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Orellana-Syndrom

Synonym: Orellanus-Syndrom

1 Definition

Das Orellana-Sydnrom ist eine Form der Pilzvergiftung. Sie zeichnet sich durch eine sehr lange Zeitspanne zwischen Pilzmahlzeit und Auftreten der ersten Krankheitszeichen aus. Die frühesten Symptome treten in der Regel 30 bis 40 Stunden nach dem Verzehr auf, in seltenen Fällen wurden Zeiträume von über 14 Tagen bis zum Eintreten der Symptome beobachtet. Dies kann eine effektive Therapie unter Umständen erschweren, da sich die Toxine schon eine verhältnismäßig lange Zeit im Körper befinden und im Blut zirkulieren. Treten die Vergiftungserscheinungen allerdings später als 9 Tage nach Verzehr auf, verläuft die Vergiftung meistens etwas milder.

2 Verursachende Pilze

  • Orangefuchsiger Schleierling
  • Spitzbuckliger Orangeschleierling
  • Schleierlinge (Rauköpfe, Hautköpfe)

Alle Pilze dieser Art sind stark nephrotoxisch.

3 Symptome

Zu den typischen Krankheitsmerkmalen gehören:

4 Relevante Giftstoffe

Der Hauptgiftstoff ist Orellanin. Chemisch ist es ein Phenol und eine heterozyklische Verbindung (Bipyridin). Es ist in Wasser und unpolaren organischen Lösungsmitteln unlöslich und kann auch durch große Hitze nur sehr langsam zersetzt werden, weswegen die genannten Pilze auch nach gründlicher Zubereitung in der Pfanne nicht hinreichend entgiftet werden. Eine Zersetzung von Orellanin ist durch UV-Licht möglich, was aber selbstverständlich keine Möglichkeit darstellt, den Pilz ungiftig zu machen. Die oben genannten Pilzsorten sind und bleiben hochgiftig und dürfen unter keinen Umständen verzehrt werden!

Weiterhin befindet sich in den Fruchtkörpern die Substanz Orellinin, die jedoch weit weniger toxisch ist und deren Wirkung hier vernachlässigt werden kann. Hierbei handelt es sich um ein Abbauprodukt des Orellanins.

5 Diagnose

  • Blutuntersuchung zeigen eine deutlich erhöhte Kreatininkonzentration im Serum
  • Abdomensonografie
  • Nadelbiopsie der Nierenrinde (Orellanin im Biopsat)
  • mikroskopisch sichtbare Tubulusnekrosen bei NORMALEN Gefäßen
  • Urinuntersuchung (Blut und Eiweiße im Urin)

6 Therapie

Es handelt sich um einen Notfall, bei dem so schnell wie möglich intensivmedizinische Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Das Gift Orellanin ist potenziell tödlich, daher müssen sofort folgende Dinge erfolgen:

6.1 Primäre Giftentfernung

  • Herbeiführen von Erbrechen
  • Magenspülung
  • Verabreichung von Aktivkohle und Lactulose (Giftausscheidung)

6.2 Sekundäre Giftentfernung

Nach intensiver Beobachtung und weiterer labortechnischer Untersuchung muss festgestellt werden, ob es nach der primären Giftentfernung zu einer dauerhaften Nierenschädigung gekommen ist. Ist dies NICHT der Fall, ist innerhalb von einer Woche nach der Vergiftung eine Hämoperfusion indiziert, um noch evtl. im Körper verbliebene Giftreste zu entfernen.

Ist es zu einer Nierenschädigung und damit zu einer Insuffzienz gekommen, ist der Patient in aller Regel dialysepflichtig. Im Falle einer sehr schweren Schädigung beider Nieren bleibt als ultima ratio nur noch die Nierentransplantation.

Kontrainduziert sind zu jedem Zeitpunkt der Therapie Schleifendiuretika wie Furosemid, da diese den Nieren-Tubulus-Schaden weiter verstärken!

7 Prognose

Bei 50 % der Patienten bessert sich die Nierenfunktion innerhalb von einigen Wochen wieder ohne weiteres Vorgehen. 50 % der Betroffenen benötigen eine Hämodialyse; manche nur über einige Wochen und Monate, andere dauerhaft

8 Molekulare Wirkung des Giftes

Orellanin wirkt als nicht-kompetetiver Hemmer der alkalischen Phosphatase und hemmt außerdem die Proteinbiosynthese der Nierenzellen. Der ganz genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt.

9 Giftzentralen in Deutschland

  • Berlin: Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben

Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen Tel.: 0 30 / 1 92 40

  • Göttingen: Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg,

Niedersachsen und Schleswig-Holstein Tel.: 0 55 1 / 1 92 40

  • Mainz: Klinische Toxikologie und Beratungsstelle bei Vergiftungen

der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Tel.: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66

Weitere Giftzentralen finden Sie hier

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