Demenz
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Loslegenvon lateinisch: dementia - Verrücktheit, Unsinn; demens - ohne Geist
Synonyme: dementielles Syndrom, Demenzsyndrom
Englisch: dementia
Definition
Als Demenz bezeichnet man ein neurologisches Krankheitsbild, das durch den progredienten Verlust kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist. In späteren Krankheitsstadien kommt es in der Folge zu einem Verlust der Alltagskompetenz und zu einem Persönlichkeitszerfall. Das entsprechende Adjektiv ist dementiell bzw. demenziell.
Hintergrund
Neben dem Begriff "Demenz" wird häufig auch der Terminus "dementielles Syndrom" verwendet. Damit wird der Umstand adressiert, dass "Demenz" eher ein Symptomkomplex als eine eigenständige Krankheitsentität ist.
Durch den Verlust der kognitiven Funktionen kommt es bei den meist progredienten Verläufen u.a. zu Beeinträchtigungen der zeitlichen und räumlichen Orientierung, der Kommunikationsfähigkeit und der autobiografischen Identität sowie zum Schwund von Persönlichkeitsmerkmalen. Für Betroffene und Angehörige entsteht hierdurch häufig eine hohe emotionale Belastung. Demenz ist im höheren Lebensalter die häufigste Ursache der Pflegebedürftigkeit. Neben der medizinischen Versorgung verursacht insbesondere der Pflegebedarf von Menschen mit Demenz hohe Kosten für das Gesundheitssystem, die betroffenen Familien und die Gesellschaft.
Demenzen werden in der Medizin als Krankheiten mit neuropathologischem Korrelat und klinischer Krankheitssymptomatik verstanden. Im Gegensatz dazu besteht in der Bevölkerung gelegentlich noch die falsche Vorstellung, dass eine Demenz Teil eines normalen Alterungsprozesses sei.
Epidemiologie
In Deutschland sind ca. 10 % der Personen über 65 an einer Demenz erkrankt. Dabei steigt die Prävalenz exponentiell mit dem Alter an: Während im Alter von < 65 Jahren etwa 0,1 % der Bevölkerung betroffen ist, steigt dieser Wert auf etwa 13 bis 16 % im Alter von 80 bis 84 Jahren und auf 49 % bis 58 % ab dem 100. Lebensjahr. Frauen sind in jedem Alter häufiger betroffen als Männer.
Auch die Inzidenz von Demenzerkrankungen nimmt exponentiell mit dem Alter zu:
- 50–64 Jahre: 0,14 Neuerkrankungen pro 100 Personen pro Jahr
- 65–69 Jahre: 0,2 bis 0,6 Neuerkrankungen pro 100 Personen pro Jahr
- 85–89 Jahre: 4,2 bis 9,7 Neuerkrankungen pro 100 Personen pro Jahr
- ab 95 Jahren: 11,9 Neuerkrankungen pro 100 Personen pro Jahr
Ätiologie
Primäre Demenz
Die primären Demenzen machen etwa 80 bis 90 % der Demenzen aus.[1] Bei ihnen entsteht die Demenz unmittelbar durch eine Erkrankung des Gehirns selbst. Es werden verschiedene Formen unterschieden:
- Degenerative Formen
- Alzheimer-Krankheit (60 bis 80 %)
- Frontotemporale Demenz (u.a. Morbus Pick)
- Lewy-Body-Demenz
- Parkinson-Krankheit mit Demenz
- Chorea Huntington
- Vaskuläre Formen (5 bis 10 %)
- z.B. Vaskuläre Demenz
Mit steigendem Alter kommen Mischpathologien immer häufiger vor.
Sekundäre Demenz
Sekundäre Demenzen entstehen als Folge einer anderen, häufig behandelbaren oder reversiblen Grunderkrankung. Ursachen einer sekundären Demenz sind beispielsweise:
- Endokrinopathien und Stoffwechselstörungen (z.B. Hypothyreose)
- Vitaminmangel- und Mangelerkrankungen (z.B. Vitamin-B12-Mangel, Korsakow-Syndrom bei Thiaminmangel)
- Normaldruckhydrozephalus
- Raumfordernde oder traumatische Prozesse (z.B. Hirntumor, Subdurales Hämatom)
- Infektionskrankheiten (z.B. HIV-Infektion, Neurolues)
- Intoxikationen
Merke: Die Einteilung in primäre und sekundäre Demenzen ist nicht einheitlich normiert. Aktuelle Klassifikationen (ICD-11, DSM-5) ordnen Demenzen stattdessen nach ihrer zugrunde liegenden Ätiologie ein.
Symptome
Typische Symptome einer Demenz sind u.a.:
- zunehmende Gedächtnisstörungen
- Störungen von Aufmerksamkeit, Sprache, Auffassung, Urteilsvermögen und Lernfähigkeit
- Beeinträchtigung emotionaler und sozialer Kompetenzen (z.B. Affektkontrolle)
- Veränderungen der Persönlichkeit, des Antriebs und der affektiven Stabilität (z.B. Depression, Reizbarkeit oder Apathie)
Diagnose
Gemäß ICD-10 müssen die Symptome mindestens 6 Monate bestehen. Die genauen diagnostischen Kriterien sind abhängig von der Demenzform. In der ICD-11 und im DSM-5 wird die Demenz als neurokognitive Störung klassifiziert.
