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Obere Radialislähmung

Synonym: Krückenlähmung

1 Definition

Unter einer oberen Radialislähmung versteht man eine Läsion des Nervus radialis im Bereich der Axilla.

2 Ätiopathogenese

Eine Läsion des Nervus radialis in der Axilla wird häufig durch Unterarmgehstützen hervorgerufen, weshalb man auch von einer "Krückenlähmung" spricht. Die Läsion kann aber auch durch einen Gipsverband oder durch ein Trauma (z.B. eine Fraktur des Oberarmkopfes) hervorgerufen werden.

3 Klinik

Durch die Lähmung des Musculus triceps brachii kann der Unterarm nicht gestreckt werden. Weiterhin sind die radiale Extension im Handgelenk, die Ulnarabduktion, die Ulnarextension und die Supination eingeschränkt, da der Musculus supinator, der Musculus extensor carpi ulnaris, der Musculus extensor carpi radialis longus und der Musculus extensor carpi radialis brevis gelähmt sind.

Weiterhin kann man eine Fallhand und Fallfinger beobachtet, d.h., dass in den Fingergelenken und dem Handgelenk keine Streckung erfolgen kann. Ein Faustschluss ist nicht mehr möglich. Fallhand und Fallfinger sind durch eine Parese des Musculus extensor pollicis longus, Musculus extensor pollicis brevis, Musculus extensor digitorum, Musculus extensor digiti minimi und Musculus extensor indicis bedingt.

Der Unterarm kann in Mittelstellung nur noch eingeschränkt gebeugt werden, da der Musculus brachioradialis paretisch ist.

Trizepssehnenreflex und Radiusperiostreflex sind abgeschwächt.

Sensibilitätsstörungen werden an der radialen Seite von Ober- und Unterarm sowie im Spatium interosseum I angegeben. Sie sind durch einen Ausfall des Nervus cutaneus brachii lateralis, des Nervus cutaneus brachii posterior, des Nervus cutaneus antebrachii posterior und des Ramus superficialis des Nervus radialis bedingt.

Bei länger andauernder Parese kann eine Atrophie der genannten Muskeln beobachtet werden.

4 Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung führen zur Diagnose. Dabei sollten die Armstreckung, Armbeugung in Mittelstellung, die Streckung der Hand sowie der TSR und der RPR überprüft werden, um die Höhe der Läsion festlegen zu können und die Krückenlähmung von der Parkbanklähmung abgrenzen zu können.

In unklaren Fällen werden zusätzlich elektrophysiologische Untersuchungen mittels Elektroneurographie und Elektromyographie durchgeführt. Diese Untersuchungen können auch dazu genutzt werden, die Prognose der Nervenläsion abzuschätzen.

5 Therapie

Wenn die Läsion des Nervus radialis durch eine länger anhaltende Druckeinwirkung bedingt ist, sollte abgewartet und der betroffene Arm geschont werden. Druckläsionen haben eine relativ gute Prognose.

Wenn die Läsion jedoch durch eine Fraktur bedingt ist, erfolgt häufig eine operative Behandlung, bei Kontinuitätsunterbrechung ggf. eine operative Rekonstruktion des Nerven.

Fachgebiete: Chirurgie, Neurologie

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