Lercanidipin
Handelsnamen: Zanidip®, Carmen®, Corifeo®
Definition
Lercanidipin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ der dritten Generation. Er wird bei leichter bis mittelschwerer arterieller Hypertonie eingesetzt.
Chemie
Lercanidipin ist ein lipophiler 1,4-Dihydropyridin-Abkömmling mit der Summenformel C36H41N3O6. Der Wirkstoff liegt als Racemat aus (R)- und (S)-Enantiomer vor. Beide Enantiomere sind pharmakologisch aktiv. Pharmazeutisch verwendet wird das Monohydrochlorid.
Strukturell weist Lercanidipin den für Dihydropyridine typischen substituierten Dihydropyridinring auf. Charakteristisch sind zwei Estergruppen in 3- und 5-Position sowie lipophile Seitenketten, die maßgeblich zur hohen Membranaffinität beitragen. Die ausgeprägte Lipophilie erklärt die im Vergleich zu anderen Dihydropyridinen verlängerte Wirkdauer.
Wirkmechanismus
Lercanidipin hemmt spannungsabhängige L-Typ-Calciumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur. Die Folge ist eine Vasodilatation und Senkung des Blutdrucks. Im Gegensatz zu Calciumantagonisten der zweiten Generation (z.B. Amlodipin) soll Lercanidipin eine hohe vaskuläre Spezifität bei nur geringen Effekten auf die Herzfunktion aufweisen.
Pharmakokinetik
Lercanidipin kann sich aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften im Gewebe anreichern. Dies führt zu einer lang anhaltenden Wirkung. Entsprechend muss Lercanidipin nur einmal täglich verabreicht werden.
Die Einnahme sollte mindestens 15 Minuten vor dem Frühstück erfolgen. Die Einnahme von Lercanidipin nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit führt im Vergleich zur Nüchterneinnahme zu einer Erhöhung der Bioverfügbarkeit etwa um den Faktor 2. Die Einnahme zu oder nach einer fettreichen, hochkalorischen Mahlzeit steiger die Bioverfügbarkeit vermutlich noch weiter.[1]
Indikation
Lercanidipin ist zugelassen zur Behandlung einer essentiellen arteriellen Hypertonie. Das Arzneimittel wird allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen (z.B. Enalapril) eingesetzt.
Dosierung
Die übliche Initialdosis ist 10 mg 1 × täglich, ggf. ist eine Steigerung auf 20 mg möglich.
Nebenwirkungen
Lercanidipin zeigt die typischen gruppenspezifischen Nebenwirkungen der Dihydropyrdine, die überwiegend durch die ausgeprägte Vasodilatation bedingt sind. Dazu zählen u.a.:
Wechselwirkungen
Starke CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Ciclosporin, Ketoconazol, Erythromycin, Grapefruitsaft) erhöhen die Plasmakonzentration erheblich, CYP3A4-Induktoren können eine Wirkungsabschwächung auslösen.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Schwangerschaft, Stillzeit
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
- schwere Niereninsuffizienz
- schwere Leberinsuffizienz
- instabile Angina pectoris
- innerhalb eines Monats nach Myokardinfarkt
- unbehandelte Herzinsuffizienz
- Kombination mit CYP3A4-Inhibitoren
Quellen
- ↑ Alvarez C et al. Differences in lercanidipine systemic exposure when administered according to labelling: in fasting state and 15 minutes before food intake, Eur J Clin Pharmacol. 2012 Jul;68(7):1043-7, abgerufen am 23.09.2019
Literatur
- Grassi G, Robles NR, Seravalle G, Fici F. Lercanidipine in the Management of Hypertension: An Update. J Pharmacol Pharmacother. 2017 Oct-Dec;8(4):155-165.