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Kindslage

Synonym: Geburtslage
Englisch: fetal position

1 Definition

Als Kindslage bezeichnet man in der Gynäkologie bzw. Geburtshilfe die Position des Kindes im Uterus vor der Geburt. Sie ist für die Geburtsmechanik entscheidend und kann durch Ultraschall und manuelle abdominale Untersuchung (Leopold-Handgriffe) erfasst werden.

2 Einteilung

Bei der Kindslage wird differenziert in:

  • Lage ("Situs"): längs, quer oder schräg
  • Stellung ("Positio"): kindlicher Rücken links (I) oder rechts (II)
  • Haltung ("Habitus"): kindlicher Kopf in Flexions- oder Deflexionslage
  • Einstellung ("Praesentatio"): Beziehung des vorangehenden Kindsteil zum Geburtskanal

Es existieren Abweichungen von der regelhaften Kindslage, die zu Komplikationen bei der Geburt führen können. Diese werden entsprechend als fetale Lage-, Haltungs- und Einstellungsanomalien bezeichnet.

3 Lage

3.1 Längslagen

Bei den Längslagen wird unterschieden zwischen Schädellage und Beckenendlage. Beides sind zunächst geburtsmögliche Positionen. Sie sind physiologische Kindslagen, bei denen die kindliche Längsachse an einer gedachten Führungslinie des Geburtskanals ausgerichtet ist.

3.1.1 Schädellage

Die am häufigsten vorkommende Lage (rund 94 % der Geburten) ist die Schädellage (kurz SL), bei welcher der Kopf des Kindes Richtung Muttermund gerichtet ist. Es handelt sich hierbei um die regelhafte Lage, jedoch kann die Geburt in Schädellage durch verschiedene Haltungs- und Einstellungsanomalien erschwert werden.

3.1.2 Beckenendlage

Bei der Beckenendlage (kurz BEL) liegt der Steiß des Kindes in Richtung des Muttermundes. Sie kommt bei rund 5 % der Geburten vor. Die Wahrscheinlichkeit einer BEL ist bei einer Frühgeburt erhöht, da sich der Fetus während der Schwangerschaft physiologisch in BEL befindet und sich erst zum Ende hin wendet (i.d.R. bis zu 36. SSW). Eine Beckenendlage ist nicht per se eine Lageanomalie, allerdings kann eine Einstellungsanomalie auftreten. Das Komplikationsrisiko (z.B. Nabelschnurvorfall) ist höher als bei der Schädellage.

3.2 Querlage

Eine Querlage liegt vor, wenn die Körperachse des Kindes im rechten Winkel zur Längsachse des Geburtskanals liegt. Dies kommt nur bei rund 1 % der Geburten vor. Eine Querlage ist durch eine erhöhte Beweglichkeit aufgrund einer schlaffen Uterusmuskulatur oder Behinderung der Drehung bedingt.

Die Querlage wird weiter in folgende Formen unterschieden:

  • dorsoanteriore Querlage (Rücken des Kindes vorn)
  • dorsosuperiore Querlage (Rücken oben)
  • dorsoposteriore Querlage (Rücken hinten)
  • dorsoinferiore Querlage (Rücken unten)

3.3 Schräglage

Bei der Schräglage bilden die Achse des Kindes und die Längsachse des Geburtskanals einen spitzen Winkel. Diese Lage wird auch als "instabile Kindslage" bezeichnet, da sie sich zu Beginn der Geburt sowohl in eine Querlage als auch in eine Längslage entwickeln kann.

4 Stellung

Die Stellung bezieht sich auf die Ausrichtung des kindlichen Rückens. Dabei kann sich der Rücken aus Sicht der Schwangeren links (I-Stellung) oder rechts (II-Stellung) befinden. Mögliche Stellungen sind:

  • Ia: Rücken links vorne
  • Ib: Rücken links hinten
  • IIa: Rücken rechts vorne
  • IIb: Rücken rechts hinten

5 Haltung

Die Haltung bezieht sich auf die Anwinklung des kindlichen Kopfes. Von der regelrechten Flexionslage (Hinterhauptslage) werden verschiedene Deflexionslagen abgegrenzt:

6 Einstellung

Die Einstellung gibt an, welcher Kindsteil im Geburtskanal vorangeht, also der führende Teil ist. Bei einer regelhaften Geburt in Schädellage und voller Flexion des Kopfes ist die kleine Fontanelle die Leitstelle. Der Fetus befindet sich in der sogenannten vorderen Hinterhauptslage (vHHL), bei der das Gesicht dem Rücken der Mutter zugewandt ist.

Zu den fetalen Einstellungsanomalien zählen:

  • Hoher Gradstand: Kopf des Fetus sitzt gerade auf querovalem Beckeneingang
  • Tiefer Querstand: Kopf des Fetus steht quer auf längsovalem Beckenausgang
  • Hintere Hinterhauptslage (hHHL): Gesicht des Kinds zeigt zum mütterlichen Bauch ("Sternengucker")
  • Scheitelbeineinstellung (Asynklitismus): statt Pfeilnaht geht ein Scheitelbein voran
    • Vordere Scheitelbeineinstellung (Nägele-Obliquität)
    • Hintere Scheitelbeineinstellung (Litzmann-Obliquität)
  • Schulterdystokie: inkorrekte Einstellung der Schultern des Fetus
    • Hoher Schultergradstand
    • Tiefer Schulterquerstand

In BEL existieren folgende Einstellungen:

  • Reine Steißlage
  • Steiß-Fußlage
  • Unvollkommene Fußlage
  • Vollkommene Fußlage
  • Knielage

7 Literatur

  • Sarah Gruber, BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe, 3. Auflage, Urban & Fischer, Elsevier, München, 2009

Diese Seite wurde zuletzt am 7. August 2022 um 19:21 Uhr bearbeitet.

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