Rhesusfaktor
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Synonyme: Rhesus-Antigen, Rhesusfaktor-Antigen
Englisch: Rh factor
1. Definition
Der Rhesusfaktor ist ein Oberflächenprotein auf der Zellmembran der Erythrozyten und gehört zu den Blutgruppenmerkmalen des menschlichen Bluts.
Das Rhesussystem beschreibt eine Gruppe verwandter Proteine, deren fünf wichtigste Vertreter (C, c, D, E, e) mit Testseren geprüft werden können. Neben dem ABO-System hat es die größte klinische Bedeutung. Der wichtigste Rhesusfaktor trägt die Abkürzung "D".
2. Geschichte
Der Rhesusfaktor wurde 1940 von Karl Landsteiner und Alexander Solomon Wiener bei Rhesusaffen entdeckt. Bei der Immunisierung von Nicht-Primaten (Kaninchen und Meerschweinchen) mit Blut von Rhesusaffen (und Menschen) fiel eine Antikörperbildung auf (Rhesus-Antikörper).
3. Einteilung
Je nachdem, ob der Rhesusfaktor vorhanden ist oder nicht unterscheidet man:
- Rhesus-positiv: Die Person besitzt das Rhesusfaktor-D-Antigen. Diese Eigenschaft wird als "Rh(D)+", "Rh+", oder einfach "Rh" abgekürzt. Der entsprechende Genotyp ist "DD", "Dd" oder "dD" (häufig zusammengefasst als "D.").
- Rhesus-negativ: Der Person fehlt das Rhesusfaktor-D-Antigen. Abgekürzt wird dies als "Rh(D)-", "Rh-" oder einfach "rh". Der korrespondierende Genotyp ist "dd".
Die wichtigsten Vertreter der Rhesusfaktoren sind C, D, E und c, d, e. Der Rhesusfaktor D besitzt darunter die höchste Antigenität. Er wird auch als Blutgruppen-Polypeptid Rh(D), Rhesus-D Antigen, Rhesusfaktor-D-Antigen bezeichnet.
3.1. Schwaches D-Merkmal
Darüber hinaus grenzt man Patienten mit einem schwachen D-Merkmal (früher: Du) ab.
- Dweak: quantitative Verminderung der D-Antigene. Solche Patienten gelten als Empfänger und Spender als D-positiv.
- Dpartial: unvollständiger Aufbau des D-Antigens. Patienten gelten als Empfänger als D-negativ und als Spender als D-positiv
4. Epidemiologie
Die Mehrzahl der Mitteleuropäer ist Rhesus-positiv. Der Anteil Rhesus-negativer Menschen an der Bevölkerung Mitteleuropas liegt zwischen 15 und 17 %. Auf anderen Kontinenten ist dieser Anteil deutlich niedriger. Die Ureinwohner Amerikas, Australiens und Ostasiens sind beispielweise zu 100 % rhesus-positiv.
Die folgende Tabelle zeigt die Häufigkeitsverteilung der Rhesusformeln (Genotypen) in Deutschland:
Rh-positiv | |
Cc D.ee | 35,0 % |
CC D.ee | 18,5 % |
Cc D.Ee | 13,0 % |
cc D.EE | 3,0 % |
CC D.EE | < 0,1 % |
Rh-negativ | |
cc dd ee | 15,1 % |
Cc dd ee | 0,76 % |
cc dd Ee | 0,92 % |
5. Antikörperbildung
Die Antikörper gegen den Rhesusfaktor werden nicht physiologisch, sondern erst nach einer Sensibilisierung gebildet. Das bedeutet, dass das Immunsystem erst mit fremden Rhesus-Antigenen in Kontakt kommen muss, z.B. durch eine Bluttransfusion oder während einer Schwangerschaft. Es handelt sich daher um irreguläre erythrozytäre Antikörper. Biochemisch gesehen handlet es sich inkomplette (IgG-)Antikörper, die plazentagängig sind.
6. Funktion
Die genaue Funktion des Rhesusfaktor ist bislang (2021) nicht geklärt. Es wird aufgrund von tierexperimentellen Daten vermutet, dass das Produkt des RhD-Gens die Untereinheit eines Membrantransporters für Ammoniumionen (NH4+) und Ammoniak (NH3) ist. Ferner soll es an der Regulation des Blut-pH-Werts beteligt sein.
7. Vererbung
Der Rhesusfaktor wird nach den Mendelschen Regeln vererbt. Der Erbgang ist dominant-rezessiv, d.h. die Ausprägung des Faktors ist dominant gegenüber dem Rhesus-negativen Phänotyp.
8. Klinik
Der Rhesusfaktor besitzt in der Transfusionsmedizin und in der Geburtshilfe ein große Bedeutung. Eine Rhesus-Inkompatibilität zwischen Mutter und Kind kann zur Hämolyse kindlicher Erythrozyten führen (Morbus haemolyticus neonatorum).
9. Literatur
- Laborlexikon.de, abgerufen am 09.02.2021
siehe auch: Coombs-Test, Blutgruppe, Anti-D