Masernenzephalitis
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: akute postinfektiöse Masernenzephalitis, APME
Englisch: measles encephalitis
Definition
Die Masernenzephalitis ist eine Komplikation der Maserninfektion, bei der es zu einer Entzündung des Gehirns kommt. Sie tritt im Durchschnitt bei 1 von 1.000 Masern-Erkrankten auf. Kinder sind besonders gefährdet. Die akute postinfektiöse Masernenzephalitis ist von der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) und der Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE) abzugrenzen.
Ätiopathogenese
Die akute postinfektiöse Masernenzephalitis entsteht nicht durch direkte Virusinvasion des Gehirns, sondern durch eine autoimmunvermittelte parainfektiöse Reaktion. Als Mechanismus werden molekulare Mimikry und Bystander-Aktivierung diskutiert, bei denen kreuzreaktive T-Zellen und Antikörper zur Demyelinisierung der weißen Substanz führen – ein Muster, das der akuten disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM) ähnelt.[1]
Einteilung
Masernbedingte Enzephalitisformen werden nach Pathomechanismus und Verlauf unterschieden:
- Akute postinfektiöse Masernenzephalitis (APME): häufigste Form, autoimmun-parainfektiös, tritt bei immunkompetenten Personen Tage nach dem Exanthem auf
- Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis (MIBE): durch direkte virale ZNS-Invasion, betrifft überwiegend Immunsupprimierte
- Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): chronisch-progressiv, Latenz von Jahren bis Jahrzehnten nach der Erstinfektion[1]
Symptome
Bei der APME kommt es etwa 2–7 Tage nach Beginn des Masern-Exanthem erneut zu Fieber. Weitere Symptome sind Kopfschmerzen, Krampfanfälle sowie neurologische Zeichen wie Bewusstseinsstörungen und Lähmungserscheinungen.[2]
Diagnostik
Die Diagnose ergibt sich aus dem klinischen Bild nach gesicherter oder wahrscheinlicher Maserninfektion. Unterstützende Untersuchungen umfassen:
- Serologischer Nachweis masernspezifischer IgM-Antikörper im Serum
- Liquorpunktion: lymphozytäre Pleozytose, erhöhtes Gesamtprotein
- MRT: periventrikuläre und subkortikale Entmarkungsherde
- EEG: diffuse kortikale Verlangsamung
Therapie
Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht. Die Behandlung erfolgt supportiv:[2]
- Antiepileptika bei Krampfanfällen (z.B. Valproat)
- Antipyretika bei Fieber
- Vitamin-A-Supplementierung (insbesondere bei Kindern in ressourcenarmen Regionen, gemäß WHO-Empfehlung)
- Intensivmedizinische Überwachung bei schwerem Verlauf
Prognose
Prävention
Gegen eine Infektion mit Masern steht ein Lebendimpfstoff zur Verfügung, in der Regel in Kombination mit einem Impfstoff gegen Mumps und Röteln (MMR-Impfstoff). Nach einmaliger Impfung besteht bei 92 % der Geimpften ein Schutz vor einer Masern-Erkrankung. Eine zweite Impfung wird daher zum Schluss von Impflücken empfohlen.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Ferren M et al. Measles Encephalitis: Towards New Therapeutics. Viruses. 2019;11(11):1017.
- ↑ 2,0 2,1 Diwan MN et al. Measles Induced Encephalitis: Recent Interventions to Overcome the Obstacles Encountered in the Management Amidst the COVID-19 Pandemic. Diseases. 2022;10(4):104.
- ↑ Hübschen JM et al. Measles. Lancet. 2022;399(10325):678–690.
- ↑ Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Masern. Abgerufen am 10.06.2026.