Anorektikum
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LoslegenSynonym: Appetitzügler
Englisch: anorectic
Definition
Anorektika sind Arzneistoffe, die die Energieaufnahme durch Verminderung des Hungergefühls, Verstärkung der Sättigung oder Beeinflussung des Essverhaltens reduzieren und dadurch eine Gewichtsabnahme fördern.
Die Trivialbezeichnung für Anorektika lautet Appetitzügler.
Einteilung
Inkretinmimetika
Inkretinmimetika sind derzeit (2026) die wirksamsten Anorektika. Sie werden zur medikamentösen Therapie der Adipositas und als Antidiabetika bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt. Inkretinmimetika fördern die Sättigung, vermindern das Hungergefühl und verzögern die Magenentleerung. Darüber hinaus beeinflussen sie zentrale Belohnungs- und Appetitregulationssysteme. Es lassen sich Gewichtsreduktionen von über 15–20 % des Ausgangsgewichts erreichen. Bekannte Vertreter sind
Tirzepatid ist ein dualer Agonist, der zusätzlich an GIP-Rezeptoren wirkt. In Entwicklung befinden sich Triple-Agonisten wie Retatrutid.
Sympathomimetika
Ältere Anorektika zählten überwiegend zur Gruppe der Amphetamine (Methamphetamin). Sie erhöhen die synaptische Verfügbarkeit von Noradrenalin, Dopamin und teilweise Serotonin durch Freisetzungssteigerung oder Hemmung der Wiederaufnahme. Dadurch wird der Energieverbrauch gesteigert und das Hungergefühl unterdrückt. Diese zentrale und periphere sympathomimetische Stimulierung ist neben der erwünschten Appetithemmung sehr nebenwirkungsreich und daher nur noch vereinzelt in klinischer Verwendung. Nach Beendigung der medikamentösen Therapie kehren die meisten Patienten wieder zum Ausgangsgewicht zurück, was den Nutzen dieser Arzneistoffe in Frage stellt.
Einer der wenigen klassischen Sympathomimetika-Appetitzügler, die in einigen Ländern noch zugelassen sind, ist Phentermin. In Deutschland ist kein Arzneimittel mit diesem Wirkstoff mehr verfügbar.
Weitere sympathomimetische Wirkstoffe mit anorektischen Eigenschaften sind:
Keine dieser Substanzen ist in Deutschland als Anorektikum zugelassen. Ephedrin und Pseudoephedrin werden nur noch in anderen Indikationen eingesetzt. Aminorex und Furfenorex wurden wegen schwerer Nebenwirkungen vom Markt genommen.
Serotonerge Substanzen
Serotonerge Anorektika steigern vor allem die serotonerge Neurotransmission im ZNS und fördern dadurch das Sättigungsgefühl. Die appetithemmende Wirkung wird vor allem durch eine Aktivierung von 5-HT2C-Rezeptoren im Hypothalamus vermittelt. Vertreter sind:
Keine dieser Substanzen ist noch als Anorektikum zugelassen. Sie wurden wegen gravierender Nebenwirkungen vom Markt genommen. Dexfenfluramin und Fenfluramin lagern sich aufgrund ihres amphiphilen Charakters stark in den Lysosomen an – dies resultierte in einer gesteigerten Phospholipidspeicherung, wodurch alveoläre Makrophagen aktiviert und die Bildung von Extrazellulärmatrix angeregt wurde. Die Folge war eine Lungenfibrose. Außerdem kam es in vielen Fällen zu kardiovaskulären Nebenwirkungen: arterieller Hypertonie, Tachykardie, Herzklappenschäden, pulmonale Hypertonie mit teilweise tödlichem Ausgang.
Endocannabinoid-Antagonisten
Die Hemmung des Cannabinoid-Rezeptors 1 durch Antagonisten bzw. inverse Agonisten wie Rimonabant wird ebenfalls anorektisch. Nachdem Rimonabant wegen schwerwiegender psychiatrischer Nebenwirkungen und mehreren Todesfällen vom Markt genommen wurde, ist derzeit (Stand 2026) weltweit kein Wirkstoff dieser Klasse mehr verfügbar.
Sonstige
Zu den sonstigen Anorektika zählen vor allem pflanzliche Wirkstoffe, Naturstoffe und Drogen mit appetithemmender Wirkung:
- Catha edulis ("Khat")
- Ephedra sinica ("Ephedra")
- Methcathinon
- Kokain
Indikationen
Anorektika werden vor allem zur medikamentösen Behandlung der Adipositas eingesetzt. Die Anwendung erfolgt im Idealfall in Kombination mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen sind substanzklassenspezifisch. Inkretinmimetika verursachen vor allem gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö. Sympathomimetika können Tachykardie, Hypertonie, Schlafstörungen und psychische Nebenwirkungen hervorrufen.