Elektrische Katarakt
von lateinisch: cataracta – Linsentrübung; electrica – durch elektrische Einwirkung verursacht
Synonyme: Cataracta electrica
Englisch: electric cataract
Definition
Pathophysiologie
Die Schädigung der Linse erfolgt durch mehrere Mechanismen, u.a.:
- thermische Effekte mit lokaler Gewebeerwärmung und Koagulation
- Denaturierung von Linsenproteinen
- Störung der Linsenepithelfunktion
- elektrische Feldwirkungen (z.B. Elektroporation der Zellmembranen)
- sekundäre oxidative Schäden
Histologisch finden sich degenerative Veränderungen der Linsenfasern. Die Trübung kann sich unmittelbar, häufig jedoch erst Wochen bis Jahre nach dem Unfall manifestieren.
Klinik
Die Patienten berichten über typische Kataraktsymptome, wie schleichende oder rasch zunehmende Visusminderung, Blendempfindlichkeit, erhöhte Lichtstreuung sowie Verschwommensehen und Kontrastminderung. Es ist ein einseitiger oder beidseitiger Befall (oft asymmetrisch) möglich. Der Verlauf ist progredient.
Häufig bestehen Begleitverletzungen, u.a.:
- Keratitis, Uveitis anterior
- Glaskörpertrübungen
- Netzhautveränderungen (z.B. Ischämien, Makulaschäden)
- Schädigung des Nervus opticus
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst verschiedene Techniken:
- Spaltlampenuntersuchung: Es bestehen subkapsuläre Trübungen (anterior und/oder posterior), die fleckig oder unregelmäßig sein können.
- Visusprüfung
- Fundusuntersuchung: Wichtig, da Begleitpathologien prognostisch entscheidend sein können.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Bei Verdacht auf Makulabeteiligung
- Augensonographie: Bei fehlender Funduseinsicht
Ggf.kommen weitere Untersuchungsverfahren (Gesichtsfeldprüfung, VEP) zum Einsatz.
Therapie
Bei relevanter Sehbeeinträchtigung erfolgt die Behandlung wie bei anderen Katarakten mittels Phakoemulsifikation und IOL-Implantation. Zeitpunkt und Planung orientieren sich am funktionellen Bedarf und am Gesamtbefund. Die Prognose ist gut, wenn keine zusätzlichen Schäden am hinteren Augenabschnitt vorliegen.