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ABCDE-Schema

Synonyme: Primary Assessment, Primary Survey

1 Definition

Das ABCDE-Schema ist eine Strategie zur Untersuchung und Versorgung kritisch kranker oder verletzter Patienten auf der Basis einer Prioritätenliste. Es ist integraler Bestandteil internationaler Schulungskonzepte von NAEMT, AHA und ERC.

2 Abgrenzung

Ein weiteres Notfall-Schema mit ähnlichem Aufbau findet sich beim Advanced Cardiac Life Support, kurz ACLS, in Form der ABC-Regel. Sie dient dem strukturierten Vorgehen während der Reanimation.

In der Dermatologie findet die ähnlich klingende ABCDE-Regel Verwendung. Es handelt sich um eine "Daumenregel" zur makroskopischen Beurteilung pigmentierter Hautveränderungen.

3 Hintergrund

Das Schema ist nach dem traumatologischen Grundsatz "Treat first what kills first" aufgebaut. So tritt beispielsweise der Tod durch Asphyxie schneller ein als durch eine Blutung (Hämorrhagie).

Ein spezieller Fall ist die unkontrollierte Blutung, bei der es in erster Linie um die schnelle Beherrschung der Hämorrhagie geht, und erst folgend um die Abarbeitung des ABCDE-Schemas. In diesem Fall gilt das CABCDE-Schema, wobei "C" für "Catastrophic Haemorrhage Control" steht. Der Grund dafür liegt in der Kausalitätskette: Ein Patient, der zwar einen gesicherten Atemweg (Airway) hat, parallel aber verblutet, hat geringe bis keine Überlebenschancen.

4 Aufbau

  • A - Airway (Atemweg)
  • B - Breathing (Beatmung)
  • C - Circulation (Kreislauf)
  • D - Disability (Defizit, neurologisches)
  • E - Exposure/Environment (Exploration)

4.1 Airway

Sind die Atemwege frei? Ist eine Atmung vorhanden? Besteht ein Risiko für Verlegung oder Schwellung? Ist eine HWS-Immobilisation indiziert?

Schlüsselinterventionen sind:

4.2 Breathing

Sind Inspektion, Auskultation und Palpation des Thorax ohne Befund? Sind die Halsvenen gestaut oder nicht sichtbar? Hat der Patient eine Zyanose? Wie ist die SpO2? Was zeigt die Kapnometrie?

Schlüsselinterventionen sind:

4.3 Circulation

Wie ist der Puls bzw. die Rekapillarisierungszeit? Wie hoch ist der Blutdruck? Liegen starke innere oder äussere Blutungen vor? Sind große Knochen (Pelvis, Femur) frakturiert?

Schlüsselinterventionen sind:

Wenn möglich, sollte der Patient an ein EKG angeschlossen werden - es darf aber den Transport eines kritischen Patienten nicht verzögern.

4.4 Disability

Wie ist die Pupillenreaktion? Wie hoch ist der Blutzucker? Wie ist die Bewusstseinslage (GCS)? Liegt eine Intoxikation oder Stoffwechselentgleisung vor?

Schlüsselinterventionen sind:

4.5 Environment/Exposure

Der Patient wird nach Möglichkeit zur Ganzkörperuntersuchung (Bodycheck bzw. Traumacheck) vollständig entkleidet. Dabei wird vor allem die Stabilität von Körperregionen überprüft, in welche es in Folge des Trauma zu Einblutungen kommen kann. Während der Untersuchung ist auf die Hypothermieprophylaxe zu achten.

5 Nachfolgende Untersuchungen

Das ABCDE-Schema wird schnellstmöglich durch eine kurze Notfallanamnese nach dem SAMPLE-Schema oder dem OPQRST-Schema ergänzt. Insbesondere bei kritischen Patienten ist das ABCDE-Schema regelmässig zu wiederholen (Reevaluation), um etwaige Veränderungen des Patientenzustandes und die Wirkung der eingeleiteten Therapie schnell zu erkennen sowie den Verlauf der Symptomatik beschreiben zu können (z.B. GCS-Abfall).

6 Übergabe

Eine nach dem ABCDE-Schema gegliederte Übergabe des Patienten, z.B. im Schockraum, hat den Vorteil dass sehr zügig und übersichtlich fast alle relevanten Informationen und Vitalparameter übergeben werden können.

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