Östron
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LoslegenSynonyme: Estron, Follikelhormon I
Englisch: estrone, E1
Definition
Östron, kurz E1, ist ein natürliches Östrogen, das zur Gruppe der Steroidhormone gehört. Es ist neben Östradiol (E2) und Östriol (E3) eines der drei klassischen endogenen Östrogene des weiblichen Organismus und weist unter diesen die geringste östrogene Wirksamkeit auf.
Chemie
Östron ist ein C18-Steroid mit der Summenformel C18H22O2 und einem Molekulargewicht von 270,37 g/mol. Es besitzt das für Östrogene charakteristische phenolische A-Ring-System sowie eine Ketogruppe an Position C17, die es vom wirksameren Östradiol unterscheidet – dieses trägt an C17 statt der Ketogruppe eine Hydroxylgruppe.
Biochemie
Biosynthese
Östron entsteht auf zwei Synthesewegen:[1]
- Direkte Aromatisierung von Androstendion durch das Enzym Aromatase (CYP19A1). Dieser Weg dominiert in der Postmenopause und findet hauptsächlich im Fettgewebe, in der Haut und in peripheren Geweben statt.
- Oxidation von Östradiol durch 17β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase (17β-HSD Typ 2)
Prämenopausal wird Östron überwiegend im Ovar synthetisiert; postmenopausal verlagert sich die Produktion vollständig in periphere Gewebe, wobei die Menge proportional zur Fettgewebsmasse ist.
Metabolismus
Östron unterliegt einer ausgeprägten Phase-I-Metabolisierung durch Hydroxylierung an verschiedenen Positionen (hauptsächlich 2-OH, 4-OH und 16α-OH) sowie nachfolgende Phase-II-Reaktionen (Sulfatierung, Glucuronidierung). Das quantitativ bedeutsamste Metabolisierungsprodukt ist Östron-3-Sulfat (E1S), das als hydrophiles Konjugat im Plasma die Hauptspeicherform der Östrogene darstellt und eine längere Halbwertszeit als Östron selbst besitzt.[1]
Die reversible Umwandlung von Östron und Östradiol ermöglicht eine gewebsspezifische Regulation der lokalen Östrogenaktivität über die Expression verschiedener 17β-HSD-Isoenzyme.
Biologische Wirkungen
Östron bindet mit deutlich niedrigerer Affinität an die Östrogenrezeptoren ERα und ERβ als Östradiol. Seine relative Bindungsaffinität beträgt etwa 4–10 % derjenigen von Östradiol. Östron wirkt daher als schwaches Östrogen und vermittelt im Wesentlichen dieselben biologischen Effekte wie Östradiol, jedoch abgeschwächt:
- Regulation des weiblichen Reproduktionstrakts (Endometrium, Vaginalepithel)
- Einfluss auf den Knochenstoffwechsel: Hemmung der osteoklastären Knochenresorption[2]
- Kardiovaskuläre Effekte (Beeinflussung von Lipidprofil und Gefäßtonus)
- ZNS-Wirkungen (Kognition, Stimmung, vasomotorische Symptome)
In der Postmenopause, in der Östron das dominierende zirkulierende Östrogen ist, trägt es wesentlich zur Restöstrogenisierung der Gewebe bei.
Klinik
Hormonersatztherapie
Nach der Menopause fällt die ovarielle Östrogenproduktion nahezu vollständig aus. Östron aus der peripheren Aromatisierung von Androstendion bleibt die wichtigste Östrogenquelle. Die dadurch entstehende Östrogenmangelsituation ist pathophysiologische Grundlage für Beschwerden wie vaginale Atrophie (urogenitales Menopausesyndrom, UGMS), Hitzewallungen, Osteoporose und Sarkopenie.
Im Rahmen der lokalen Hormonersatztherapie wird Östron als Bestandteil konjugierter equiner Östrogene eingesetzt. Konjugierte equine Östrogene enthalten Östron-3-Sulfat als Hauptkomponente neben weiteren Östrogensulfaten. Darüber hinaus wird Östron als vaginale Applikationsform (Östron-Vaginalcreme) zur Behandlung des GSM verwendet.[3]
Adipositas
Erhöhte Östronkonzentrationen bei adipösen Patientinnen – bedingt durch die gesteigerte periphere Aromatisierung im vermehrten Fettgewebe – werden mit einem erhöhten Risiko für östrogenabhängige Erkrankungen (z.B. Endometriumkarzinom, Mammakarzinom) assoziiert.
Labordiagnostik
Östron kann im Serum und im Urin gemessen werden. Die Messung erfolgt üblicherweise mittels Immunoassay oder Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie (LC-MS/MS).
Referenzwerte
| Phase | Östron (E1) im Serum |
|---|---|
| Prämenopause (Follikelphase) | 37–138 pmol/l (10–37 pg/ml) |
| Prämenopause (Lutealphase) | 55–214 pmol/l (15–58 pg/ml) |
| Postmenopause | 11–118 pmol/l (3–32 pg/ml) |
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
In der Postmenopause übersteigt der Östron-Spiegel den Östradiol-Spiegel – das Verhältnis E1:E2 kehrt sich im Vergleich zur reproduktiven Phase um.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Stanczyk FZ. Metabolism of endogenous and exogenous estrogens in women. J Steroid Biochem Mol Biol. 2024;242:106539.
- ↑ Lu L, Tian L. Postmenopausal osteoporosis coexisting with sarcopenia: the role and mechanisms of estrogen. J Endocrinol. 2023;259(1).
- ↑ Nappi RE et al. Different local estrogen therapies for a tailored approach to GSM. Climacteric. 2023;26(4):361-366.