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Orales Allergiesyndrom

Englisch: oral allergy syndrome

1. Definition

Das orale Allergiesyndrom, kurz OAS, ist eine IgE-vermittelte allergische Reaktion. Es stellt die häufigste Manifestation einer Pollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie dar.

2. Ätiologie

Das orale Allergiesyndrom ist eine IgE-vermittelte allergische Reaktion, die nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel auftritt. Es wird typischerweise durch pflanzliche Proteine ausgelöst, die mit bestimmten inhalativen Antigenen Kreuzreaktionen aufweisen: Bei Allergie gegen Birkenpollen leiden ca. 70 %, gegen Beifuß ca. 20 % der Patienten an ein OAS.

Folgende Kreuzreaktionen sind häufig vorzufinden:

Nahrungsmittelallergen Birke Gräser Beifuß
Nüsse (z.B. Haselnuss, Walnuss, Mandel) +++ - +
Kernobst (z.B. Apfel, Birne) +++ + -
Steinobst (z.B. Pflaume, Pfirsich, Kirsche, Aprikose) +++ + -
Karotte ++ - ++
Tomate  ++ + +
Soja  +++ + -
Erdnuss + + -
Sellerie  ++  + +++
Gewürze (z.B. Anis, Dill, Petersilie, Pfeffer, Paprika, Kümmel) + - +++

3. Klinik

Beim oralen Allergiesyndrom handelt es sich weniger um eine eigenständige Krankheitsentität als um einen variablen Symptomkomplex. Typischerweise kommt es direkt nach Verzehr des Nahrungsmittels bzw. spätestens innerhalb von 5 Minuten zu Pruritus an Lippen, Zunge, Gaumen, Gehörgängen und Rachen. Außerdem werden häufig Parästhesien, Erytheme und seltener Ödeme mit sichtbaren Schwellungen an Lippen, Zungen- und Mundschleimhaut (Kontakturtikaria) beschrieben. Meist erfolgt eine spontane Besserung nach 10-15 Minuten.

Durch Diffusion von Histamin und/oder neurogene Reflexe mit weiterer Mastzellaktivierung kann es zu "fortgeleiteten" Symptomen kommen:

Auch gastrointestinale Symptome sind möglich (z.B. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, eosinophile Ösophagitis).

Bei bestimmten Allergenen, nach Verzehr größerer Mengen, bei starker körperlicher Anstrengung oder gleichzeitigem Alkoholgenuss können auch anaphylaktische Reaktionen auftreten. Die Symptomintensität hängt von der Allergenmenge ab. Außerdem sind die Allergene z.T. in der Schale konzentriert (z.B. bei Äpfeln).

4. Diagnostik

5. Therapie

Da Birkenpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergien i.d.R. nur lokale Symptome verursachen, betreffen Karenzempfehlungen den Verzehr in rohem Zustand und den Verzehr großer Mengen. Die zahlreichen Einflussfaktoren auf die Symptomatik müssen mit dem Patienten individuell besprochen werden. Bei anderen Nahrungsmitteln, die häufiger anaphylaktische Symptome verursachen, die über ein reines OAS hinausgehen, gelten strengere Karenzempfehlungen.

Symptomatisch können die Lokalsymptome mit oralen Antihistaminika behandelt werden. Bei einem anaphylaktischen Schock sind weitergehende Maßnahmen (z.B. Gabe von Adrenalin) notwendig. Grundsätzlich sollten Patienten mit bekanntem OAS einen Adrenalin-Autoinjektor als Notfallmedikation mitführen.

Langfristig kann die spezifische Immuntherapie (SIT) mit Pollenallergenextrakten auch zur Reduktion der OAS-Symptomatik führen. Eine SIT ist jedoch nur bei symptomatischer Rhinokonjunktivitis oder Asthma bronchiale indiziert.

6. Literatur

Stichworte: Allergie, IgE, Pollen
Fachgebiete: Allergologie

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