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Kontrazeptivum

(Weitergeleitet von Verhütungsmittel)

Synonyme: Antikonzeptivum, Verhütungsmittel
Englisch: contraceptive

1 Definition

Bei einem Kontrazeptivum handelt es sich um ein empfängnisverhütendendes Mittel, welches auf verschiedene Arten wirken kann. Die verschiedenen Kontrazeptiva unterscheiden sich außer in ihrem Wirkmechanismus auch in der Anwendung, welche wiederum von den geographischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten abhängig ist.

2 Verfügbare Methoden

2.1 Barrieremethoden

Bei diesen Methoden erfolgt die empfängnisverhütende Wirkung über eine mechanische Barriere, die den Eintritt des Ejakulats bzw der Samenzellen in den Uterus und damit die Befruchtung der Eizelle verhindern.

Zu diesen Methoden werden das Präservativ für den Mann bzw. die Portiokappe und das Scheidendiaphragma für die Frau gezählt.

2.2 Spermizide

Spermizide sind chemische Mittel, die die Samenzellen bei Kontakt abtöten. Sie kommen in Form von Scheidenzäpfchen als alleiniges empfängnisverhütendes Mittel oder als Gel zusammen mit Potiokappe oder Scheidendiaphragma zum Einsatz.

2.3 Hormonelle Kontrazeptiva

Bei den hormonellen Kontrazeptiva handelt es sich um Östrogen- bzw. Gestagenpräparate, die oral oder parenteral verabreicht werden können. Auch eine Kombination von Östrogenen mit Gestagenen in einem Präparat ist möglich.

Die Wirkung erfolgt auf systemischer bzw. zentralnervöser Ebene durch eine Beeinflussung des hypothalamo-hypophysären Regelkreises. Die erhöhte Östrogen-/Gestagenkonzentration im Plasma führt über einen Feedback-Mechanismus zu einer Senkung der Gonadotropinausschüttung aus der Hypophyse. Als Folge davon wird die Ovulation verhindert, eine Befruchtung ist daher nicht möglich.

Darüber hinaus erfolgt eine Veränderung des Zervixschleimes sowie des Endometriums und eine Hemmung der Tubenmotilität, was die empfängnisverhütende Wirkung noch verstärkt.

Für die orale Applikation ist die "Anti-Baby-Pille" (siehe: Orales Kontrazeptivum) zu nennen, welche in verschiedenen Stärken und Präparatkombinationen erhältlich ist. Sie kann also bezüglich Wirkstoff und Dosierung gut auf die entsprechende Patientin abgestimmt werden und erfreut sich nicht zuletzt wegen ihrer zusätzlichen Wirkungen, einfachen Anwendung und Sicherheit großer Beliebtheit.

Zu den parenteral verabreichten hormonellen Kontrazeptiva gehören die sogenannte Drei-Monats-Spritze, bei der eine entsprechende Hormondosis alle drei Monate durch einen Arzt injiziert wird, sowie die verschiedenen Hormonimplantate, welche unter die Haut im Bereich des Unterarms gelegt werden und für eine definierte Zeit regelmäßig die gewünschte Dosis Hormone freisetzen.

Wie bei allen Medikamenten, zu denen auch hormonelle Kontrazeptiva gehören, gibt es einige Kontraindikationen, wozu zum Beispiel das Rauchen und Thrombophilie gehören.

Hormonelle Kontrazeptiva, insbesondere die Pille, werden aufgrund ihrer vielfältigen zusätzlichen Wirkungen, unter anderem die Kontrollierbarkeit des Menstruationsbeginns, Reduktion von Menstruationsbeschwerden sowie in einigen Fällen auch Verbesserung des Hautbildes von vielen Frauen positiv bewertet.

2.4 Weitere Kontrazeptiva

Neben den bereits genannten Methoden gibt es noch die Möglichkeit der Empfängnisverhütung über Intrauterinpessare (IUP), Intrauterinsysteme (IUS) und, als sicherstes Mittel die operative Sterilisation bei Männern und Frauen, welche aber unter Umständen irreversibel sein kann.

2.5 Kontrazeption ohne Kontrazeptivum

Methoden ohne Hilfsmittel werden häufig unter dem Begriff "natürliche Kontrazeption" zusammengefasst und als unsicher bezeichnet. Tatsächlich muss in diesem Bereich zwischen verschiedenen Methoden, die in ihrer Sicherheit stark varrieren, unterschieden werden. Als natürliche Familienplanung werden Methoden bezeichnet, mit denen durch Zyklusbeobachtung fruchtbare und unfruchtbare Phasen im weiblichen Zyklus identifiziert werden und die Kohabitation zeitlich auf die unfruchtbare Zeit beschränkt wird. Dazu gehören z.B. die Temperaturmethode, die Kalendermethode und die symptothermale Methode. Letztere liegt mit einem Pearl-Index von 0,4 bezüglich der Sicherheit im Bereich hormoneller Verhütungsmethoden. Entgegen der häufig noch verbreiteten Aussage ist für eine sichere Anwendung dieser Methode kein regelmäßiger, stabiler Menstruationszyklus nötig.

Der Coitus interruptus kann theoretisch zu den Methoden ohne Hilfsmittel gezählt werden. Nach heutigen Erkenntnissen sollte er aber nicht mehr als empfängnisverhütendes Mittel bezeichnet werden, da bereits das Präejakulat des Mannes, das schon weit vor der Ejakulation abgesondert wird, eine gewisse Zahl befruchtungsfähiger Samenzellen enthält und somit zu einer Befruchtung führen kann.

3 Pearl-Index

Der Pearl-Index gibt die Sicherheit eines Verhütungsmittels an. Diese Zahl ergibt sich aus der Zahl der ungewollten Schwangeschaften auf 1200 Anwendungsmonate bei richtiger Anwendung, welche durch die Anwendung einer Methode über ein Jahr durch 100 Frauen bestimmt wird. Je höher die Zahl des Pearl Index ist, umso unzuverlässiger ist die entsprechende Verhütungsmethode bzw. das entsprechende Kontrazeptivum. Zu den sichersten Kontrazeptiva gehören dabei die hormonellen Präparate mit einem Pearl-Index zwischen 0 und 1,5, gefolgt von der Temperaturmethode mit einem Pearl Index von 1 und den mechanischen Kontrazeptiva wie das Präservativ (Pearl Index 7-14) und Diaphragma mit Spermizid (Pearl Index 4).

Mit Abstand am unzuverlässigsten ist der Coitus interruptus mit einem Pearl-Index von 10-38 sowie die Spermizide allein mit einem Pearl-Index von 3-25.

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