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Allen-Masters-Syndrom

Synonym: Masters-Allen-Syndrom
Englisch: Allen-Masters syndrome

1 Definition

Das Allen-Masters-Syndrom, kurz AMS, ist ein gynäkologisches Krankheitsbild, bei dem peritoneale Einrisse und eine Insuffizienz des uterinen Bandapparats u.a. zu chronischen Beckenschmerzen führen.

2 Ätiopathogenese

Die genaue Ursache des Allen-Masters-Syndrom ist derzeit (2020) unklar. Als pathophysiologische Faktoren gelten Einrisse und Lazerationen des uterinen Bandapparats.[1] Dabei sind insbesondere das Ligamentum latum und das Ligamentum cardinale, seltener das Ligamentum sacrouterinum betroffen. Dies Störungen der peritonealen Integrität entstehen beispielsweise während des Geburtsvorgangs (v.a. bei überstürzter Geburt) oder durch Operationen. Die Läsionen können sowohl bilateral als auch unilateral auftreten. Die Schwäche des Halteapparats führt zur abnormalen Beweglichkeit des Cervix uteri bzw. des gesamten Uterus.[2] Dabei liegt häufig eine Retroflexio uteri vor.

Nicht alle Fälle sind jedoch auf eine vorherige Schwangerschaft oder Operation zurückzuführen, sodass eine rein mechanische Verletzung des Halteapparates vermutlich nicht die einzige mögliche Ursache darstellt. Fast immer liegt ein Elastizitätsverlust und eine Ausdünnung des Peritoneums vor. Des Weiteren wird eine Assoziation zur Endometriose vermutet.[3][4]

Ob es sich beim posterioren Fornix-Syndrom (PFS) um eine Variante oder eine eigenständige Entität handelt, ist derzeit (2020) umstritten. Beim PFS verursacht eine abnorme ligamentäre Insuffizienz des Fornix vaginae ähnliche Beschwerden wie das AMS, jedoch können auch zusätzliche Symptome wie Nykturie und Urgeinkontinenz vorkommen.[5][6]

3 Klinik

Das Allen-Masters-Syndrom verursacht typischerweise folgende Symptome:[7][8]

Durch Risse im Ligamentum latum uteri können Darmschlingen sich hernienartigen vorwölben und inkarzerieren, sodass ein Ileus bzw. akutes Abdomen entstehen kann. Als weitere seltene Komplikation des Allen-Masters-Syndrom kann eine akute Peritonitis auftreten.

4 Diagnostik

Das Allen-Masters-Syndrom wird bei entsprechendem klinischen Verdacht durch eine laparoskopische Untersuchung diagnostiziert. Hierbei zeigen sich kleine peritoneale Defekte sowie ein marmorierter, vergrößerter Uterus und eine Varikosis im kleinen Becken.

5 Therapie

Beim Allen-Masters-Syndrom kann eine laparoskopische Obliteration der peritonealen Läsionen und/oder Antefixation des Uterus (z.B. mittels Douglasektomie und uterosakraler Fixation) zur Reduktion der Beschwerden führen. Bei Patientinnen mit abgeschlossenem Kinderwunsch kann eine Hysterektomie erwogen werden. Alternativ kommen konservative Therapieoptionen in Frage.

6 Quellen

  1. Allen WM, Masters WH. Traumatic Laceration of Uterine Support; The Clinical Syndrome and the Operative Treatment, Am J Obstet Gynecol. 1955;70(3):500–513, abgerufen am 07.04.2020
  2. Vetter L. Traumatische Insuffizienz des uterinen Halteapparates (Allen-Masters-Syndrom), Gynäkol Geburtshilfliche Rundsch 1973;13(suppl 1):120-120, abgerufen am 07.04.2020
  3. Nezhat FR, Mahmoud MS. Allen Masters Peritoneal Defect: A Potential Pathway to Deep Infiltrating Rectovaginal Endometriosis?, J Minim Invasive Gynecol. 2014;21(3):321–322, abgerufen am 07.04.2020
  4. Haas D et al. Allen-Masters syndrome: do the classic risk factors also apply in patients with endometriosis?, J Obstet Gynaecol Res. 2013;39(11):1513–1517, abgerufen am 07.04.2020
  5. Petros P, Ulmsten U. The posterior fornix syndrome: A multiple symptom complex of pelvic pain and abnormal urinary symptoms deriving from laxity in the posterior fornix, Scandinavian Journal of Urology and Nephrology 27(153):89-93, 1993, abgerufen am 07.04.2020
  6. Braun NM et al. Chronic Pelvic Pain Caused by Laxity of the Uterosacral Ligaments: Are the Posterior Fornix Syndrome and the Allen–Masters Syndrome Synonyms?, Pain Med. 2015 Aug 3, abgerufen am 07.04.2020
  7. Chachia S et al. Allen-Masters Syndrome: Typical Presentation of an Uncommon Gynecologic Entity, J Minim Invasive Gynecol. 2019;S1553-4650(19)31293-2, abgerufen am 07.04.2020
  8. Gupta R et al. Masters Allen Syndrome: A Review, Dig Dis Sci 52, 1749–1751 (2007), abgerufen am 07.04.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 29. April 2020 um 16:00 Uhr bearbeitet.

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