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Metapneumovirus-Infektion (Geflügel)

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Version vom 6. August 2021, 09:11 Uhr von Mag. med. vet. Patrick Messner (Die Seite wurde neu angelegt: „''Synonym: Aviäre Metapneumovirus-Infektion'' ==Definition== Als '''Metapneumovirus-Infektionen''' bezeichnet man Infektionskrankheiten bei Geflügel…“)
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Synonym: Aviäre Metapneumovirus-Infektion

1. Definition

Als Metapneumovirus-Infektionen bezeichnet man Infektionskrankheiten bei Geflügeln, die durch Viren der Gattung Metapneumovirus hervorgerufen wird.

2. Ätiologie

Die Erkrankung wird durch das aviäre Metapneumovirus (aMPV) ausgelöst. Im klinischen Sprachgebrauch wird der Erreger oftmals auch als aviäres Rhinotracheitisvirus (ARTV) bezeichnet. Dieses Virus gehört - zusammen mit dem humanen Metapneumovirus (hMPV) - zur Familie der Paramyxoviridae. Das aviäre Metapneumovirus unterscheidet sich jedoch in Aufbau und in der Genomstruktur von den anderen aviären Paramyxoviren und besitzen zudem keine hämagglutinierenden Eigenschaften.

Bisher sind folgende Subtypen beschrieben: Subtyp A und Subtyp B wurden bisher in Deutschland bei der Pute und beim Huhn nachgewiesen. Beide Subtypen dominieren weltweit die Geflügelbestände. Subtyp C konnte lediglich vereinzelt in den 1980er Jahren gefunden werden. Dieser Subtyp trat mit einer Variante in den USA (v.a. bei Puten) und mit einer Variante in Europa und Asien (v.a. bei Hühnern und Enten, aber auch bei Wildvögeln) auf.

3. Epidemiologie

Das aviäre Metapneumovirus trat erstmals Anfang der 1980er Jahre in Südafrika klinisch in Erscheinung. Anfangs waren nur Puten betroffen, wobei kurze Zeit später auch Erkankungen bei anderen Geflügeln beobachtet wurden. Einige Jahre später hat sich der Erreger auch in Europa, insbesondere in Frankreich und in Großbritannien, ausgebreitet. Ende der 1990er Jahre trat das Virus auch erstmals in den USA auf. Man geht davon aus, dass Zugvögel bei der Verbreitung eine wichtige Rolle spielen.

Neben Puten und Hühnern sind auch Fasane und Perlhühner für das Virus empfänglich. Im Gegensatz dazu scheinen Tauben, Gänse und Enten refraktär gegenüber einer Erkrankung zu sein.

4. Pathogenese

Die Verbreitung des Erregers erfolgt hauptsächlich horizontal, wobei aber auch vertikale Infektionen beschrieben wurden.

Die Viren zeigen einen besonderen Tropismus für Flimmerepithelzellen sowie Makrophagen der oberen Atemwege. Durch die Infektion kommt es zu einer Verklumpung und somit zum Verlust der Flimmerepithelien, wodurch der Weg für Sekundärinfektionen erleichtert wird. Gleichzeitig soll das Virus eine immunsuppremierende Wirkung besitzen, was wiederum die Ausbildung von Sekundärinfektionen begünstigt. Eine Erregerausscheidung findet bereits wenige Tage nach Infektion statt.

5. Klinik

Das aviäre Metapneumovirus führt bei empfänglichen Vogelspezies aller Altersklassen zu Erkrankungen des oberen Respirationstrakts. Es kommt zu einer raschen Durchseuchung des gesamten Bestandes mit Reduktion der Futter- und Wasseraufnahme sowie der Legeleistung. Abhängig vom Wirt entwickelt sich entweder das klinische Bild

Betroffene Puten und Hühner leiden an Konjunktivitis mit schaumigem Augenausfluss, Rhinitis und Schwellung des Sinus infraorbitalis sowie anderer Kopfbereiche. Bei Masthühnern kommt es aufgrund einer Beteiligung der Ohren häufig auch zu Tortikollis und Kopfschütteln. Die Morbidität ist hoch, wobei die Mortalität erst bei Sekundärinfektionen (häufig purulente Entzündungen der oberen und unteren Atemwege) signifikant ansteigt.

6. Diagnose

Eine Virusanzucht in Zellkulturen oder embryonierten Hühnereiern (Dottersackinokulation) gelingt nur in der akuten Krankheitsphase (innerhalb der 1. Woche nach der Infektion). Für die Diagnostik eignen sich Choanentuper sowie Organmaterial (z.B. Trachea).

Abhängig vom Subtyp lassen sich Feldisolate des Subtyps A und B in Trachealringkulturen und Feldisolate des Subtyps C nach Adaption in Vero-Zellen und Hühnerembryofibroblasten vermehren. Die Vermehrung in Trachealringkulturen bewirken eine Ziliostase mit Zilienverlust, während in anderen Zellkulturen eine Synzytienbildung entsteht. Da eine Virusanzucht jedoch nur unter besonderen Bedingungen möglich ist, empfiehlt sich mittlerweile die Durchführung einer RT-PCR. Alternativ ist auch eine ELISA sowie ein Virusneutralisationstest bzw. die indirekte Immunfluoreszenz möglich.

7. Therapie

Eine Kausaltherapie existiert derzeit (2021) nicht. Zur Bekämpfung stehen jedoch verschiedene kommerzielle Lebendimpfstoffe mit den Subtypen A und B sowie Inaktivatvakzinen (meist in Form von Kombinationsimpfstoffen) zur Verfügung.

8. Quellen

9. Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

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