständig ausgeprägt sein oder die STEMI-Kriterien nicht erfüllen, obwohl eine relevante Koronarokklusion vorliegt.
Differentialdiagnose
Das Aslanger-Zeichen kann mit folgenden Befunden verwechselt werden:
- Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI)
- Perikarditis
- EKG-Veränderungen bei LVH oder Rechtsherzbelastung
- Elektrolytstörungen oder medikamenteninduzierte Veränderungen
- Reperfusionsmuster nach spontaner Thrombolyse
Therapie
Das Vorliegen eines Aslanger-Zeichens sollte bei passender Klinik die Schwelle für eine frühzeitige invasive Abklärung senken. Eine unmittelbare Behandlung im Sinne eines STEMI ist jedoch nicht leitlinienbasiert festgelegt.
Literatur
- Aslanger et al., A new electrocardiographic pattern indicating inferior myocardial infarction, Journal of Electrocardiology, 2020
- Yildirim und Çanakçı, The new ECG pattern for inferior myocardial infarction, Journal of Electrocardiology, 2020
- Aslanger und Smith, A new electrocardiographic pattern indicating inferior myocardial infarction, Journal of Electrocardiology, 2022
- Simon, A proposal for better visualization of Aslanger pattern, Journal of Electrocardiology, 2023
- Zhang et al., Acute inferior occlusion myocardial infarction with a solitary ST-elevation in lead III: A case report, Journal of Electrocardiology, 2022