Nervus ophthalmicus
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Loslegenvon altgriechisch: ὀφθαλμός ("ophthalmos") - Auge
Synonyme: Augapfelnerv, V1
Englisch: ophthalmic nerve
Definition
Der Nervus ophthalmicus ist der erste Endast des Nervus trigeminus, des fünften Hirnnerven. Er führt allgemein-somatosensible Fasern.
Embryologie
Der Nervus trigeminus ist der Nerv des ersten Schlundbogens. Nervus maxillaris und Nervus mandibularis versorgen dessen Abkömmlinge sensibel bzw. motorisch, während der Nervus ophthalmicus embryologisch der Stirn-Nasen-Region zugeordnet wird, die keinem Schlundbogen entstammt.
Anatomie
Aufbau
Im Gegensatz zum Nervus mandibularis, dem dritten Trigeminusast, sind Nervus ophthalmicus und Nervus maxillaris rein sensibel und führen keine motorischen Fasern.
Verlauf
Nachdem er das Ganglion trigeminale verlassen hat, verläuft der Nervus ophthalmicus in der Lateralwand des Sinus cavernosus nach ventral. Noch innerhalb des Sinus cavernosus gibt er den Ramus tentorius ab, bevor er sich in seine drei terminalen Hauptäste aufteilt, die anschließend durch die Fissura orbitalis superior in die Orbita ziehen.
Äste und Versorgungsgebiete
Der Nervus ophthalmicus gibt folgende Äste ab:
- Ramus tentorius
- Nervus frontalis
- Nervus lacrimalis
- Nervus nasociliaris
Ramus tentorius
Der Ramus tentorius wird auch als Ramus meningeus recurrens bezeichnet. Er führt sensible Fasern zur Versorgung des Tentorium cerebelli sowie angrenzender Anteile der Falx cerebri und der Dura mater im Bereich von Sinus sagittalis superior und Sinus transversus.[1] Die Dura mater der hinteren Schädelgrube im engeren Sinne (Boden und Klivusregion) wird dagegen überwiegend von den oberen zervikalen Spinalnerven (C1–C3) sowie von Ästen des Nervus glossopharyngeus und Nervus vagus versorgt.
Nervus frontalis
Der Nervus frontalis teilt sich in zwei Äste auf:
- Der Nervus supratrochlearis zieht zum medialen Augenwinkel und versorgt diesen sowie das Oberlid.
- Der Nervus supraorbitalis tritt durch das Foramen supraorbitale und versorgt sensibel die Haut der Stirn.
Nervus lacrimalis
Der Nervus lacrimalis zieht entlang der lateralen Orbitawand zur Tränendrüse und zum lateralen Augenwinkel. Seine eigenen Fasern versorgen den lateralen Augenwinkel und den seitlichen Anteil des Oberlids sensibel.
Zusätzlich führt er vegetative Fasern zur Tränendrüse. Sie lagern sich über einen Verbindungsast (Ramus communicans) vom Nervus zygomaticus dem Nervus lacrimalis an:
- Die parasympathischen Fasern regen die Tränensekretion an. Sie stammen aus dem Nervus facialis und ziehen über den Nervus petrosus major zum Ganglion pterygopalatinum. Dort werden sie auf postganglionäre Fasern umgeschaltet, die über den Nervus zygomaticus zum Nervus lacrimalis gelangen.
- Die sympathischen Fasern stammen aus dem Plexus caroticus internus. Sie durchlaufen das Ganglion pterygopalatinum ohne Umschaltung und gelangen ebenfalls zur Tränendrüse.
Nervus nasociliaris
Der Nervus nasociliaris zieht über den Sehnerven von lateral zum medialen Augenwinkel. Er führt Fasern zur sensiblen Versorgung des Bulbus oculi. Sie ziehen zum Ganglion ciliare und geben den Nervus ethmoidalis anterior und den Nervus ethmoidalis posterior ab, welche die Cellulae ethmoidales, den Sinus sphenoidalis und die Nasenscheidewand versorgen. Der Endast des Nervus nasociliaris innerviert die Haut auf dem Nasenrücken bis zur Nasenspitze.
Klinik
Zoster ophthalmicus
Bei Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus entsteht der Zoster ophthalmicus, die zweithäufigste Manifestationsform des Herpes zoster.[2] Eine Mitbeteiligung des Nervus nasociliaris zeigt sich am Hutchinson-Zeichen (Hautläsionen an der Nasenspitze) und ist mit einem erhöhten Risiko für okuläre Komplikationen wie Keratitis, Uveitis und neurotropher Keratitis assoziiert.[2] Die Standardtherapie erfolgt mit oralem oder intravenösem Aciclovir bzw. Valaciclovir; eine Zoster-Vakzine senkt Inzidenz und Schwere des Zoster ophthalmicus deutlich.[2]
Kornealreflex
Der Kornealreflex nutzt den Nervus ophthalmicus (genauer: den Nervus nasociliaris) als afferenten Schenkel; die efferente Antwort erfolgt über den Nervus facialis. Der Reflex wird unter anderem zur Beurteilung der Hirnstammfunktion bei komatösen Patienten herangezogen.
Fissura-orbitalis-superior-Syndrom
Eine Kompression im Bereich der Fissura orbitalis superior kann neben den Nervi III, IV und VI auch die terminalen Äste des Nervus ophthalmicus betreffen und zum Fissura-orbitalis-superior-Syndrom führen.
Anästhesie
Die Äste des Nervus ophthalmicus können im Rahmen einer Peribulbäranästhesie gezielt betäubt werden, etwa vor intraokularen Eingriffen.
Quellen
- ↑ Lee et al., Visualization of the tentorial innervation of human dura mater, J Anat, 2017
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Milligan und Larkin, Update on treatment and prophylaxis of herpes zoster ophthalmicus, Br J Ophthalmol, 2026
Literatur
- Trepel, Neuroanatomie: Struktur und Funktion, 5. Auflage, München: Urban & Fischer/Elsevier, 2011
- Schünke et al., Prometheus: LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie, 6. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2022