Platzmangel (Kieferorthopädie)
Englisch: dental crowding, tooth crowding
Definition
Der Platzmangel bezeichnet in der Kieferorthopädie eine Diskrepanz zwischen der verfügbaren Länge des Zahnbogens und der Summe der mesiodistalen Zahnbreiten. Infolge des Platzdefizits kommt es zu einem sekundären Engstand mit Überlappungen, Rotationen oder Verlagerungen einzelner Zähne außerhalb des idealen Zahnbogens. Der Platzmangel ist die häufigste Ursache für Zahnfehlstellungen.
Anatomie
Der Platzmangel betrifft die Zahnbögen des Ober- und Unterkiefers. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen der Länge des Alveolarfortsatzes und der mesiodistalen Breite der Zähne. Besonders häufig zeigt sich ein Engstand im Frontzahnbereich, da dieser Abschnitt des Zahnbogens funktionell und morphologisch besonders sensibel auf Platzdefizite reagiert.
Klinik
Eng stehende Zähne erschweren die Mundhygiene und erhöhen das Risiko für Karies und Parodontalerkrankungen. Zusätzlich können funktionelle Störungen des stomatognathen Systems, Artikulationsprobleme sowie ästhetische Beeinträchtigungen des Gesichtsprofils auftreten. In der Kieferorthopädie ist der Engstand ein zentrales Kriterium zur Beurteilung des Behandlungsbedarfs.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch klinische Untersuchung, Modellanalyse und gegebenenfalls durch bildgebende Verfahren. Dabei wird der Platzbedarf der Zähne dem vorhandenen Platzangebot im Zahnbogen gegenübergestellt. Zur quantitativen Erfassung, insbesondere im Frontzahnbereich, kann der Irregularitätsindex nach Little herangezogen werden.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach Ausmaß, Lokalisation und Alter des Patienten. Im Kindesalter kann das Kieferwachstum zur Platzgewinnung genutzt werden. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kommen kieferorthopädische Apparaturen zur Zahnstellungskorrektur zum Einsatz. Bei geringem Platzdefizit können zahnbogenerweiternde Maßnahmen oder eine Approximalschmelzreduktion ausreichend sein. In ausgeprägten Fällen kann eine Extraktionstherapie erforderlich werden, wobei diese heute (2026) nur zurückhaltend eingesetzt wird.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Therapie ist die Prognose günstig. Eine rechtzeitige Behandlung kann funktionelle Störungen verhindern und komplexere kieferorthopädische Maßnahmen im späteren Lebensalter vermeiden.
Literatur
- Proffit et al., Contemporary Orthodontics, 6. Auflage, Elsevier, 2019