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Extrapyramidalmotorisches System

Synonyme: extrapyramidales System, EPMS
Englisch: extrapyramidal motor system

1 Definition

Unter dem extrapyramidalmotorischen System, kurz EPMS, versteht man alle ins Rückenmark ziehenden motorischen Bahnen, die nicht der Pyramidenbahn angehören.

2 Bahnen

2.1 Tractus rubrospinalis

Der Tractus rubrospinalis zieht vom Nucleus ruber ins Rückenmark. Er kreuzt im Mesencephalon in der Forel-Kreuzung auf die Gegenseite und läuft dann im lateralen Rückenmark bis ins Zervikalmark, nach Meinung anderer Autoren auch weiter kaudal bis zum Sakralmark. Dieser Tractus wirkt vor allem aktivierend auf die Flexoren und hemmend auf die Extensoren. Er kann als einziges extrapyramidalmotorisches System an der Feinmotorik beteiligt sein.

2.2 Tractus vestibulospinalis

Der Tractus vestibulospinalis nimmt vorwiegend vom Nucleus vestibularis lateralis, auch Deiters-Kern genannt, seinen Ursprung und verläuft ungekreuzt durch das gesamte Rückenmark. Der laterale Trakt läuft ipsilateral und sorgt für den reflektorischen Schutz bei Gleichgewichtsverlust während der mediale Trakt bilateral läuft und vor allem in der Zervikalregion und der Schulter für eine Ausrichtung des Kopfes bei sich bewegendem Boden sorgt.

Er wirkt aktivierend auf die Motoneurone der Extensoren und hemmt die der Flexoren.

2.3 Tractus reticulospinalis

2.3.1 Medialer Reticulospinaltrakt

Der mediale Tractus reticulospinalis zieht von der Formatio reticularis der Pons und Medulla oblongata ins Rückenmark und verläuft ungekreuzt. Er wirkt ebenfalls aktivierend auf die Extensoren und hemmend auf die Flexoren.

2.3.2 Lateraler Reticulospinaltrakt

Dieser Trakt zieht gekreuzt und ungekreuzt von der Medulla oblongata ins Rückenmark und aktiviert Flexoren und hemmt Extensoren.

2.4 Tractus tectospinalis

Der Tractus tectospinalis ist eine Nervenfaserbahn, die vom Mittelhirndach (Tectum mesencephali) zu den Motoneuronen des Rückenmarks (Medulla spinalis) zieht. Der Tractus tectospinalis erhält seine Faserbahnen aus dem Colliculus superior, kreuzt in der Decussatio tegmentalis posterior nach kontralateral und steigt im Vorderstrang des Rückenmarks zum Zervikalmark ab. Im Tractus tectospinalis verlaufen die Fasern zur Aktivierung kontralateraler und Inhibition ipsilateraler Nackenmuskulatur zur reflektorischen Steuerung von Kopf- und Halsbewegungen in Zusammenhang mit Blickbewegungen.

2.5 Tractus olivospinalis

Der Tractus olivospinalis verlässt mit seinen Fasern den unteren Olivenkomplex (Nuclei olivares inferiores) und verläuft an der Oberfläche des Seitenstrangs des Rückenmarks.

3 Aktivierung

Das extrapyramidalmotorische System wird zum einen über Kollateralen der Pyramidenbahn, zum anderen von prämotorischen und supplementärmotorischen Cortexarealen aktiviert.

4 Funktion

Die Bahnen des extrapyramidalmotorischen Systems aktivieren vor allem die proximale Rumpf- und Extremitätenmuskulatur. Sie bewirken daher vor allem Massenbewegungen im Rumpf und den Extremitäten und sind daher Grundlage für die durch die Pyramidenbahn ausgelösten willkürlichen und feinmotorischen Bewegungen. Jede differenzierte Bewegung in der Hand erfordert stets auch eine Bewegung des Oberarms, welche durch das extrapyramidalmotorische System erfolgt.

Nichts gegen Trepel, aber da gibt es wohl unterschiedliche Ansichten, habe ich im Text ergänzt.
#2 vor 5 Minuten von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Der Tractus rubrospinalis endet lt. "Neuroanatomie" von Trepel, 7. Auflage, S. 137 bereits im Zervikalmark.
#1 vor 9 Tagen von André Kuschke (Student der Humanmedizin)

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