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Divertikulitis

Englisch: diverticulitis

1 Definition

Unter einer Divertikulitis versteht man die Entzündung eines Divertikels. Im engeren Sinn ist damit vor allem die Entzündung von Divertikeln des Colons gemeint.

ICD10-Code: K57.0 - K57.9

2 Einteilung

2.1 ...nach Verlauf

  • akute Divertikulitis
  • chronische Divertikulitis

2.2 ...nach Komplikationen

  • unkomplizierte Divertikulitis
  • komplizierte Divertikulitis

3 Pathogenese

Eine Divertikulitis entsteht vermutlich dadurch, dass Stuhl bzw. schwer verdauliche Nahrungsreste Druckläsionen der verdünnten Divertikelwand erzeugen. Von dort aus können sich bakterielle Infektionen in das umgebende Bindegewebe ausbreiten und eine Peritonitis auslösen.

Dieser Prozess ist vor allem im Alter häufig die Ursache für das Entstehen eines akuten Abdomens mit Perforation und kann zu Verwechslungen mit einer akuten Appendizitis Anlass geben.

4 Epidemiologie

Eine Divertikulitis erleiden in der Regel ältere Patienten, zunehmend sind aber auch jüngere Erwachsene (20 bis 45 Jahre) betroffen. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, steigt mit der Anzahl der vorhandenen Divertikel. Zwischen 10 und 25% aller Patienten mit einer Divertikulose erleiden im Laufe ihres Lebens eine Divertikulitis.

Am häufigsten (ca. 95% der Patienten) ist in Europa und Amerika das Sigmoid betroffen ("Linksseiten-Appendizitis"), in Asien das rechtsseitige Kolon.

5 Symptome

Die klassische Symptom-Trias der Divertikulitis besteht aus:

Als zusätzliche Symptome können Nausea, Diarrhoe oder auch Obstipation auftreten. Die Einteilung der klinischen Symptomatik nach Schweregraden wird gemäß der Klassifikation nach Hansen und Stock vorgenommen. Aufgrund der ähnlichen Symptomatik wird die Divertikulitis auch als "Linksappendizitis" bezeichnet.

6 Diagnostik

  • Klinische Untersuchung (Druckschmerzhafte "Walze" im linken Unterbauch)
  • Sonografie (Suche nach wandverdickten Kolonabschnitten und freier Flüssigkeit)
  • Computertomografie des Abdomens

Die Kontrastmitteldarstelllung des Darms bietet deutlich weniger Informationsgewinn als die Computertomografie bei ähnlicher Strahlenbelastung und wird daher nicht mehr durchgeführt. In der akuten Phase besteht bei einer Koloskopie ein erhöhtes Perforationsrisiko.

7 Differentialdiagnosen

Neben urologischen und gynäkologischen Erkrankungen sollte an folgende Differentialdiagnosen gedacht werden:

8 Therapie

Die akute unkomplizierte Divertikulitis wird konservativ therapiert. Dazu zählt die Darmentlastung durch strenge Diät bei Sicherung der Flüssigkeitszufuhr. Gleichzeitig werden Breitspektrumantibiotika gegeben, die Anaerobier und gramnegative Keime abdecken.

Die komplizierte Divertikulitis stellt eine Op-Indikation dar. Je nach Befund wird

Die Operation erfolgt minimalinvasiv oder durch konventionelle Laparotomie. Abszesse können auch zunächst interventionell mit perkutaner Pigtaildrainage entlastet werden.

Nach Abklingen der Symptome wird zunächst eine ballaststoffarme Diät durchgeführt, die nach völliger Ausheilung wieder auf ballaststoffreiche Ernährung umgestellt wird. Körperliche Bewegung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind ebenfalls anzuraten.

Bei rezidivierender unkomplizierter Divertikulitis wird die Indikation zur Sigmaresektion hauptsächlich vom Patienten selbst gestellt, abhängig von:

  • der Schwere der Schübe
  • vom Zeitintervall zwischen den Schüben
  • der Behandelbarkeit
  • der Beschwerdefreiheit im Intervall

Die Zahl der Schübe erhöht nicht das Risiko einer Komplikation und spielt daher für die Op-Indikation keine Rolle mehr. Allerdings muss nach mehreren stattgehabten Schüben davon ausgegangen werden, dass weitere Rezidive folgen werden und eine Heilung in der Regel nur durch eine Resektion zu erreichen ist.

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