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Ballaststoff

Englisch: fibers

1 Definition

Ballaststoffe sind für den menschlichen Organismus nicht verwertbare, längerkettige Kohlenhydrate. Sie werden im Gegensatz zu anderen Kohlenhydraten nicht enzymatisch gespalten und erreichen nahezu unverändert den Dickdarm.

2 Hintergrund

Die Eigenschaft "nicht verwertbar" bezieht sich nur auf die körpereigenen Enzyme. Manche Enterotypen sind in der Lage, Ballaststoffe mit Hilfe ihre Darmflora in Stoffwechselprodukte zu spalten, die vom Darmepithel als indirekte Energiequelle genutzt werden können.

3 Chemie

Bei Ballaststoffen handelt sich um verschiedene, chemisch heterogene Substanzen, die überwiegend zur chemischen Großgruppe der Kohlenhydrate gehören. Meist sind es Polysaccharide wie Pektin, Zellulose, Hemizellulose oder Guar. Diese Verbindungen sind Strukturbestandteile von Pflanzen oder deren Speicherstoffe. Darüber hinaus sind halbsynthetische oder synthetische Produkte bekannt, die eine ähnliche Wirkung haben wie klassische Pflanzenstoffe.

4 Typische Eigenschaften

4.1 Einteilung

Man unterscheidet lösliche und unlösliche Ballaststoffe.

4.2 Wasserlösliche Ballaststoffe

  • Pektine z.B. in Äpfel, Aprikosen
  • Alginate in Algen, Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl

4.3 Wasserunlösliche Ballaststoffe

5 Physiologische Wirkung

Die Gruppe der wasserlöslichen Ballaststoffe hat eine günstige Auswirkung auf das Profil der Blutfettwerte. Sie sind besonders geeignet für Patienten, die an einer erworbenen oder familiären Hypercholesterinämie leiden. Gelangen die Ballaststoffe mit der Nahrung in das Darmsystem, binden diese sich in einer chemischen Reaktion fest an die in den Dünndarm sekretierten Gallensäuren. Durch diese Verbindung werden die Gallensäuren funktionslos und mit dem Stuhl ausgeschieden. Der Organismus reagiert darauf mit der Bildung neuer Gallensäuren. Hierfür wird als Ausgangsstoff Cholesterin benötigt. Folglich sinkt der Cholesterinspiegel.

Eine weitere fettsenkende Wirkung entfalten die wasserlöslichen Ballaststoffe im Dickdarm. Hier findet ihre Spaltung durch Bakterien statt, bei der bestimmte Verbindungen freigesetzt werden, welche die körpereigene Cholesterinsynthese in der Leber hemmen. Nicht zuletzt verhindern sie nach einer Mahlzeit einen allzu raschen Anstieg des Blutzuckers. Ein Effekt, der gerade für Diabetiker sehr wichtig ist.

Unlösliche Ballaststoffe binden einen Teil des im Dickdarm vorhandenen Wassers. Als Folge quellen diese auf und vermitteln dem Darm ein Gefühl von größerer Fülle, als dies die Nahrung ohne Ballaststoffe tun würde. Folge ist zum einen ein vermehrtes Sättigungsgefühl, zum anderen wird die Darmperistaltik angeregt. Die Gruppe der unlöslichen Ballaststoffe bieten außerdem den Darmbakterien (v. a. Escherichia coli) eine wichtige Nahrungsquelle. Dadurch vermehren diese sich und die Verdauung verläuft effektiver.

6 Krankheitsprophylaxe

Grundsätzlich verringert eine ballaststoffreiche Ernährung das Risiko von Darmkrebs, sowie einigen anderen Darmerkrankungen (z. B. Hämorrhoiden).

7 Nachteile

Ballaststoffe sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Der einzige, aber eher theoretische Nachteil an ihnen ist, dass sie teilweise die Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen verringern. Bei normalem Konsum sind aber keinerlei Konsequenzen zu befürchten.

8 Empfohlene Tagesdosis

In den modernen Industriestaaten wie Deutschland besteht eine permanente Unterernährung mit Ballaststoffen. Dabei wären entsprechende Lebensmittel zur Genüge vorhanden. Zu häufig verwenden die Konsumenten gereinigtes Weizenmehl, anstatt öfter auf Obst, Gemüse und insbesondere die ballaststoffreichen Vollkornprodukte auszuweichen. Eine tägliche Aufnahme von rund 30 Gramm Ballaststoffen ist zu empfehlen. Erreichbar ist diese Dosis bereits durch 200 Gramm Gemüse, zwei bis drei Stück Obst und 75 Gramm Salat täglich. Zu den ballaststoffreichsten Nahrungsmitteln gehört Müsli und Vollkornbrot.

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