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Dynamische Kompensation

apl. Prof. Dr. med. Johannes W. Dietrich
Arzt | Ärztin
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Die Theorie der dynamischen Kompensation ist eine integrierte Beschreibung sowohl des Wachstums als auch der Funktion hormonproduzierender Organe in endokrinen Regelkreisen. Erstmals im Jahre 2016 von Omer Karin und Uri Alon formuliert, umfasst sie Modelle für die hormonelle Ausschüttung und die Organmasse, die gemeinsame Motive teilen.

           

Die Theorie beschreibt einen dualen Effekt bestimmter (insbesondere glandotroper) Hormone auf sowohl die Organmasse als auch die Hormonproduktion. Die Methode basiert auf mathematischer Modellierung und Rechnersimulationen endokriner Regelkreise, die, anders als frühere Ansätze, unterschiedliche Zeitskalen zugleich umfassen[1]. Auf einer kurzen Skala von Minuten bis Stunden wird die hormonelle Funktion modelliert, auf einer langen Skala von Monaten und Jahren wird dagegen das Wachstum einer Drüse beschrieben. Regelkreise beider Skalen werden durch gemeinsame Komponenten, z. B. Steuerhormone, gekoppelt.

Endokrine Organmasse

Die Theorie der dynamischen Kompensation kann die automatische und optimale Regelung des Organwachstums erklären. Beispielsweise führt eine geringe Zellmasse der Nebennierenrinde zu einer reduzierten Sekretionsleistung. Aus der resultierenden, relativ niedrigen Cortisolsekretion folgt eine vermehrte ACTH-Produktion des Hypophysenvorderlappens. Konsekutiv stimuliert die erhöhte ACTH-Konzentration nicht nur eine vermehrte Produktion und Sekretion von Cortisol, sondern auch das Wachstum der Nebennierenrinden. Auf diese Weise passt die dynamische Kompensation die Organmasse an den individuellen Bedarf an[1].

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