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Einbeere

Synonyme: Paris pentafolia, Paris quadrifolia, Paris trifolia, Wolfsbeere
Englisch: One Berry, Herb Paris  

1 Definition

Die Einbeere, botanisch als Paris quadrifolia bezeichnet, ist eine Pflanzenart und besitzt Bedeutung als Giftpflanze und historische Arzneipflanze.

2 Systematik

  • Bedecktsamer (Magnoliopsida)
    • Monokotyledonen
      • Lilienartige (Liliales)
        • Familie: Germergewächse (Melanthiaceae)
          • Gattung: Einbeeren (Paris)
            • Tribus: Parideae (Syn.: Trilliaceae)
              • Art: Einbeere (Paris quadrifolia)

Die Einbeere zählt zur Familie der Germergewächse (Melanthiaceae), wurde jedoch zuvor den Liliengewächsen (Liliaceae) zugeordnet.  

3 Merkmale

Die Einbeere ist eine sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze und bildet ein Rhizom (Wurzelstock), das sich kriechend und ausläuferartig ausbreitet. Der Wurzelstock besitzt farblose Schuppen und dünne, fädige Wurzeln. Der Stängel trägt an der Basis ein zweispaltiges Scheidenblatt, ist kahl und erreicht eine Wuchshöhe von etwa 15 bis 30 Zentimeter. Er weist einen Wirtel aus vier (selten fünf oder sechs) sitzenden, elliptisch-lanzettlichen Blättern mit Netznervatur auf.

Die Blütezeit erstreckt sich über die Monate Mai und Juni. Paris quadrifolia trägt eine einzelne, endständige, vierzählige Blüte mit acht freien Perigonblättern von grünlicher Färbung. Es sind acht Staubblätter vorhanden, deren Staubfäden grannenartig verlängert sind. Die Blütenhülle ist acht- bis zehnblättrig. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, insbesondere Fliegen, welche von der Blüte angelockt werden. Als Frucht wird eine schwarze, blau bereifte Beere mit zahlreichen Samen ausgebildet. Die Fruchtreife setzt je nach Standort zwischen Juli und September ein. Die Einbeere ist ein Kältekeimer, die Samen sind kurzlebig.

Die Pflanze ist sehr charakteristisch. In seltenen Fällen, insbesondere durch Kinder, können die giftigen Beeren mit eßbaren Früchten, etwa mit Heidelbeeren, verwechselt werden.

4 Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet umfasst klimatisch kühl-gemäßigte Gebiete in Europa und Nordasien. Die Einbeere ist in Deutschland allgemein verbreitet, jedoch stellenweise fehlend und in Norddeutschland nur zerstreut vorkommend. Die Standorte zeichnen sich durch mäßig feuchte bis sickerfeuchte Böden aus. Es werden Laub-, Misch- und Auenwälder besiedelt.  

5 Verwendung

Paris quadrifolia ist Stammpflanze der Arzneidroge Paridis herba (Paris quadrifolia-Kraut, Einbeerenkraut). Es handelt sich um die getrockneten, oberirdischen Pflanzenteile. Aufgrund der Toxizität ist die Anwendung obsolet. Historisch bedeutsam ist etwa die Anwendung zur Wundbehandlung, bei Geschwüren, Entzündungen der Augen und rheumatischen Beschwerden.

Die Homöopathie bedient sich der Pflanze bis heute. Homöopathisch wird die frische Pflanze zur Weiterverarbeitung verwendet, welche zur Zeit der Fruchtreife geerntet wird. Anwendungsgebiete sind beispielsweise Entzündungen der Atemwege oder Kopfschmerzen.

Im Mittelalter war die Einbeere Gegenstand abergläubischer Handlungen. So wurde die Pflanze als Gegenmittel bei „verzauberten“ Menschen eingesetzt; die Beeren am Körper getragen sollten vor der Pest schützen.