Differentialdiagnose
Ein wichtige Differentialdiagnose ist die Pseudodemenz, die z.B. im Rahmen schwerer Depressionen auftreten kann und im Gegensatz zur echten Demenz prinzipiell reversibel ist. Auch akute Verwirrtheitszustände (Delir) müssen vom dementiellen Syndrom unterschieden werden.
Einwilligungsfähigkeit
Die Diagnose einer Demenz schließt die Einwilligungsfähigkeit des Betroffenen nicht prinzipiell aus. Ab einem bestimmten Krankheitsstadium ist die Erkrankung jedoch mit dem Verlust der Einwilligungsfähigkeit (z.B. für medizinische Maßnahmen) assoziiert. Daher muss im Einzelfall geprüft werden, ob die Einwilligungsfähigkeit für die jeweilige diagnostische oder medizinische Maßnahme vorliegt. Hierzu sollen die Bereiche Informationsverständnis, Krankheits- und Behandlungseinsicht, Urteilsvermögen und Kommunizieren einer Entscheidung bei der betroffenen Person beurteilt werden. In unklaren Fällen können ergänzend strukturierte Instrumente zur Beurteilung der Einwilligungsfähigkeit (z.B. MacCAT-T) eingesetzt werden.
Ist die betroffene Person nicht einwilligungsfähig, muss man die gesetzliche Vertretungssituation prüfen. Gegebenenfalls werden Maßnahmen ergriffen, um eine gesetzliche Vertretung für Fragen der Gesundheitsfürsorge zu schaffen. Sofern eine Patientenverfügung vorliegt, ist diese rechtlich bindend - mit Ausnahme von unaufschiebbaren Maßnahmen, bei denen eine Einwilligung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann, solange sie dem mutmaßlichen Willen des Patienten entsprechen.
Fahreignung
Bei mittelschwerer und schwerer Demenz ist die Fahreignung aufgehoben. Bei leichten Formen muss die Fahreignung im Einzelfall geprüft und mindestens jährlich beurteilt werden.
Demenzerkrankte sollen frühzeitig darüber aufgeklärt werden, dass die Erkrankung im Verlauf zum Verlust der Fahreignung führen wird (Sicherungsaufklärung nach §630c BGB). Die Aufklärung wird zweifelsfrei dokumentiert. Eine diesbezüglich unterbliebene Aufklärung ist ein Behandlungsfehler. Fährt ein Mensch mit Demenz bei fehlender Fahreignung trotz Aufklärung und Aufforderung zur Aufgabe weiterhin, so kann der Arzt trotz der ärztlichen Schweigepflicht zum Schutz des Patienten und anderer Verkehrsteilnehmer die zuständige Ordnungsbehörde oder das Kraftverkehrsamt benachrichtigen. Es handelt sich dabei nicht um eine Verpflichtung.
Therapie
Die Demenztherapie richtet sich nach der Ursache und kombiniert meist nicht-medikamentöse mit medikamentösen Maßnahmen. Bei primärer Demenz lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung i.d.R. nur verzögern, nicht aufhalten. Eine kausale Therapie ist derzeit (2026) nicht bekannt. Im Mittelpunkt steht vorwiegend das sozialmedizinische Management kognitiver Defizite und alltagsrelevanter Einschränkungen.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Sturzprävention
- Ergotherapie
- kognitives und körperliches Training
- psychosoziale Beratung
- Einbindung von Angehörigen
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie der Demenz umfasst die Gabe von Antidementiva. Es stehen verschiedene Stoffgruppen mit unterschiedlicher Wirkrationale zur Verfügung. Sie werden vor allem bei leichten bis mittelschweren Formen der Erkrankung eingesetzt. Die therapeutischen Erfolge lassen sich nur indirekt über kognitive Tests bzw. Psychometrie objektivieren. Die Wirksamkeit wird uneinheitlich beurteilt.
| Stoffgruppe | Wirkstoffe | Wirkmechanismus |
|---|---|---|
| Acetylcholin-esterasehemmer |
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| NMDA-Rezeptor-antagonisten |
| |
| Monoklonale Antikörper |
| |
| Sonstige |
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Artikel zum Thema
ICD-Codes
ICD-10-Codes
- F00: Demenz bei Alzheimer-Krankheit
- F01: Vaskuläre Demenz
- F02: Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
- F03: Nicht näher bezeichnete Demenz
ICD-11-Codes
- 6D80: Demenz bei Alzheimer-Krankheit
- 6D81: Demenz aufgrund einer zerebrovaskulären Erkrankung
- 6D82: Demenz bei Lewy-Körper-Krankheit
- 6D83: Frontotemporale Demenz
- 6D84: Demenz durch psychoaktive Substanzen, einschließlich Medikamente
- 6D85: Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
- 6D8Y: Demenz sonstiger näher bezeichneter Ursache
- 6D8Z: Demenz unbekannter oder nicht näher bezeichneter Ursache
Leitlinie
- AWMF - S3-Leitlinie Demenzen, AWMF-Registernummer 038-013, Version: 4.0, Stand 2023
Quellen
- ↑ Pschyrembel - Demenz, abgerufen am 06.12.2022
Literatur
- Pharmazeutische Zeitung - Langsamer Abschied für alle, abgerufen am 06.12.2022
- Gelbe Liste - Demenz, abgerufen am 06.12.2022
- Berlit, Basiswissen Neurologie, Springer Verlag, 2014