Adhäsionsbarriere
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Antiadhäsionsbarriere, Adhäsionsprophylaxe
Englisch: adhesion barrier
Definition
Adhäsionsbarrieren sind Medizinprodukte, die am Ende einer Operation in den Körper eingebracht werden, um die postoperative Neubildung von Adhäsionen zu verringern. Verwendet werden resorbierbare Membranen, Vliese, Gele oder Flüssigkeitsbarrieren.
Hintergrund
Adhäsionen entstehen als Folge einer überschießenden Wundheilung nach operativen Eingriffen, Entzündungen oder Traumata. In der frühen postoperativen Phase – typischerweise innerhalb der ersten 5–7 Tage – bildet sich ein Fibrinnetz zwischen benachbarten Gewebeoberflächen. Fibroblasten wandern in dieses Netz ein und organisieren es durch Kollagensynthese zu dauerhaften Verwachsungen. Klinisch relevante Folgen sind unter anderem der Adhäsionsileus, Infertilität bei Frauen sowie chronische Schmerzen im Abdomen und Becken. Adhäsionen erschweren zudem häufig nachfolgende operative Eingriffe.
Wirkmechanismus
Adhäsionsbarrieren werden am Ende einer Operation an den Stellen eingebracht, wo der Operateur die Entstehung neuer Adhäsionen erwartet. Sie entfalten keine pharmakologische Wirkung, sondern trennen benachbarte Organ- und Gewebeoberflächen mechanisch voneinander. Hierdurch soll die Fibrinvernetzung und die nachfolgende Einwanderung von Fibroblasten zwischen den Flächen verhindert werden.
Adhäsionsbarrieren sind resorbierbar und werden vom Körper innerhalb weniger Tage bis Wochen abgebaut und ausgeschieden werden.
Beispiele
Beispiele für verfügbare Adhäsionsbarrieren im DACH-Raum sind:
| Substanz | Einsatzgebiete | Wirkmechanismus / Eigenschaften | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Polyethylenglykol (PEG) | Thorax und Becken | Wird auf die gewünschten Stellen gesprüht, polymerisiert zu langen Molekülketten und absorbiert über Osmose Wasser aus dem umliegenden Gewebe; das entstehende Hydrogel verbleibt 7–30 Tage als Barriere an der applizierten Stelle | offen oder minimalinvasiv |
| Hyaluronsäure und Carboxymethylcellulose (HA-CMC) | Bauch und Becken | Ist als Film in verschiedenen Größen verfügbar und wird am Ende der Operation auf die betroffenen Organe oder Gewebe aufgelegt; enthaltene Hyaluronsäure wirkt osmotisch wodurch der Film sich zu einem Gel verflüssigt während die Carboxymethylcellulose die strukturgebende Grundlage der Barriere bildet | offen oder minimalinvasiv |
| 4%ige Icodextrin-Lösung | Bauch und Becken | Lösung wird intermittierend in Schritten von 100 ml in das Abdomen eingebracht, das restliche Volumen (ca. 1 Liter) verbleibt im Peritoneum; Icodextrin wirkt als kolloidale Lösung mit erhöhtem onkotischem Druck (Hydroflotation) und bildet eine Barriere im gesamten Abdomen und Becken | minimalinvasiv |
| Oxidierte regenerierte Zellulose (ORC) | Becken | ORC wird in dünnen Schichten an die gewünschten Stellen appliziert; da ORC hämostatisch wirkt, muss bei der Applikation als Adhäsionsbarriere sichergestellt werden, dass keine aktive Blutung vorliegt | offen (Laparotomie) |
| Gelförmige Hyaluronsäure | Bauch, Becken und Uterus | Hochviskoses Polysaccharid-Gel verbleibt an der Applikationsstelle und nimmt über Osmose Gewebsflüssigkeit auf; modifizierte Variante ist für den hysteroskopischen Einsatz konzipiert | offen und hysteroskopisch/minimalinvasiv |
Kontraindikationen
Die Anwendung ist bei Unverträglichkeiten gegenüber Inhaltsstoffen der jeweiligen Präparate kontraindiziert. Ebenso ist der Einsatz in Bereichen kontraindiziert, in denen eine verstärkte Adhäsionsbildung oder überschießende Wundheilung medizinisch erwünscht ist, beispielsweise nach Pleurodese im Thorax.
Bei kontaminierten Operationsgebieten ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Als Fremdmaterial können Adhäsionsbarrieren eine akute Infektion begünstigen bzw. deren Verlauf erschweren. Dem gegenüber stehen die potenziell schwerwiegenden Langzeitkomplikationen durch postoperative Adhäsionen nach Abheilung der Infektion.
Evidenz
Quellen
- ↑ Fazio et al., Reduction in adhesive small-bowel obstruction by Seprafilm adhesion barrier after intestinal resection, Dis Colon Rectum, 2006
- ↑ Brown et al., Adept (icodextrin 4% solution) reduces adhesions after laparoscopic surgery for adhesiolysis: a double-blind, randomized, controlled study, Fertil Steril, 2007
- ↑ ten Broek et al., Bologna guidelines for diagnosis and management of adhesive small bowel obstruction (ASBO): 2017 update of the evidence-based guidelines from the World Society of Emergency Surgery ASBO working group, World J Emerg Surg, 2018