Traktionszystozele
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Definition
Die Traktionszystozele ist eine Form der Zystozele, bei der die Harnblase infolge eines kaudal gerichteten Zuges am bindegewebigen Halteapparat der vorderen Vaginalwand nach unten verlagert wird. Der Prolaps entsteht unabhängig von einer akuten Erhöhung des intraabdominellen Drucks.
Hintergrund
Der Begriff beschreibt einen Deszensusmechanismus, der primär auf Defekten der lateralen Aufhängung der vorderen Vaginalwand beruht. Die Traktionszystozele entspricht einem lateralen Defekttyp im Sinne der DeLancey-Klassifikation und unterscheidet sich vom druckabhängigen Prolapsmechanismus.
Ätiologie
Ursächlich ist eine Insuffizienz der paravaginalen Fixation der vorderen Vaginalwand mit Beteiligung der endopelvinen Faszie. Häufig besteht ein Zusammenhang mit operativen Eingriffen im kleinen Becken, insbesondere nach Hysterektomie. Weitere Ursachen sind geburtsassoziierte Schädigungen des Beckenbodens sowie altersbedingte degenerative Veränderungen des Bindegewebes.
Pathophysiologie
Der Verlust der lateralen Abstützung der vorderen Vaginalwand führt zu einer kaudalen Verlagerung der Vaginalwandstruktur. Die Harnblase folgt dieser Zugbewegung passiv nach kaudal. Eine primäre Druckbelastung ist nicht erforderlich. Die Urethra kann sekundär mitverlagert sein.
Symptome
Typisch ist ein dauerhaftes Senkungs- oder Fremdkörpergefühl in der Vagina. Eine sicht- oder tastbare Vorwölbung kann auch ohne Pressmanöver bestehen. Miktionsstörungen umfassen erschwerte Miktion, Restharnbildung und irritative Beschwerden des Harntrakts. Belastungsabhängige Symptomverstärkungen sind geringer ausgeprägt als bei druckbedingten Zystozelen.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt mittels gynäkologischer Untersuchung mit gezielter Beurteilung lateraler Vaginalwanddefekte. Charakteristisch ist eine verminderte paravaginale Fixation. Die Untersuchung im Stehen ist sinnvoll. Bildgebende Verfahren wie die dynamische Beckenboden-Sonographie oder die Magnetresonanztomographie des Beckens dienen der Differenzierung der Deszensusmechanismen. Die Graduierung kann anhand des POP-Q-Systems erfolgen.
Abgrenzung
Abzugrenzen ist die Traktionszystozele von der Pulsionszystozele, bei der der Prolaps primär druckabhängig entsteht. Weitere Differenzialdiagnosen sind Urethrozele, Rektozele, Enterozele und der Vaginalstumpfprolaps.
Therapie
Die Therapie orientiert sich an Ausprägung und Symptomatik. Konservative Maßnahmen umfassen Pessartherapie und Beckenbodentraining mit begrenzter Wirksamkeit bei strukturellen Defekten. Operative Verfahren zielen auf die Wiederherstellung der lateralen Aufhängung, beispielsweise durch paravaginale Faszienrekonstruktion oder Verfahren der Sakrokolpopexie.
Besonderheiten
Traktionszystozelen treten gehäuft nach vorausgegangenen Beckenbodenoperationen auf. Rezidive sind bei unvollständiger Wiederherstellung der lateralen Fixationsstrukturen möglich.