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AV-Block 2. Grades (Pferd)

Englisch: second-degree AV block

1 Definition

Als AV-Block 2. Grades bezeichnet man eine Herzrhythmusstörung beim Pferd, die durch eine variabel ausgeprägte Blockierung des AV-Knotens gekennzeichnet ist.

2 Epidemiologie

Der AV-Block 2. Grades ist die häufigste Vagus-mediierte Arrhythmie beim gesunden Pferd. Sie tritt bei rund 40 % der Pferde physiologisch auf, insbesondere bei Sportpferden in Ruhe (niedrige Herzfrequenz).

3 Ätiologie

Der physiologische AV-Block 2. Grades entsteht aufgrund des hohen Vagotonus. Pathologische Arrhythmien entstehen entweder infolge von Elektrolytimbalancen, Digitalis-Intoxikationen oder aufgrund verschiedener degenerativ-entzündlicher Erkrankungen des AV-Knotens.

4 Pathophysiologie

Durch den hohen Vagotonus kommt es bei niedrigen Herzfrequenzen (deutlich unter 40 Schläge pro Minute) zu einer partiellen Blockade des AV-Knotens. Aufgrund dessen erfolgt eine Unterbrechung der Erregungsleitung vom Vorhof auf die Ventrikel, sodass trotz vorhandener Vorhofkontraktion die Ventrikelkontraktion ausfällt.

Unter Belastung (z.B. Stress) steigt die Herzfrequenz, weshalb es zu einer Abnahme des Vagotonus kommt. Bei gesunden Pferden ist dann ein AV-Block 2. Grades nicht mehr feststellbar. Bleibt die Blockade der Erregungsüberleitung dennoch bestehen, spricht man von einem fortgeschrittenen AV-Block 2. Grades (pathologisch).

5 Klinik

Der AV-Block 2. Grades ist in der Regel asymptomatisch. Bei der Auskultation des Herzens fällt eine relative Arrhythmie (unregelmäßige Herzfrequenz mit regelmäßig auftretenden Pausen) auf.

Häufig ist der ansonsten nur schwer wahrnehmbare 4. Herzton in der Pause feststellbar.

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind v.a. Vorhofflimmern und ein sinuatrialer Block (SA-Block) auszuschließen.

7 Diagnose

Ein AV-Block 2. Grades wird häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen (z.B. vor dem Impfen) vom Haustierarzt festgestellt. Betroffene Pferde sollten gründlich klinisch untersucht werden. Bei der Auskultation des Herzens ist v.a. eine relative Arrhythmie hörbar. Die Diagnosestellung erfolgt letztendlich mittels Elektrokardiographie (EKG). Charakteristisch ist, dass nicht auf jede P-Zacke ein QRS-Komplex folgt. Anhand der Morphologie der Arrhythmie kann zwischen einem AV-Block Typ Mobitz I (Wenckebach-Block) oder Typ Mobitz II unterschieden werden:

  • Mobitz I: Die PQ-Dauer wird stetig länger, bis letztendlich ein QRS-Komplex ausfällt.
  • Mobitz II: Das PQ-Intervall ist konstant, es fällt jedoch regelmäßig ein QRS-Komplex aus.

8 Therapie

Ein physiologischer AV-Block 2. Grades benötigt keine Therapie.

Sind drei oder mehr aufeinander folgende Blöcke nachweisbar bzw. Blöcke, die auch unter Belastung (erhöhter Herzfrequenz) beständig sind, muss unbedingt eine genaue Abklärung erfolgen. Betroffene Pferde benötigen ein Langzeit-EKG (24-Stunden-EKG), eine Echokardiographie und verschiedene Blutuntersuchungen (Blutbild, Elektrolytstatus, Säure-Basen-Haushalt u.ä.).

9 Literatur

  • Marr, CM. Cardiac murmurs: congenital heart disease. In: Marr CM, Bowen IM (Editors). 2010. Cardiology of the horse. Second edition. Saunders Elsevier Limited. 193-205. ISBN: 978-0-7020-2817-5
  • Gehlen H, Hopster-Iversen C, Schmitz RR. Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). 2017. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. 237-283. ISBN: 978-3-13-219621-6

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Dezember 2020 um 14:36 Uhr bearbeitet.

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