CT-Urographie
Synonyme: CT-Ausscheidungsurogramm, CT-Urogramm, Multiphase-CT der Harnwege, kontrastmittelgestützte CT der ableitenden Harnwege
Englisch: CT urography, Computer Tomography Urography
Definition
Die CT-Urographie ist ein radiologisches Schnittbildverfahren zur Darstellung der Nieren und des oberen Harntrakts mittels Computertomographie (CT) nach intravenöser Kontrastmittelgabe. Charakteristisch ist die Darstellung der exkretorischen Phase sowie die Rekonstruktion dünner Schichten. Dadurch ist eine hochauflösende, dreidimensionale und überlagerungsfreie Beurteilung des Urogenitaltrakts möglich.
Indikationen
Die CT-Urographie hat die konventionelle Urographie zur Diagnostik von Erkrankungen des oberen Harntrakts in vielen Indikationen weitgehend ersetzt. Ihr Vorteil liegt in der höheren Aussagekraft, da sie sowohl die Beurteilung des Lumens als auch der Wandstrukturen und des umliegenden Gewebes erlaubt. Die CT-Urographie wird insbesondere eingesetzt bei:
- Hämaturie unklarer Genese
- Verdacht auf Tumoren der Niere, des Ureters oder der Harnblase
- Abklärung unklarer Raumforderungen im Urogenitaltrakt
- Nachweis oder Ausschluss von Harnleiterkompressionen (z.B. durch abdominelle Tumoren)
- Traumafolgen des Harntrakts
- angeborenen Fehlbildungen der ableitenden Harnwege
- postoperative Verlaufskontrollen
Die klinische Fragestellung ist entscheidend für die Wahl des Untersuchungsprotokolls.
Technik
Die CT-Urographie erfolgt nach intravenöser Applikation eines iodhaltigen Kontrastmittels und umfasst je nach Fragestellung unterschiedliche Phasen:
- native Phase: Darstellung von Verkalkungen (z.B. Urolithiasis) und Ausgangsbefund ohne Kontrastmittel
- nephrogene Phase: Beurteilung des Nierenparenchyms
- exkretorische Phase: Darstellung des Kelchsystems und der Harnleiter, typischerweise 10–15 Minuten nach Kontrastmittelgabe
Zur Tumordiagnostik wird in der Regel ein Dreiphasen-Protokoll verwendet. Alternativ kann die Split-Bolus-Technik eingesetzt werden, bei der zwei Kontrastmittelgaben zeitlich versetzt erfolgen (z.B. 10 und 2 Minuten vor der Akquisition), um mehrere Phasen in einer Untersuchung zu kombinieren. Eine weitere Option ist die Kombination einer parenchymatösen Phase (z.B. portalvenöse Phase) mit der exkretorischen Phase. Bei bekannter Urolithiasis kann eine niedrig dosierte native CT ausreichend sein.
Strahlenexposition und Dosisreduktion
Die Strahlenbelastung der CT-Urographie ist insbesondere bei Mehrphasenprotokollen relevant und liegt typischerweise bei ca. 10–16 mSv, bei modernerem System bei ca. 8–12 mSv.[1][2] Zur Dosisreduktion stehen verschiedene Strategien zur Verfügung:
- automatische Röhrenstrommodulation moderner CT-Systeme
- gewichtsadaptierte Reduktion des Röhrenstromzeitprodukts
- potenzielle Reduktion der Röhrenspannung (derzeit ohne einheitliche Empfehlungen)
Die Wahl eines angepassten Untersuchungsprotokolls in Abhängigkeit von der klinischen Fragestellung ist ein wichtiger Faktor zur Minimierung der Strahlenexposition. Alternativ kann bei bestimmten Indikationen eine strahlenbelastungsfreie MR-Urographie durchgeführt werden.
Kontraindikationen
Quellen
- ↑ Coppenrath et al. CT-Urographie: Protokolle und Möglichkeiten zur Dosisreduktion. RöFo. 2008;180:WS_411_3. doi:10.1055/s-2008-1073422.
- ↑ Kekelidze et al.: Kidney and urinary tract imaging: triple-bolus multidetector CT urography as a one-stop shop--protocol design, opacification, and image quality analysis. Radiology, 2010
Literatur
- Doc Medicus – CT-Urographie (CT-Ausscheidungsurogramm), abgerufen am 21.04.2026