Approximale Schmelzreduktion
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Synonyme: Stripping, Interproximale Schmelzreduktion, interdentale Schmelzreduktion, ASR, IPR
Englisch: interproximal enamel reduction, interproximal reduction
Definition
Die approximale Schmelzreduktion ist ein kieferorthopädisches Verfahren zur kontrollierten mechanischen Entfernung geringer Mengen Zahnschmelz an den Approximalflächen bleibender Zähne. Sie reduziert die mesiodistale Breite der behandelten Zähne und schafft Raum für orthodontische Zahnbewegungen.
Prinzip
Bei der approximalen Schmelzreduktion wird die mesiale und/oder distale Schmelzoberfläche eines Zahnes gezielt reduziert. Der gewonnene Raum steht innerhalb des Zahnbogens für die Korrektur von Zahnfehlstellungen zur Verfügung.
Das Ausmaß der Reduktion wird anhand der Zahnmorphologie, der vorhandenen Schmelzdicke und des erforderlichen Platzbedarfs festgelegt. Die Schmelzreduktion ist irreversibel und muss auf den Zahnschmelz begrenzt bleiben. Eine Freilegung des Dentins ist zu vermeiden.
Indikationen
Eine approximale Schmelzreduktion kann bei leichtem bis moderatem Platzmangel eingesetzt werden. Sie ermöglicht eine Platzgewinnung, ohne den Zahnbogen wesentlich zu erweitern oder die Frontzähne übermäßig zu protrudieren.
Eine weitere Indikation ist die Korrektur einer Zahngrößendiskrepanz, insbesondere einer Bolton-Diskrepanz. Durch die gezielte Reduktion einzelner Zahnbreiten können die Größenverhältnisse zwischen Ober- und Unterkiefer harmonisiert werden.
Bei dreieckiger Zahnform kann die approximale Schmelzreduktion zur Verlagerung der Kontaktpunkte und zur Vergrößerung der approximalen Kontaktflächen eingesetzt werden. Dadurch lassen sich sichtbare interdentale Zwischenräume, sogenannte schwarze Dreiecke, reduzieren.
Das Verfahren kann sowohl bei einer Multibracketapparatur als auch im Rahmen einer Alignertherapie angewendet werden.
Planung
Vor der Durchführung erfolgt eine Analyse des vorhandenen Platzbedarfs und der mesiodistalen Zahnbreiten. Hierfür können Zahnmodelle, digitale Scans und ein kieferorthopädisches Set-up verwendet werden. Bei einer vermuteten Zahngrößendiskrepanz kann zusätzlich eine Bolton-Analyse durchgeführt werden.
Die geplante Reduktion wird in Zehntelmillimetern festgelegt und auf geeignete Approximalflächen verteilt. Dabei sind individuelle Unterschiede der Schmelzdicke, vorhandene Restaurationen, die Zahnform, die Wurzelstellung und der Parodontalstatus zu berücksichtigen.
Durchführung
Die approximale Schmelzreduktion kann mit abrasiven Metallstreifen, oszillierenden Instrumenten, diamantierten Scheiben oder feinen rotierenden Instrumenten durchgeführt werden. Die Auswahl richtet sich nach dem geplanten Reduktionsumfang und der Zugänglichkeit der Approximalfläche.
Während der Schmelzreduktion werden die benachbarten Zähne und die gingivalen Weichgewebe geschützt. Bei rotierenden Instrumenten ist eine ausreichende Kühlung erforderlich, um eine thermische Belastung der Pulpa zu begrenzen. Das erreichte Reduktionsmaß kann mit geeigneten Messlehren kontrolliert werden.
Nach der Reduktion werden die Approximalflächen anatomisch rekonturiert und sorgfältig poliert. Die Politur dient der Verringerung der instrumentell verursachten Oberflächenrauigkeit. Anschließend kann eine lokale Fluoridierung erfolgen.
Kontraindikationen
Gegen eine approximale Schmelzreduktion sprechen eine unzureichende Schmelzdicke, strukturelle Schmelzdefekte, aktive kariöse Läsionen und ausgeprägte approximale Restaurationen. Auch eine unzureichende Mundhygiene, ein erhöhtes Kariesrisiko und aktive parodontale Entzündungen können das Verfahren limitieren.
Bei ausgeprägtem Platzmangel reicht die approximale Schmelzreduktion allein in der Regel nicht aus. In diesen Fällen müssen andere Verfahren zur Platzgewinnung oder kombinierte Therapiekonzepte berücksichtigt werden.
Risiken und Nebenwirkungen
Mögliche Risiken sind eine übermäßige Schmelzentfernung, eine Freilegung des Dentins und eine vorübergehende Überempfindlichkeit der behandelten Zähne. Eine unzureichende Politur kann zu einer erhöhten Oberflächenrauigkeit führen.
Weitere mögliche Komplikationen sind Verletzungen der Gingiva, thermische Schädigungen bei unzureichender Kühlung sowie ungünstig gestaltete Approximalkontakte. Eine fehlerhafte Verteilung der Schmelzreduktion kann zudem die Zahnform und die Kontaktbeziehungen beeinträchtigen.
Evidenzlage
Systematische Übersichtsarbeiten und klinische Langzeituntersuchungen zeigen bei sachgerechter Durchführung keine konsistente Zunahme von Karies, parodontalen Schäden oder dauerhafter Zahnsensibilität. Voraussetzung sind eine korrekte Indikationsstellung, die Begrenzung der Reduktion auf den Zahnschmelz sowie eine sorgfältige Rekonturierung und Politur.
Quellen
• Peh et al. Interproximal reduction with clear aligner therapy: A scoping review. Semin Orthod, 2026
• Gazzani et al. The Role of the Interproximal Enamel Reduction in Orthodontics: A Systematic Review. Applied Sciences, 2025
• Khoury-Absawi et al. Clinical outcomes of interproximal enamel reduction in orthodontic treatment of children and adolescents: a systematic review. Eur Arch Paediatr Dent, 2025
• Gómez-Aguirre et al. Effects of interproximal enamel reduction techniques used for orthodontics: A systematic review. Orthod Craniofac Res, 2022
• Zachrisson et al. Dental health assessed after interproximal enamel reduction: Caries risk in posterior teeth. Am J Orthod Dentofacial Orthop, 2011
• Zachrisson et al. Dental health assessed more than 10 years after interproximal enamel reduction of mandibular anterior teeth. Am J Orthod Dentofacial Orthop, 2007