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Vestibulookulärer Reflex

Synonyme: okulozephaler Reflex, VOR
Englisch: vestibulo-ocular reflex

1 Definition

Der Vestibulookuläre Reflex, kurz VOR, zählt zu den Hirnstammreflexen. Es handelt sich hierbei um eine bei Kopfbewegung reflektorisch erfolgende langsame kompensatorische Blickbewegung zur Gegenseite, die eine Stabilisierung des auf der Netzhaut abgebildeten Bildes zur Blickfixierung ermöglicht.

2 Funktionelle Verschaltung

Die Verschaltung des vestibulookulären Reflexes erfolgt über 3 Neurone und ähnelt in ihren Afferenzen dem vestibulospinalen Reflex.

Bei Drehung des Kopfes erfolgt die Verschaltung des Reflexes über die Bogengangafferenzen auf die postganglionären Fasern des Nervus vestibulocochlearis im Ganglion vestibulare (1. Neuron). Diese projizieren auf die Vestibulariskerne (2. Neuron), in denen eine Umschaltung auf Projektionsfasern zum kontralateralen Abduzenskern erfolgt. Die dort terminierenden Fasern werden auf den Nervus abducens (Nervus VI) und via Fasciculus longitudinalis medialis auf den kontralateralen Nucleus nervi oculomotorii umgeschaltet (3. Neuron). Demgemäß erfolgt eine Abduktion des der Drehrichtung abgewandten Auges bei gleichzeitiger Adduktion des in Drehrichtung gelegenen Auges.

Gegenläufige vertikale Blickbewegungen werden über die Afferenzen der Maculae utriculi et sacculi via Nervus vestibulocochlearis, Vestibulariskerne und nachgeschaltete Augenmuskelkerne (Nucleus nervi oculomotorii, Nucleus nervi trochlearis) initiiert.

3 Diagnostik

Die klinische Prüfung des vestibulookulären Reflexes erfolgt mittels Kopf-Impuls-Test nach Halmagyi und Curthoys.

4 Klinische Relevanz

Da der vestibulookuläre Reflex auch bei bewusstlosen und komatösen Patienten vorhanden ist ("Puppenkopfphänomen"), findet seine Überprüfung Anwendung in der Hirntod-Diagnostik.

Der VOR wird durch Bogengangsreize ausgelöst, der optokinetische Reflex durch großflächig bewegte visuelle Reize.
#5 vor 23 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
L. Backes
Was ist der Unterschied zwischen dem vestibulookulären Reflex und dem optokinetischen Reflex?
#4 vor 24 Tagen von L. Backes (Student der Humanmedizin)
Das Problem liegt hier daran, dass die Begriffe "Pupenaugenphänomen" und "Puppenkopfphänomen" in der Literatur teilweise synonym verwendet werden, die Neonatologie und die Neurologie aber unterschiedliche Phänomene damit meinen. Wir versuchen, das in den entsprechenden Artikeln mal aufzuräumen.
#3 am 27.10.2017 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Liebe Frau Steinhausen, der vestibulookuläre Reflex (der zur Zeit meines Studiums noch okulozephaler Reflex genannt wurde), bezeichnet das Phänomen, dass bei passiver Kopfbewegung die Augäpfel durch Reflexe auf Hirnstammebene von den Augenmuskeln zur GEGENSEITE bewegt werden, sodass der Eindruck entsteht, die Augen fixierten einen Punkt. Sie folgen also NICHT der Kopfbewegung. Wird der Kopf nach rechts gedreht, wandern die Augäpfel nach links und vice versa. Dieser Reflex kann bei Neugeborenen bis zum 10. Lebenstag noch fehlen oder verzögert auftreten, wie von Ihnen beschrieben. Bei meiner Ausbildung wurde mir das "Puppenaugenphänomen" als AUSFALL des VOR erklärt. Man liest manchmal bei "Puppenaugenphänomen" oder "Puppenkopfphänomen" aber eine dem VOR gleichlautende Erklärung (wie bei einer Puppe mit beweglichen Augen, die durch Gewichte immer in Deckenrichtung schauen). Ich halte dies für verwirrend, speziell in diesem DocCheck-Artikel; der Absatz sollte m. E. überarbeitet werden.
#2 am 11.07.2017 von Carsten Hütter (Arzt)
Frage: Hier wird mit dem VOR das klinische Phänomen "Puppenaugenphänomen" erklärt. Nach Prof. Dr. Vojta wird das Puppenaugenphänomen so beschrieben, dass in den ersten Lebenswochen die Augen bei passiver Drehung des Kopfes reflektorisch der Kopfbewegung folgen. (Quelle: "Die zerebralen Bewegungsstörungen im Säuglingsalter", Prof. Dr. Vaclav Vojta, 6. Auflage, Hippokratesverlag 2000, S. 136) Also verstehe ich das so, dass der VOR zunächst dafür sorgt, dass die Augen zur Gegenseite bewegen und beim Neugeborenen erst mit Zeitverzögerung der Kopfdrehung reflektorisch folgen, was dann als Puppenaugenphänomen bezeichnet wird. Also kann man die Begriffe VOR und Puppenaugenphänomen nicht direkt miteinander in Verbindung bringen. Der Begriff "Puppenkopfphänomen" bezeichnet der Bewegung der Bulbi zur Gegenseite der Kopfbewegung, als direkte Folge des VOR.
#1 am 09.07.2016 von Kerstin Steinhausen (Physiotherapeut)

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