Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Eigenblutspende

Synonym: Eigenblutentnahme

1 Definition

Als Eigenblutspende bezeichnet man die Abnahme von Erythrozytenpräparaten bei Patienten vor planbaren operativen Eingriffen, bei denen eine hohe Transfusionswahrscheinlichkeit besteht.

2 Hintergrund

Im erweiterten Sinne wird "Eigenblutspende" auch als Bezeichnung für den gesamten organisatorischen Ablauf verwendet. Die Eigenblutspende gehört zu den Fremdblutsparenden Maßnahmen. Der Begriff ist griffig, aber inkorrekt, da es sich nicht um eine Spende handelt.

3 Durchführung

Typischerweise werden dem Patienten, sofern er spendetauglich ist, im Zeitraum von 14 bis 21 Tagen vor der Operation ein oder zwei Vollblutspenden von 500 ml abgenommen. Diese werden entweder zu einem Eigenblut-Erythrozytenkonzentrat plus Eigenplasma verarbeitet oder als gefiltertes (leukozytendepletiertes) Vollblut gelagert. Da es sich bei Eigenblutspendern um Patienten handelt, wird meist eine engmaschige Überwachung und Volumensubstitution (Infusion) vorgenommen. Als alternatives Spendeverfahren kann auch die Erythrozytapherese eingesetzt werden.

Da die Abnahme von Eigenblut rechtlich als Arzneimittelherstellung bewertet wird, findet die Eigenblutspende meist bei regionalen Blutspendezentren statt, die über eine entsprechende Logistik bis hin zum Transportdienst verfügen. Eine Alternative ist die Spende in dem Krankenhaus, in dem auch die Operation stattfinden soll. Hierfür gibt es Ausnahmeregelungen (sog. "kleine Herstellungserlaubnis"). Bei Eigenblutspender ist, genauso wie bei "normalen" Blutspendern, ein infektiologisches Screening vorgeschrieben.

Der operierende Arzt muss dafür Sorge tragen, dass bei Transfusionsbedarf die Eigenblutprodukte zuerst verwendet werden. Außerdem muss organisatorisch sichergestellt sein, dass die Eigenblutprodukte nicht mit "normalen" Blutprodukten verwechselt und nur dem ursprünglichen Spender wiedergegeben werden. Deshalb ist bei Eigenblut-EK, im Gegensatz zu allen anderen Blutprodukten, weiterhin ein ABO-Identitätstest (Bedside-Test) vorgeschrieben.

4 Einschränkungen

Da die Eigenblutspende kein höheres Risiko mit sich bringen darf als eine Fremdblutübertragung, werden an die Spendetauglichkeit hohe Maßstäbe angelegt, d.h. es kommen nur wenige Patienten in Frage. Allerdings kann sich die Risikobewertung der Fremdblutübertragung, die aktuell als sehr sicher wahrgenommen wird, in Zukunft auch wieder ändern. Die beiden größten Risiken einer Bluttransfusion, die Fehltransfusion (Verwechslung) und die bakterielle Verkeimung, sind bei Eigenblut genauso vorhanden.

Der organisatorische Aufwand und die Kosten sind hoch. Wenn die Operation verschoben werden muss, besteht die Gefahr, dass das eingelagerte Eigenblut verfällt. Die Frage, ob in der kurzen Zeit zwischen Blutentnahme und Operation überhaupt ein nennenswerter Zuwachs an Erythrozytenmasse erreicht wird oder die Patienten nur blutarm in die Operation gehen, wird kontrovers diskutiert.

5 Anmerkungen

Laut den Hämotherapie-Richtlinien der Bundesärztekammer ist ein Operateur verpflichtet, Patienten vor planbaren Operationen mit realistischer Transfusionwahrscheinlichkeit über die Möglicheit einer Eigenblutspende aufzuklären.

Aus verschiedenen Gründen ist die Eigenblutspende in Deutschland zur Zeit stark rückläufig und spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist sie in bestimmten Fällen, z.B. bei Patienten mit sehr seltenen Blutgruppenkonstellationen (z.B. Bombay-Blutgruppe oder hochfrequentes Antigen), weiterhin sinnvoll, teilweise sogar die einzige praktikable Möglichkeit einer Blutversorgung. Der aktuelle Trend (2014) bei der Versorgung von Patienten mit planbaren Eingriffen ist Patient Blood Managament.

6 Querverweise

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

1 Wertungen (5 ø)

3.339 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: