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Zervikale intraepitheliale Neoplasie

Abkürzung: CIN
Englisch: cervical inraepithelial neoplasia

1 Definition

Die zervikale intraepitheliale Neoplasie ist eine Vorstufe des invasiven Zervixkarzinoms. Charakteristisch ist die Entwicklung von Dysplasien im Plattenepithel der Cervix uteri.

2 ICD10-Klassifikation

Die zervikale intraepitheliale Neoplasie wird durch die ICD10-Klassifikation entsprechend ihres Schweregrads kodiert.

Code Bezeichnung
N87 Dysplasie der Cervix uteri
N87.0 Niedriggradige Dysplasie der Cervix uteri
N87.1 Mittelgradige Dysplasie der Cervix uteri
N87.2 Hochgradige Dysplasie der Cervix uteri

3 Ätiologie

Die Entstehung einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie wird durch eine Reihe von Risikofaktoren begünstigt.

Einer persistenten Infektion mit kanzerogenen Stämmen des humanen Papillom-Virus (HPV) ist dabei eine herausragende Rolle einzuräumen. Bestimmte Hochrisikotypen des Virus (z.B. 16, 18, 31, 33) besitzen die Fähigkeit sich in das Genom der Wirtszelle zu integrieren. Die Produkte der integrierten Gene sind Proteine, die Tumorsuppressorgene inaktivieren.

Jedoch ist hervorzuheben, dass nicht jede Frau mit einer Hochrisiko-HPV-Infektion eine zervikale intraepitheliale Neoplasie entwickelt. In diesem Zusammenhang stehen weitere exogene Risikofaktoren wie Zigarettenrauchen und Immunsuppression im Verdacht einen fördernden Einfluss auf die Entwicklung einer zervikalen intraepitheliale Neoplasie zu haben.

Epidemiologische Daten stützen die Theorie der HPV-vermittelten Pathogenese, insbesondere die sexuelle Übertragung von HPV erscheint dabei als wichtiger Faktor. Risikofaktoren sind:

  • früher erster Geschlechtsverkehr
  • häufig wechselnde Sexualpartner
  • männliche Sexualpartner, die vorher viele Partnerinnen hatten
  • unbeschnittene Männer

4 Epidemiologie

Der Altersgipfel für das Vorliegen einer zervikalen intraepitheliale Neoplasie liegt bei ca. 30 Jahren. Der Altersgipfel für das Zervixkarzinom liegt hingegen bei ca. 45 Jahren. Die Zahlen deuten auf eine sich über Jahre und Jahrzehnte andauernde schrittweise Progression zum Zervixkarzinom hin. Die Inzidenz der zervikalen intraepithelialen Neoplasie nimmt im Gegensatz zu der Inzidenz des Zervixkarzinoms zu. Die zervikale intraepitheliale Neoplasie kann sich spontan zurückbilden oder sich weiter bis zum invasiven Karzinom entwickeln.

5 Stadien

Die zervikale intraepitheliale Neoplasie wird histologisch in 3 Stadien (CIN I - III) eingeteilt. Das Stadium CIN III entspricht einem Carcinoma in situ.

5.1 CIN I

Im Stadium CIN I liegen milde Dysplasien des Plattenepithels vor. Die Veränderungen der Epithelzellen werden als Koilozytose bezeichnet und sind fast immer auf den zytopathischen Effekt einer HPV-Infektion zurückzuführen.

5.2 CIN II

Das Stadium CIN II zeigt schwerwiegende Dysplasien, die bereits die Mehrzahl der Epithelschichten betreffen. Mitosen können in diesem Stadium auch außerhalb der basalen Schicht des Plattenepithels beobachtet werden. Die einzelnen Zellen variieren bezüglich Größe und Form. Leichte Zellkernatypien sind üblich. Die oberflächlichen Zellschichten sind beim CIN II noch gut differenziert.

5.3 CIN III

Bei einem CIN III ist die Variation der Zellgröße stärker ausgeprägt. Zellkernatypien sind in allen Schichten des Epithels vorhanden. Die Anordnung der Zellen ist gestört, es können abnormale Mitosen dargestellt werden.

6 Diagnostik

Die Einführung der zytologischen Untersuchung nach Papanicolaou (PAP-Test) ermöglicht die frühzeitige Erkennung einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie. Die Einführung einer vorsorglichen Abstrichuntersuchung in diesem Sinne hat die Inzidenz des Zervixkarzinoms deutlich gesenkt.

Befunde ab Grad III D sind verdächtig auf das Vorliegen einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie, deren Bestätigung durch Biopsie und anschließende histologische Untersuchung erfolgt.

Bei Lokalisation der Veränderungen in der Ektozervix (äußerer Muttermund) können bei einer Kolposkopie Veränderungen im Sinne einer Leukoplakie oder Erosion auf das Vorliegen einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie hinweisen. Die Beurteilung suspekter Veränderungen und damit die Aussagekraft der Kolposkopie kann durch die elektrische Impedanz-Spektrometrie (EIS) des Zervikalkanals verbessert werden.

7 Therapie

Abhängig vom Papanicolaou-Befund und der kolposkopischen Erscheinung wird bei Verdacht auf CIN I (Pap III d) eine abwartende Haltung eingenommen. Bei Verdacht auf CIN II und III (Pap IV a) ist eine Konisation bzw. Laserkoagulation indiziert. Die veränderten Bezirke sollten dabei immer im Gesunden entfernt werden.

Der Therapieerfolg sollte durch Nachkontrollen in regelmäßigen Abständen gesichert werden.

8 Prophylaxe

Kondome verringern das Risiko einer HPV-Infektion deutlich. Sie können bei konsequenter Anwendung Infektionen mit Hochrisiko-HPV in vielen Fällen verhüten.

Darüber hinaus stehen seit 2006 Impfstoffe gegen HPV zur Verfügung. Seit Juli 2007 wird von der STIKO die Impfung gegen HPV für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Seit einigen Jahren werden deshalb verstärkt HPV-Impfstoffe eingesetzt. In klinischen Studien konnte eine Reduktion bestimmter CIN-Formen durch die Impfung belegt werden. Bislang fehlt jedoch noch der endgültige klinische Beweis, dass der breite Einsatz von HPV-Impfstoffen das Auftreten von schwerwiegenden CIN und damit von Zervixkarzinomen verhindern kann.

siehe auch: Vaginale intraepitheliale Neoplasie, Vulväre intraepitheliale Neoplasie

9 Links

Impedanz-Spektrometrie: Scanner am Muttermund

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