Antisense-Oligonukleotid
von altgriechisch: ολίγος ("oligos") - wenige
Englisch: antisense oligonucleotides
Definition
Als Antisense-Oligonukleotide, kurz ASO, bezeichnet man synthetische, kurzkettige, einzelsträngige Nukleinsäuren, die aus wenigen Nukleotiden aus einer frei wählbaren Abfolge von Basen aufgebaut sind. Antisense-Oligonukleotide binden über komplementäre Basenpaarung an eine zelluläre Nukleinsäure, deren Basenabfolge zu ihnen passt und beeinflussen so die Genexpression.
Wirkmechanismus
Antisense-Oligonukleotide können verschiedene Schritte der Genexpression beeinflussen:
- Zum einen kann das mRNA-Processing der prä-mRNA verändert werden, indem das Splicing bestimmter Exons blockiert oder moduliert wird.
- Zum anderen können Antisense-Oligonukleotide die Stabilität ihrer Ziel-mRNA verändern oder die Translation verhindern, sodass die Synthese des entsprechenden Proteins reduziert oder vollständig unterdrückt wird.
Pharmakologie
Modifikation
Um eine rasche enzymatische Degradation durch Nukleasen zu verhindern und die pharmakologischen Eigenschaften zu verbessern, werden Antisense-Oligonukleotide häufig chemisch modifiziert. Dabei kommen verschiedene Nukleinsäureanaloga zum Einsatz, die Stabilität, Bindungsaffinität und Spezifität erhöhen. Beispiele für solche Modifikationen sind:
- 2'-O-Methyl
- 2'-Fluoro
- MOE (2'-methoxyethyl)
- LNA (locked nucleic acid)
- Morpholino
Delivery
ASOs zeigen nativ nur eine schlechte Zellpenetration, die ihre therapeutische Anwendung einschränkt. Um eine Aufnahme in die Zelle zu ermöglichen, ist ein spezielles Drug Delivery notwendig. Die ASOs werden zum Beispiel in Lipid-Nanopartikel eingeschlossen oder an spezielle Carrier-Moleküle wie GalNAc gekoppelt, die eine rezeptorvermittelte Endozytose in die Zielzellen ermöglichen.
Klinik
Exon-Skipping mittels ASO wird zur Therapie verschiedener, genetisch bedingter Erkrankungen, wie etwa der spinalen Muskelatrophie (SMA) oder der zystischen Fibrose, eingesetzt. Hier werden ASOs verwendet, die auf Spleißstellen abzielen, sodass fehlerhafte Exons übersprungen werden. Dabei werden zwar Teile des Proteins nicht gebildet, jedoch verhindert, dass etwa bei Nonsense-Mutationen ein Nonsense-vermittelter mRNA-Abbau (NMD) eintritt.