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Zenker-Divertikel

nach dem Pathologen Friedrich Albert von Zenker (1825-1898)
Synonyme: zervikales Divertikel, Hypopharynx-Divertikel, Grenzdivertikel, pharyngoösophageales Divertikel
Englisch: Zenker's diverticulum

1 Definition

Das Zenker-Divertikel ist ein zwischen Hypopharynx und Wirbelsäule liegendes Divertikel des Pharynx. Es gehört zu den sogenannten falschen Divertikeln (Pseudodivertikel). Wegen seiner Lage wird es auch als Grenzdivertikel bezeichnet.

2 Anatomie

Die übliche Lokalisation des Zenker-Divertikels ist das muskelschwache Dreieck (Killian-Dreieck) zwischen der Pars fundiformis und der Pars obliqua des Musculus constrictor pharyngis inferior.

3 Pathogenese

Grundlage für die Entwicklung des Zenker-Divertikels ist eine pathologische, intraluminale Druckerhöhung des Pharynx durch eine Fehlregulation des Schluckakts oder einer Tonuserhöhung der Pars fundiformis des Musculus cricopharyngeus - auch unter den Namen "Killian-Schleudermuskel" bekannt. Es handelt sich um ein Pulsionsdivertikel.

Das Zenker-Divertikel zählt zudem zu den Pseudodivertikeln, da es lediglich zu einer Vorstülpung von Mukosa und Submukosa durch eine muskuläre Lücke kommt und nicht zu einer Herniation aller Wandschichten (echtes Divertikel).

4 Klassifizierung

Der Ausprägungsgrad eines Zenker-Divertikels wird nach der Brombart-Klassifikation wie folgt eingeteilt:

Grad Charakteristik
1 2-3 mm tiefe, nischenförmige Ausbuchtung
2 bis zu 8 mm lange, keulenförmige Aussackung
3 über 10 mm langes, konstantes Divertikel ohne Kompression des Ösophagus
4 Divertikel mit großer Aussackung und Kompression des Ösophagus

5 Klinik

Das Zenker-Divertikel verursacht Passagestörungen im pharyngo-ösophagealen Übergang. Betroffene Patienten klagen zunächst über Dysphagie. Es kommt gehäuft zur Regurgitation und zum Hochwürgen von unverdauten Speisen. Bei Größerwerden des Zenker-Divertikels kommt es zu einem Globusgefühl im Hals. Manchmal kann zusätzlich ein intensiver Mundgeruch (Halitosis) auftreten.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt in manchen Fällen eine Schwellung im lateralen Bereich des Halses auf. Die definitive Diagnose ist mit einer Ösophaguspassage mit dem Kontrastmittel Barium (Bariumbreischluck) zu stellen.

Die Durchführung einer Ösophagogastroduodenoskopie ist bei einer Via falsa in den Divertikelsack mit einem Perforationsrisiko behaftet und sollte daher mit der nötigen Vorsicht durchgeführt werden. Hier bietet sich die Untersuchung mit dem Divertikuloskop oder dem pneumatischen Ösophagoskop an.

6 Therapie

Die Therapie eines symptomatischen Zenker-Divertikels besteht in einer Operation. Bei der klassischen offenen Operation wird eine extramuköse Myotomie des queren Anteils des Musculus cricopharyngeus mit Fortführung des Schnittes auf den angrenzenden Teil der Ösophaguswand durchgeführt. Dadurch wird die Fehlbelastung beim Schluckakt behoben. Das Divertikel kann bei kleiner Größe mit einer Divertikulopexie (Hochnähen kleiner Divertikel) oder einer Divertikulektomie (Ausschneiden und Entfernung großer Divertikel) versorgt werden.

Alternativ bietet sich die endoluminale Therapie mit dem starren Ösophagoskop (Divertikuloskop) mittels CO2-Laser oder Nahtklammergerät an. Eine Durchtrennung über ein flexibles Endoskop ist noch wenig gebräuchlich. Bei dem Eingriff wird die möglichst vollständige Durchtrennung des queren Anteils des Musculus cricopharyngeus im Sinne einer "Schwellendurchtrennung" (Mukomyotomie) angestrebt. Dadurch wird das Divertikel Teil des Ösophagus. Der Schluckakt kann durch die Peristaltik der Speiseröhre weiter ungehindert ablaufen.

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