MAGT1
Synonyme: SLC58A1, OST3B, MRX95
Englisch: magnesium transporter 1
Definition
MAGT1, kurz für Magnesium transporter 1, ist ein im endoplasmatischen Retikulum (ER) lokalisiertes Protein, das als nicht-katalytische Untereinheit des Oligosaccharyltransferase-Komplexes (OST) fungiert. Entgegen der ursprünglichen Einordnung als Transporterprotein für Magnesiumionen wird MAGT1 heute primär als Regulator der N-Glykosylierung und Stabilität spezifischer Immunrezeptoren verstanden.
Genetik
MAGT1 wird durch das gleichnamige Gen kodiert. Beim Menschen liegt dieses Gen auf dem X-Chromosom an der zytogenetischen Bande Xq21.1.
Biochemie
MAGT1 befindet sich im endoplasmatischen Retikulum (ER). Es ist ein Transmembranprotein mit 335 Aminosäuren, das fünf putative Transmembrandomänen besitzt. Es enthält zudem eine Signalpeptid-Spaltstelle, eine N-Glykosylierungsstelle und mehrere Phosphorylierungsstellen.
Luminal ist ein CXXC-Thioredoxin-Motiv exponiert, das eine sogenannte „Clamping“-Funktion vermittelt, bei der MAGT1 temporäre Disulfidbrücken mit naszierenden Polypeptidketten bildet. Durch diese reversible Bindung wird die Proteinfaltung verzögert, wodurch sterisch schwer zugängliche N-Glykosylierungsstellen – vor allem in der Nähe von Cystein-Resten – durch den OST-Komplex modifiziert werden können.
Funktion
MAGT1 wurde früher als integraler Bestandteil des Plasmamembran-Magnesiumtransportsystems bei Wirbeltieren interpretiert. Hier sollte MAGT1 den Magnesiumeinstrom vom Extrazellulärraum in das Zytoplasma, insbesondere in T-Zellen vermitteln.
Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass MAGT1 primär als nicht-katalytische Untereinheit des Oligosaccharyltransferase-Komplexes im ER fungiert.[1] Seine Hauptfunktion liegt in der Unterstützung der N-Glykosylierung einer selektiven Gruppe von Proteinen, insbesondere immunologisch relevanter Rezeptoren wie NKG2D, CD28 und CD70.
Bei MAGT1-Defizienz kommt es zu einer Hypoglykosylierung dieser Proteine, was deren strukturelle Instabilität und einen verstärkten Abbau zur Folge hat.
Der daraus resultierende Funktionsverlust führt indirekt zu einer Störung des Magnesium-Signalings: Durch das Fehlen kostimulatorischer Rezeptoren wird die Aktivierungsschwelle von T-Zellen nicht erreicht – der Mg²⁺-Einstrom über Kanäle wie TRPM7 bleibt aus. Das Ergebnis ist eine verzögertenintrazelluläre Signaltransduktion.
Klinik
Loss-of-Function-Mutationen im MAGT1-Gen sind ursächlich für das XMEN-Syndrom (X-linked immunodeficiency with magnesium defect, Epstein-Barr virus infection, and neoplasia), eine seltene X-chromosomal vererbte kombinierte Immundefizienz. Klinisch manifestiert es sich durch chronische EBV-Infektionen, ein erhöhtes Risiko für lymphoproliferative Erkrankungen sowie häufig einen invertierten CD4/CD8-Quotienten.
Darüber hinaus werden Genmutationen mit X-chromosomaler Intelligenzminderung (XLID) in Verbindung gebracht.
Literatur
- Vaeth und Feske. Ion channelopathies of the immune system. Curr Opin Immunol. 7(52):39-50. 2018
- GeneCards – MAGT1 Gene, abgerufen am 07.04.2026
- NIH – MAGT1, abgerufen am 07.04.2026
Quellen
- ↑ Blommaert E et al.: Mutations in MAGT1 lead to a glycosylation disorder with a variable phenotype. Proc Natl Acad Sci U S A. 2019 May 14;116(20):9865-9870. doi: 10.1073/pnas.1817815116. Epub 2019 Apr 29. PMID: 31036665; PMCID: PMC6525510.