MR-Urographie
Synonyme: Magnetresonanz-Urographie, MRT-Urographie
Englisch: MR urography, magnetic resonance urography
Definition
Die MR-Urographie, kurz MRU, ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Harnwege mittels Magnetresonanztomographie (MRT).
Hintergrund
Die MRU ist eine strahlenfreie Alternative zur röntgenbasierten Urographie sowie zur Computertomographie (CT). Sie wird insbesondere bei Patienten, bei denen ionisierende Strahlung vermieden werden soll (z.B. Kinder, Schwangere) oder bei wiederholten Verlaufskontrollen eingesetzt. Die MRT-Urographie ist jedoch keine generelle Alternative zur CT-Urographie und weist insbesondere bei der Detektion von Harnsteinen und in bestimmten onkologischen Fragestellungen Limitationen auf.
Methodik
Je nach Fragestellung ist eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme durch den Patienten sinnvoll, um die Harnproduktion zu steigern. Häufig wird zudem ein Diuretikum (z.B. Furosemid) appliziert, um die Darstellung der Harnwege zu verbessern. Bei kontrastmittelgestützter MRU erfolgt die intravenöse Gabe eines gadoliniumhaltigen Kontrastmittels (KM).
Die Untersuchung erfolgt in Rückenlage im MRT. Es werden verschiedene Sequenzen genutzt, um sowohl anatomische als auch funktionelle Informationen zu erhalten.
Statische MR-Urographie (T2-gewichtete Sequenzen)
Die Methode basiert auf der hohen Signalintensität von stationärer Flüssigkeit in stark T2-gewichteten Sequenzen. Der Urin in Nierenbecken, Harnleitern und Harnblase stellt sich hierbei signalreich dar, wodurch dilatierte Bereiche des Harntrakts gut abgegrenzt werden können. Diese Technik eignet sich insbesondere zur Beurteilung obstruktiver Uropathien und ist auch ohne Kontrastmittel diagnostisch verwertbar.
Exkretorische MR-Urographie (T1-gewichtete Sequenzen mit KM)
Nach intravenöser Gabe eines Kontrastmittels wird die Ausscheidung über die Nieren beobachtet. Dadurch lassen sich Funktionen, Durchgängigkeit und Morphologie der Harnwege beurteilen. Die Bildakquisition erfolgt meist in mehreren Phasen (arteriell, nephrographisch, exkretorisch), um funktionelle Informationen zu gewinnen.
Indikationen
Die MRU wird vor allem eingesetzt bei:
- Abklärung von Harnabflussstörungen (z.B. Ureterstenose, Hydronephrose)
- Detektion und Charakterisierung von Tumoren
- Diagnostik angeborener Fehlbildungen der Harnwege
- Verlaufskontrolle nach operativen Eingriffen
- Kontrastmittelallergie oder Kontraindikationen für CT-Urographie
- Fragestellungen in der Pädiatrie (Strahlenvermeidung)
Kontraindikationen
Mögliche Kontraindikationen sind z.B.:
- allgemeine MRT-Kontraindikationen (z.B. nicht-MRT-taugliche Herzschrittmacher, ferromagnetische Implantate)
- schwere Niereninsuffizienz bei geplanter Gabe von gadoliniumhaltigem Kontrastmittel (Risiko der nephrogenen systemischen Fibrose)
- Klaustrophobie und fehlende Möglichkeit zur Sedierung
Vorteile
- morphologische und funktionelle Beurteilung möglich
- hoher Weichteilkontrast
- statische MR-Urographie ohne Kontrastmittel diagnostisch verwertbar
Limitationen
- längere Untersuchungsdauer
- anfällig für Bewegungsartefakte
- geringere Sensitivität für kleine Harnsteine im Vergleich zur CT
- eingeschränkte Verfügbarkeit und höhere Kosten
Literatur
- Memarsadeghi et al., MR-Urographie: Prinzipien, Untersuchungstechniken, Indikationen, Der Radiologe, 2005