Polymyalgia rheumatica
Synonyme: Polymyalgie, PMR
Englisch: polymyalgia rheumatica
Definition
Die Polymyalgia rheumatica, kurz PMR, ist eine Autoimmunerkrankung, die mit einer Vaskulitis einhergeht. Es besteht ein enger Zusammenhang mit der Riesenzellarteriitis.
Klinik
Leitsymptom sind symmetrische Schmerzen der proximalen Extremitätenmuskulatur (Hüftmuskulatur, Schultermuskulatur, Nackenmuskulatur). Die Schmerzen treten charakteristischerweise zur Nacht auf.
Häufig berichten Patienten über Morgensteifigkeit und wechselnde bewegungsabhängige Beschwerden der betroffenen Muskulatur.
Fakultativ auftretende Allgemeinsymptome sind Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitverlust, Nachtschweiß und eine depressive Verstimmung. Bei 20 % der Betroffenen kommt es überdies zu einer symmetrischen Synovitis.
Diagnostik
Wegweisend ist der Laborbefund. Die BSG ist stark erhöht, begleitet von einer CRP-Erhöhung. Inkonstant liegen eine moderate Leukozytose und leichte Anämie vor.
Der Rheumafaktor ist negativ, die CK ist normwertig.
Diagnosekriterien
Um die Diagnose "Polymyalgia rheumatica" zu stellen, werden die Klassifikationskriterien der EULAR bzw. ACR herangezogen:
- Morgensteifigkeit > 45 min (2 Punkte)
- Rheumafaktor und/oder Anti-CCP-Antikörper negativ (2 Punkte)
- Beckengürtelschmerz oder verminderte Hüftbeweglichkeit (1 Punkt)
- Kein anderes Gelenk schmerzhaft (1 Punkt)
- Entzündliche Veränderungen (z.B. Bursitis subacromialis bzw. subdeltoidea) beider Schultern (1 Punkt)
- Entzündliche Veränderungen an mindestens einem Schulter- und Hüftgelenk (1 Punkt)
Eine Polymyalgia rheumatica gilt als gesichert, wenn mit dem o.a. Score mind. 4 Punkte erzielt werden.
Ein promptes Ansprechen mit Schmerzlinderung bei einer Therapie mit Glukokortikoiden spricht ebenfalls für eine Polymyalgia rheumatica ("Diagnosis ex juvantibus").
Differentialdiagnosen
Therapie
In der Regel sprechen die Patienten mit Polymalgia rheumatica sehr gut auf die Gabe von Glukokortikoiden an. Die Therapie sollte daher unmittelbar nach Diagnosestellung begonnen werden. Die Glukokortikoiddosis wird individuell angepasst und dabei so hoch wie nötig, aber so niedrig wie möglich gewählt.
Die Initialdosis liegt bei den meisten Patienten mit Polymyalgia rheumatica zwischen 15 und 25 mg Prednisonäquivalent pro Tag. Eine Minimaldosis von 7,5 mg/Tag sollte in der Frühphase nicht unterschritten, eine Maximaldosis von 30 mg/Tag nicht überschritten werden. Nach Abklingen der Symptome und basierend auf einem regelmäßigen Monitoring, Laborparametern und möglichen Nebenwirkungen, kann die Dosis schrittweise reduziert werden (z.B. initiale Reduktion 10 mg/Tag für 4–8 Wochen, danach weitere Reduktion um 1 mg/Tag alle 4 Wochen). Die Behandlungsdauer ist patientenspezifisch und u.a. vom Auftreten von Rezidiven und den Ergebnissen der Verlaufskontrollen abhängig.[1]
Bei hohem Rezidivrisiko, unzureichender Wirkung oder um den hohen Glukokortikoid-Bedarf zu reduzieren, kann zusätzlich Methotrexat gegeben werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Quelle
- ↑ Buttgereit et al.: S3-Leitlinie zur Behandlung der Polymyalgia rheumatica. AWMF-Register Nr. 060/006 (2018), abgerufen am 13.02.2026