Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Lincosamid

(Weitergeleitet von Lincosamide)

nach Streptomyces lincolnensis
Englisch: lincosamide

1 Definition

Lincosamide sind eine Gruppe von Antibiotika. Ihrer chemischen Struktur zufolge können sie als Acylaminopyranoside bezeichnet werden. Lincosamide sind säurefest und verhalten sich schwach basisch.

2 Wirkmechanismus

Lincosamide binden an den 23S-Teil der 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen und blockieren ihr Peptidyltransferase-Zentrum.[1] Dadurch kommt es zu einer vorzeitigen Dissoziation der Peptidyl-tRNA, so dass die Kettenverlängerung während der Proteinbiosynthese unterbrochen wird. Lincosamide wirken daher bakteriostatisch.

Aufgrund der strukturellen Unterschiede zwischen eukaryotischen und prokaryotischen Ribsosomen beeinträchtigen Lincosamide die Proteinbiosynthese in menschlichen Körperzellen nicht.

3 Substanzen

Zu den Lincosamiden gehören das Lincomycin und dessen Derivat Clindamycin sowie Pirlimycin. In der Humanmedizin wird nur Clindamycin eingesetzt.

4 Wirkspektrum

Lincosamide zeigen eine Wirkung gegen Staphylokokken und Streptokokken, sind aber auch wirksam gegen Bacteroides fragilis und einige andere Anaerobier. Sie werden beim toxischen Schocksyndrom eingesetzt, um die Produktion des M-Proteins zu unterbinden.

Clindamycin hat auch eine gewisse Aktivität gegenüber Protozoen und wurde deshalb zur Behandlung der Toxoplasmose und der Malaria eingesetzt.

5 Nebenwirkungen

Lincosamide sind die Antibiotikaklasse, die am häufigsten eine pseudomembranöse Colitis durch Clostridium difficile auslöst.

6 Resistenzentwicklung

Ähnlich wie bei Makroliden verändert sich im Rahmen der Resistenzentwicklung die Bindungsstelle für Lincosamide am Ribsom. Der biochemische Grundlage der Resistenz ist die Methylierung der 23S-rRNA. Selten kann es darüber hinaus zu einer enzymatischen Inaktivierung von Clindamycin kommen.

siehe auch: Makrolidantibiotikum

7 Quellen

  1. Tenson T, Lovmar M, Ehrenberg M.J: The mechanism of action of macrolides, lincosamides and streptogramin B reveals the nascent peptide exit path in the ribosome. Mol Biol. 2003 Jul 25;330(5):1005-14.
Man lernt nie aus.
#4 vor 38 Tagen von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
@Dr. Frank Antwerpes Als Translokation wird ebenfalls das Rückkehren in die Ausgangsituation im Ribosom bezeichnet. Durch Hydrolyse des Elongationsfaktor-G und anschließeder Konformationsänderung werden vorhandene t-RNA Ketten eine Position in der 30S Untereinheit "weitergestoßen". Siehe Elongation. Wird diese blockiert stört man schlussendlich die Translation.
#3 vor 48 Tagen von Ahmed El Menuawy (Student der Pharmazie)
Ich glaube, du verwechselst da was. Translokation ist die Verlagerung von Chromosomenabschnitten. Du meinst wahrscheinlich Translation. In der Tat blockieren Lincosamide die Translation - durch den oben beschriebenen Mechanismus. Du wirst bestimmt mal ein guter Chefarzt...
#2 am 07.02.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Gast
Ich würde behaupten Clindamycin wirkt auf die Translokation nicht die Peptidyltransferase, oder?
#1 am 24.01.2018 von Gast (Student der Humanmedizin)

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

12 Wertungen (2.58 ø)

41.032 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: