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Legionellen-Pneumonie

Synonyme: Legionärskrankheit, Legionellose
Englisch: Legionnaires' disease

1 Definition

Die Legionellen-Pneumonie ist eine durch Legionellen hervorgerufene Form der Pneumonie. Häufigster Erreger ist die Art Legionella pneumophilia.

2 Hintergrund

Die Legionellen-Pneumonie wurde erstmals 1976 bei einem epidemischen Krankheitsausbruch nach einem Treffen amerikanischer Legionäre zusammen mit der als Pontiac-Fieber bezeichneten milderen Verlaufsform beschrieben.

3 Klinik

Nach einer 2-10 Tage andauernden Inkubationszeit zeigen sich erste Krankheitserscheinungen:

Die Legionellen-Pneumonie verläuft meistens als atypische Pneumonie mit einem zähen, relativ unproduktiven Husten. Bei vorher gesunden Patienten ist die Prognose günstig. Bei Patienten mit kardialen und pulmonalen Grundleiden (z.B. Herzinsuffizienz, COPD) verschlechtert sich die Prognose dramatisch. Die Mortalität liegt bei über 60%. Eine adäquate und zeitgerechte Einleitung der Behandlung sind daher äußerst wichtig.

4 Diagnostisches Vorgehen

Die Legionellen-Pneumonie tritt bevorzugt bei älteren Patienten (>50 Jahre) auf. Ebenfalls erkranken Männer häufiger als Frauen (2,5:1). Eine Immunsuppression (z.B. bei Diabetes mellitus, Alkoholabusus, Nikotinabusus) ist prädisponierend.

Der Erreger der Legionellen-Pneumonie befindet sich in allen Süßwasserreservoiren, häufig künstlichen Wassersystemen wie Wasserleitungssystemen und Abwässern, aber auch in Rückkühlwerken und Kühltürmen, Klimaanalagen und Whirlpools. Sie stellen daher ein erhebliches Problem für die Krankenhaushygiene dar. Bewohner von Altenheimen u.ä. können epidemisch betroffen sein.

Der Verdacht auf eine Legionellen-Pneumonie liegt vor allem bei älteren Patienten nahe, die neben den typischen Symptomen einer atypischen Pneumonie an Diarrhö leiden und bei Eintritt der Krankheitszeichen bewegungsarm und desorientiert waren. Ein weiteres häufiges Indiz ist die fehlende Besserung einer Pneumonie nach Verabreichung einer Kombination von beispielsweise Amoxicillin und Clavulansäure.

Die Erregerdiagnostik ist durch Gewinnung von Bronchialsekret nach bronchoalveolärer Lavage möglich. Gold-Standard ist die Anzucht auf selektiven Nährböden, um danach Feintypisierungen durchzuführen. Leider dauert dieses Verfahren bis zu 10 Tage, weswegen schnellere Verfahren notwendig sind. Aus dem respiratorischem Material ist ebenfalls der schnelle Nachweis der DNA via PCR möglich.

Eine weitere Möglichkeit mit allerdings eingeschränkter Spezifizität ist der direkte Nachweis von Antigenen im Urin mittels Bedside-Tests oder im Labor mittels ELISA.

Das direkte Anfärben und Darstellen des Erregers mit fluoreszierenden Farbstoffen unter dem Lichtmikroskop wird mangels Sensitivität nur noch selten durchgeführt.

Der Nachweis des Erregers aus Blutkulturen ist nicht möglich. Auch der Nachweis eines erhöhten Antikörper-Titers wird nicht für die Diagnostik genutzt, da dieser nicht zwischen akuter und bereits bestehender Infektion unterscheidet. Ein Titeranstieg zeigt sich häufig erst in 6. bis 8. Woche der Krankheit.

5 Therapie

Zur Zeit (2017) gilt Levofloxacin als Mittel der ersten Wahl. Die Behandllung sollte noch vor dem Eintreffen der Erregerdiagnose erfolgen. Makrolid-Antibiotika (z.B. Erythromycin) können alternativ verabreicht werden. Diese decken günstigerweise auch durch Chlamydien und Mykoplasmen erregte Pneumonien ab.

Bestätigt sich der Erreger durch die mikrobiologische Diagnostik, kann die Therapie beibehalten und fortgeführt werden.

6 Ausbrüche

Legionellen können Ausbrüche verusachen. Häufig sind die Ausbrüche Kühlturmassoziiert. Aber auch noskomiale Ausbrüche sind beschrieben.

7 Meldepflicht

Nach §6 IfSG Abs. 1 IfSG (Meldepflichtige Krankheiten) besteht keine Meldepflicht für Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod. Treten Legionellen-Infektionen als nosokomiale Infektionen gehäuft auf, sind sie nach §6 Abs. 3 IfSG als "Ausbruch" dem Gesundheitsamt nicht-namentlich zu melden.[1]

Nach §7 IfSG (Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern) ist der direkte und indirekte Nachweis von Legionella spp. namentlich meldepflichtig, wenn ein Hinweis auf eine akute Infektion besteht.[2]

8 Quellen

  1. Gesetze im Internet §6 IfSG
  2. Gesetze im Internet §7 IfSG

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