6 Toxikologie

Paris quadrifolia enthält Saponine mit Steroidstruktur (z.B. Paridin, Paristyphnin), der Saponingehalt kann 1 Prozent betragen. Ein Derivat des Pennogenins, ebenfalls ein Saponin, wird auf der Grundlage von in vitro-Versuchen (Froschherz) mit kardiotoxischen Effekten in Verbindung gebracht. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonglykoside, Ecdysteroide, Asparagin und Pektine. Die gesamte Pflanze ist giftig, insbesondere jedoch das Rhizom und die Beerenfrucht. Die Aufnahme weniger Beeren ist klinisch meist nicht signifikant, aufgrund eines unangenehmen Geschmacks kommt es selten zu Vergiftungen.

Beim Menschen bleibt die Vergiftung in der Regel vor allem auf lokale Effekte im Gastrointestinaltrakt beschränkt, wobei es zu Reizungen der Schleimhäute durch die Saponine kommt. Emesis, Nausea Diarrhoe und Koliken traten bei Aufnahme größerer Mengen der Beeren auf. Systemische Effekte nach Resorption können durch Miosis, Schädigung der Nieren und zentralnervöse Störungen imponieren.

6.1 Therapie der Vergiftung

Ein spezifisches Antidot steht nicht zur Verfügung. Die Maßnahmen nach Vergiftung durch Paris quadrifolia umfassen die Applikation von Carbo medicinalis sowie ggf. Magenspülung zur primären Giftelimination. Darüber hinaus erfolgt eine symptomatische Therapie.

6.2 Veterinärtoxikologie

Bei einigen Tieren können nach Aufnahme größerer Mengen Emesis, Diarrhoe, Miosis und zentralnervöse Symptome beobachtet werden. Die Aufnahme der Beeren führte zu Vergiftungen bei Hunden und Geflügel. Im Tierexperiment zeigten sich beim Pferd Muskelzucken, Agitiertheit und Tachykardie.

7 Etymologie und Symbolik

Die deutsche Trivialbezeichnung „Einbeere“ bezieht sich auf die einzelne Frucht. Die botanische Bezeichnung „Paris quadrifolia“ kann als Hinweis auf die gleichmäßige Stellung der Laubblätter interpretiert werden: „Paris“ von Lateinisch „par“ – „gleich“ und das Artepithethon von Lateinisch „quadrifolia“ – „vierblättrig“. Die Gattungsbezeichnung „Paris“ wird jedoch zumeist auf den trojanischen Prinzen Paris zurückgeführt; im Kontext der assoziierten Mythologie symbolisiert die Beere hierbei den Erisapfel, die vier Laubblätter stellen Paris und die drei streitenden Göttinnen Aphrodite, Hera und Athene dar.

8 Quellen

  • Jäger et al.: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland; Gefäßpflanzen: Grundband, Bd. 2. Aufl. 20, Spektrum akadem. Verlag.
  • Schmeil/ Fitschen: Flora von Deutschland und angrenzender Länder, Quelle & Meyer, 92. Aufl.
  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanze - Pflanzengifte, Nikol Verl., 5. Aufl.
  • Mutschler et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, WVG, 9. Aufl.
  • Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie: CliniPharm - CliniTox (vetpharm.uzh.ch; Stand: 30. Juni 2020)
  • Homöopathisches Arzneibuch (1958), Verl. Dr. Willmar Schwabe/ Deutscher Apotheker Verlag, 3. Aufl.
  • Spektrum Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Paris quadrifolia (aufgerufen am: 30. Juni 2020)
  • Jenett-Siemsa et al.: Chemical Composition and Biological Activity of Paris quadrifolia L. in Z. Naturforsch. 67 c, 565 − 570 (2012); received November 21, 2011/April 16, 2012
  • Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verl., 2000.

Diese Seite wurde zuletzt am 2. Juli 2020 um 14:25 Uhr bearbeitet.

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