Pharyngitis chronica hyperplastica
Synonyme: chronische hyperplastische Pharyngitis, Pharyngitis granulosa
Englisch: granular pharyngitis
Definition
Die Pharyngitis chronica hyperplastica ist eine benigne Form der chronischen Pharyngitis, die durch eine Hyperplasie der Rachenschleimhaut und des zugehörigen Lymphgewebes gekennzeichnet ist.
Terminologie
Die Begriffe "Pharyngitis chronica hyperplastica" und "Pharyngitis granulosa" werden in der klinischen Alltagssprache häufig synonym verwendet. In beiden Fällen besteht eine Schleimhaut- und Lymphgewebshyperplasie – bei der Pharyngitis granulosa liegt jedoch zusätzlich ein pflastersteinartiges Schleimhautrelief vor. Sie wird als Unterform der Pharyngitis chronica hyperplastica angesehen.
Ätiologie
Die Erkrankung ist multifaktoriell bedingt. Zu den wichtigsten Ursachen zählen:
- Exogene Reize wie Tabakrauch oder Luftverschmutzung
- Trockene Schleimhäute (z.B. durch klimatisierte Räume)
- Postnasal-Drip bei chronischer Rhinosinusitis
- Laryngopharyngealer Reflux (LPR)
- Chronische Infektionen (viral oder bakteriell)
- Mundatmung
- Xerostomie
- berufliche Exposition (Staub, Chemikalien)
Pathophysiologie
Pathophysiologisch liegt eine chronische Schleimhautreizung durch wiederholten Kontakt mit Noxen oder Antigenen vor. Sie triggern eine Immunreaktion des mukosaassoziierten lymphatischen Gewebes (MALT). Dabei kommt es zur Aktivierung von Immunzellen und zur Ausschüttung von Zytokinen.
Die persistierende Entzündung führt zu strukturellen Veränderungen im Sinne einer Gewebeproliferation, die sich von den passageren Veränderungen der akuten Pharyngitis unterscheiden.
Klinik
Die Symptomatik ist meist unspezifisch. Häufig berichten Patienten über:
- Fremdkörpergefühl („Globusgefühl“)
- Räusperzwang
- trockenen Reizhusten
- leichte Dysphagie
- Schleimansammlung im Rachen
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Die Inspektion oder Pharyngoskopie zeigt eine gerötete, verdickte und geschwollene Rachenschleimhaut im Bereich der hinteren Pharynxwand. Bei einer Pharyngitis granulosa ist die Oberfläche zusätzlich pflastersteinartig oder körnig verändert.
Differentialdiagnosen
Abzugrenzen sind granulomatöse Entzündungen im Rahmen bestimmter Systemerkrankungen (Granulomatose mit Polyangiitis, Sarkoidose) oder spezifischer Infektionen (z.B. Tuberkulose). Bei Verdacht auf granulomatöse Entzündungen ist eine systemische Abklärung indiziert.
Weitere Differentialdiagnosen sind:
- chronische atrophische Pharyngitis
- allergische Pharyngopathien
- laryngopharyngealer Reflux
- unspezifische Infektionen (z.B. Mykosen)
- prämaligne Veränderungen
Bei unklaren Befunden kann eine weiterführende Diagnostik (z.B. Abstrich, Endoskopie) indiziert sein.
Therapie
Die Behandlung richtet sich primär nach der zugrunde liegenden Ursache und erfolgt meist konservativ:
- Elimination von Noxen (z. B. Rauchstopp)
- Hydration und Schleimhautpflege (Inhalationen, Luftbefeuchtung)
- Behandlung von Reflux oder Rhinosinusitis
- ggf. lokale Antiphlogistika
In therapierefraktären Fällen kann eine lokale Verödung hypertropher Areale durch HNO-ärztliche Maßnahmen erwogen werden.
Prognose
Die Prognose ist hinsichtlich schwerer Komplikationen günstig, jedoch besteht häufig eine chronische Persistenz der Beschwerden.
Quellen
- Böhm et al., Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 2019
- Kasper et al., Harrison's Principles of Internal Medicine (20th ed.)., 2018