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Anti-Faktor Xa-Aktivität

1 Definition

Die Anti-Faktor Xa-Aktivität ist ein hämostaseologischer Test zur Therapiekontrolle von Gerinnungsmedikamenten, die hauptsächlich oder ausschließlich durch Hemmung des aktivierten Faktor X (FXa) wirken.

2 Anwendung

Medikamente, deren Wirkung durch eine Bestimmung der Anti-FXa-Aktivität kontrolliert werden kann, sind:

Auch unfraktioniertes Heparin hat eine Anti-FXa-Aktivität. Diese macht aber nur ca. 10% der Heparinwirkung aus. In bestimmten Situationen, wie starker Heparin-Überdosierung oder gestörter PTT-Bestimmung durch Lupus-Antikoagulantien, kann die Bestimmung trotzdem sinnvoll sein.

3 Messmethode

Gemessen wird die Hemmwirkung des Patientenplasmas in einem Reagenzsystem, das Faktor Xa und einen synthetischen Farbstoff enthält, der durch FXa freigesetzt wird (sog. chromogenes Substrat). Die Farbentwicklung ist umgekehrt proportional zur Anti-FXa-Aktivität. Der Test muss für die zu untersuchenden Substanzen unterschiedlich geeicht werden. Mit derselben Messmethode werden bei niedermolekularem Heparin IU/ml und bei Rivaroxaban ng/ml als Ergebnis berichtet. Für Apixaban gibt der Hersteller in der Fachinformation eine Anti-FXa-Aktivität in IE/ml wie bei Heparin an. Diese korreliere über einen weiten Dosisbereich mit der Plasmakonzentration des Medikamentes.

4 Wertelage

Bei der Beurteilung der Messergebnisse ist der Zeitabstand zur letzten Medikamenteneinnahme bzw. Injektion zu beachten. Bei s.c.-Injektion von niedermolekularem Heparin ist der Spitzenspiegel nach 3-4 h zu erwarten, bei Einnahme oraler, direkter FXa-Hemmer nach 2-4 h.

4.1 Niedermolekulares Heparin

Therapeutischer Bereich in der Behandlung von Thrombosen: Spitzenspiegel 0,5-1 IU/ml.

4.2 Rivaroxaban

Therapie akuter, tiefer Venenthrombosen mit 20 mg/d: Spitzenspiegel 215 ng/ml (Range: 22-535 ng/ml), Talspiegel 32 ng/ml (Range: 6–239 ng/ml).[1]

4.3 Apixaban

Therapie von tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie mit 2 mal 10 mg/d: Spitzenspiegel 251 IE/ml (Median, 5-95%-Perzentil: 111-572 IE/ml) Talspiegel 120 IE/ml (5-95%-Perzentil: 41-335 IE/ml).

5 Einschränkungen

Die Heparin-kalibrierte Anti-FXa-Aktivität ist nicht für die Kontrolle von NOAK geeignet. Es muss je nach Medikament der richtige Test angefordert werden, ansonsten wird ein Messwert produziert, der nicht die klinische Wirkung abbildet. Dies liegt in der Verantwortung des Einsenders und ist vom Labor nicht kontrollierbar. In "Bridging"-Situationen - d.h. der Patient erhält überlappend verschiedene Antikoagulantien - ist der Test nicht verlässlich einsetzbar.

In der medizinischen Umgangssprache wird die Untersuchung gelegentlich als "Faktor X-Test" bezeichnet. Ein hämostaseologisches Speziallabor bestimmt bei dieser Anforderung die Aktivität des Faktor X, was nichts mit dem Monitoring von Antikoagulantien zu tun hat.

6 Quellen

  1. Koscielny J et al: Blutungsrisiko und Blutungsnotfälle unter Rivaroxaban - Periinterventionelles Hämostasemanagement. Hämostaseologie 2012; 32: 287–293.
Guter Vorschlag
#2 am 29.01.2016 von Dr. med. Norbert Ostendorf (Arzt)
Aristeas
"Faktor X-Test": "Ein hämostaseologisches Speziallabor bestimmt bei dieser Anforderung den Spiegel des Faktor X" Richtiger wäre: die Aktivität des Faktor X, nicht den Spiegel.
#1 am 14.12.2015 von Aristeas (Arzt)

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